Outdoormind hat ein Interview mit Karin Pasterer geführt. Die 21-jährige Österreicherin besticht durch ihren Fahrstil und kann bereits auf eine junge Karriere zurückblicken. Wir haben uns das Biketalent geschnappt und ihr ein paar Fragen gestellt. Wieso sie sich gerade schonen muss und wovon sie träumt erfahrt ihr hier.

Interview mit Karin Pasterer

Liebe Karin, wie geht es dir nach deinem Unfall? Du hast dich vor Kurzem verletzt. Erzähl uns kurz was passiert ist.

Passiert ist der Unfall in Chatel, während meinem Urlaub. Ich hatte den ganzen Tag schon ein eigenartiges Gefühl und habe die meisten Sprünge ausgelassen. Am späten Nachmittag sind wir dann aber im oberen Teil des Bikeparks noch an einem Roadgap vorbeigefahren, bei welchem ich mich dann doch entschied zu springen. Es war gar nicht der Sprung selber, der den Sturz verursachte sondern eine hohe Bremswelle circa 10 Meter nach der Landung, bei der ich dann mit der linken Hand vom Lenker abrutschte und mit dem Kopf zuerst im Boden einschlug. Zuerst sah alles so aus als wäre ich noch ganz und bin noch mit dem Bike zur Mittelstation gerollt. Auf dem Weg nach unten bemerkte ich dann, dass ich meinen Kopf nicht mehr bewegen kann und wir beschlossen ins Krankenhaus zu fahren. Ich hätte auf mein Gefühl hören sollen, denn bei diesem Crash habe ich mir den 7ten Halswirbel gebrochen, wurde noch in Frankreich operiert und muss nun einige Monate pausieren. Mein Neckbrace hat mich aber glaube vor noch schlimmerem bewahrt.

Jetzt gibt es erstmal eine Auszeit. Einen perfekten Zeitpunkt für eine Verletzung gibt es wohl nie. Wie kurierst du dich aktuell? Wie lenkst du dich ab und wie schaffst du es dabei mentale Stärke zu beweisen?

Die Auszeit fällt mir sehr schwer, vor allem weil ich dieses Jahr die Chance gehabt hätte beim World Cup in Leogang dabei zu sein. Außerdem weiß ich nicht wirklich, was ich mit meiner Zeit anfangen soll, wenn ich nicht aufs Rad darf.
Ich gehe momentan viel spazieren und habe sogar angefangen Muffins zu backen (eine sehr untypische Beschäftigung für mich, aber irgendwie muss ich mich ja beschäftigen).
Durch diese Zeit helfen mir meine Freunde, meine Familie und mein Freund, der es mit mir und meinen Launen momentan glaube ich auch nicht ganz einfach hat. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung von allen und ich weiß nun auch auf wen ich mich verlassen kann und auf wen nicht.
Mental geht es mir nicht schlecht: Ich weiß, dass ich wieder auf die Beine komme und bin sowieso eher optimistischer Natur ;)

Die Bike Lady Karin Pasterer springt über die Strasse
Karin Pasterer beim roadgap jump (c) daniel roos

Einige werden dich kennen. Du gehörst zu den Mädels, die auf dem Downhill-Bike Gas geben und fährst für YT Industries. Was müssen wir noch über dich wissen?

Kennt ihr die Snickers-Werbung?! ;)

Saalbach Hinterglemm ist dein Zuhause. Auch wir von Outdoormind fahren jährlich mehrmals in dieses Bikeparadies. Wenige Regionen können bei dieser Infrastruktur mithalten. Wie oft sitzt du auf dem Bike und wo gehst du am liebsten biken und mit wem?

Dieses Jahr war ich Bike Guide bei Bike `n Soul in Saalbach Hinterglemm. Ich war also jeden Tag auf meinem Bike, denn auch an meinen freien Tagen habe ich die Zeit im Bikepark und beim Pumptrack mit meinen Freunden verbracht. Am liebsten fahre ich in Saalbach Hinterglemm auf der X-Line und Pro-Line und in Leogang, da ich das Gebiet direkt vor der Haustür habe und nicht lange mit dem Auto fahren muss.

Welchen Bike Hot Spot (neben Saalbach Hinterglemm und Leogang) muss man gesehen haben?

Serfaus-Fiss-Ladis hat dieses Jahr einen extrem coolen Bikepark aus dem Boden gestampft, den man sich unbedingt einmal ansehen muss! Schladming zählt mittlerweile auch zu meinen Lieblingsstrecken.
Whistler geht mir seit meinem Aufenthalt im letzten Jahr auch nicht mehr aus dem Kopf – das Gebiet dort ist einfach der Wahnsinn!

Du schreibst in einem anderen Interview bei MTB-ZEIT.DE, dass du dich als Hobby-Bikerin bezeichnest und es auch dabei bleiben soll. Dafür gehörst du wohl zu den Ausnahmen. Viele hätten auch gerne einen Sponsoren, der keine Leistungen erwartet. Ist das so bei YT-Industries? Was sind denn deine Ziele beim Biken, wenn es nicht nur darum geht, die Beste zu sein?

Der Begriff Hobby-Bikerin beschreibt in meinen Augen eher den, dass man Spaß an dem hat, was man macht – und das soll so bleiben! Wenn ich jeden Tag einige Stunden im Fitnessstudio verbringen müsste, um an der Spitze mitfahren zu können, wäre das für mich eine Qual und somit wäre das Biken kein Hobby mehr. Natürlich will ich mich verbessern und das mache ich, indem ich mich mit anderen Sportarten fit halte. Und es ist ja nicht so, dass ich gar keine Leistungen bringe. Ich fahre ja auch einige Rennen mit, bei denen ich dieses Jahr schon besser unterwegs war als die Jahre zuvor – ich mache es halt in dem Maß, das mir Spaß macht.

Karin Pasterer radelt in den Sonnenuntergang
Sundowner Karin Pasterer (c) daniel roos

Mädels und Downhill – das ist immer noch keine allzu gewöhnliche Kombination, aber man sieht immer mehr Mädels, die sich in den Bikepark wagen, gröbere Strecken angehen und Spaß dabei haben. Wie siehst du das? Was rätst du der Frauenwelt? Lernt man es eher von den Jungs oder wenn man mit anderen Mädels biken geht? Wie war das bei dir?

Ich finde es toll, dass sich immer mehr Mädels für diesen Sport begeistern können! Ich habe vor acht Jahren auch wegen einer Freundin angefangen und wir haben uns gegenseitig gepusht. Ob man von Mädels oder Jungs mehr lernt macht für mich keinen Unterschied. Wenn jemand schneller fährt als ich, versuche ich einfach mitzuhalten – und das kann ja auch ein Mädel sein ;)
Ich kann den Frauen in der Szene nur raten, dass sie sich nicht einschüchtern lassen sollen, wenn im Bikepark mal ein schnellerer Fahrer oder eine schnellere Fahrerin hinter ihnen ist. Den meisten Ridern ist das nämlich egal. Die lässt man dann einfach vorbei und genießt danach die Abfahrt in seinem eigenen Tempo. Und wenn sich doch einmal jemand aufregt: Ignorieren! Der Bikepark ist für alle da!

Karin Pasterer
Karin Pasterer

Jetzt musst du erstmal Ruhe geben. Vermutlich träumst du aber schon davon, wieder auf dem Bike zu sitzen. Was steht die Bikesaison 2014 bei dir an? Schon Pläne?

Na klar träume ich schon davon – ich halte es jetzt schon kaum noch aus! Das Wichtigste für die nächste Saison ist, dass ich wieder auf mein Level komme, mich weiterentwickle und ich hoffe mein Crash hängt mir nicht allzu fest in meinen Gedanken.

Und was machst du so, wenn du nicht gerade auf dem Bike sitzt?

Ich studiere Event- und Sportmanagement an einer Fernuni und arbeite zusätzlich auf Teilzeit.

Die Bikesaison ist bald zuende und die Wintersaison steht vor der Tür. Was steht da bei dir an? Bist du im Winter genauso verrückt unterwegs wie im Sommer?

Im Winter bin ich viel mit dem Snowboard unterwegs und gehe gern in einer Halle klettern. Manchmal verschlägt es mich mit meinem Bike auch in den Funpark, der eigentlich für Snowboarder und Freeskier gedacht ist. Mal sehen, ob ich für den Winter wieder fit bin um diesen Hobbies auch nachgehen zu können ☺

Karin Pasterer beim Biken im Winter
So sieht das dann aus (c) shortyhimself

Zu guter Letzt: Was möchstest du noch loswerden?

Lebt euer Leben so, dass ihr am Ende nicht bereut etwas verpasst zu haben.

Hier gibt es noch ein Video von Karin Pasterer. OFFSEASON passt aktuell ja ganz gut und aus diesem Grund gibt es auch ein paar Bewegtbilder von Karin. So bleibt sie präsent und bereitet nicht nur sich, sondern auch uns auf die nächste Saison vor…

Danke Karin. Wir wünschen dir erstmal gute Bessertung!!