Ischgl Bergblick
Ischgl Bergblick (c) Hansmann PR

Viele kuriose Geschichten ranken sich um Ischgl im Paznauntal. Das Tiroler Bergdorf macht weniger durch seine Beschaulichkeit, als durch seinen Spitznamen der „Ballermann der Alpen“ von sich reden. Doch mit der Neueröffnung der Gondel Piz Val Gronda will sich Ischgl nun auch als Freeridegebiet beweisen. Für uns war das Grund genug dort auf ein Wochenende vorbei zu schauen. Doch jenseits von Après-Ski und DJ Ötzi waren wir auf der Suche nach dem wahren Ischgl.

Ischgl ist das Feiermekka der Alpen

Puh, Ischgl. Hört man diesen Namen schießen einem sofort sämtliche Bilder aus RTL2-Dokus durch den Kopf. Hauptsächlich denkt man dabei an feierwütige Touristen, viel Après-Ski und noch mehr Alkohol. Allerdings war dieses Ischgl nicht unser Ziel, als wir uns für ein Wochenende in die Höhle des Löwen begeben.
Aufgrund der derzeitigen Schneelage hatten wir von Anfang an nicht sonderlich große Hoffnung auf ein paar Powdertage. Dieser Eindruck wird auch sofort bestätigt, als wir ins Paznauntal abbiegen. Der Schnee am Straßenrand begrenzt sich auf großzügige 0,5 cm und die umliegenden Hänge machen da keine große Ausnahme. Zunächst begrüßt uns die Abzweigung nach Kappl, hier kommt noch einmal kurz Powderfeeling und die Sehnsucht nach Schnee auf, bis wir immer näher nach Ischgl kommen. Die Hotels und die parkenden Autos nehmen zu. Die Kennzeichen werden immer exotischer und einige Touristen suchen ihren Weg über die Straße. So weit so gut, sieht es eigentlich recht beschaulich aus. Doch zwischendurch blitzt immer mal wieder ein gelber Après-Ski Schirm auf und es lässt sich erahnen, dass es den meisten hier doch nicht nur ums Skifahren geht.
Die erste Nacht verbringen wir in Galtür und je weiter man sich aus Ischgl entfernt, desto mehr hat man das Gefühl sich mitten in die Natur zu begeben. Die Berge werden übermächtig und die traditionellen Gebäude treten hinter die weißen Riesen zurück.

Ischgl Bergpanorama
Ischgl Bergpanorama (c) Hansmann PR

Schon am ersten Abend wird uns in der Walserstube in Mathon beste regionale Küche aufgetischt und wir fühlen uns zum ersten Mal wie in einem kleinen Bergdorf und nicht wie in dem Feier-Mekka der Alpen.
Am nächsten Morgen fahren wir mit der Gondel zum Sonnenaufgang auf den Pardratschgrat. Im Restaurant Pardorama genießen wir bei einem Early-Bird-Frühstück durch die riesigen Panoramafenster die umliegende Bergwelt. Von unserem reich gedeckten Tisch können wir beobachten, wie die Wolken die Gipfel umspielen und wie erste Sonnenstrahlen den Himmel erhellen.
Ischgl ist mit seinen 238 Pistenkilometern ein riesiges Skigebiet und durch die Verbindung zu Samnaun wird es noch größer und vielseitiger. Ist Ischgl der Partyort, so braucht man nur über die Grenze und befindet sich in der beschaulichen Schweiz und kann sogar beim shoppen den Zoll umgehen. Mit der Zeit haben wir vergessen, wo wir uns befinden und genießen einfach nur das endlose Terrain mit all seinen Möglichkeiten und uns gelingt es sogar ein paar Powderlines zu finden.
Aber mit einem Mal sind wir wieder im Skizirkus und essen auf der legendären Idalpe zu Mittag. Strass und pelzbesetzte Jacken funkeln mit Sonnenbrillen und Champagnergläsern um die Wette. Die Musik schwillt an und die gesamte Umgebung wird mit dröhnendem Bass versorgt. Wir bahnen uns den Weg an den Schirmbar-Touristen vorbei und versuchen ein ruhigeres Plätzchen zu finden.

Piz Val Gronda als neues Prestigeobjekt

Um uns anschließend dem Trubel zu entziehen verschlägt es uns zur nächsten Übernachtung mitten in das Fimbatal auf die Heidelberger Hütte. Dazu dürfen auch wir endlich und an diesem Tag auch als einzige mit der neuen Piz Val Gronda fahren. Mit diesem Projekt will sich Ischgl nun auch den Freeridern öffnen und erschließt mit dieser Gondel ein unpräpariertes, reines Freeridegebiet. Jahrelang war das Fimbatal und der Piz Val Gronda nur Skitourengehern vorenthalten, doch seit Weihnachten können auch die gemeinen Ischgl-Touristen in den Genuss des unberührten Powders kommen. Umweltschützer haben sich vehement gegen das Projekt gewährt, doch nun ist die Gondel das neue Vorzeigeprojekt des Tourismusverbandes und bringt bis zu 150 Personen auf beheizten Sitzen bequem auf den Gipfel.

Gondel Piz Val Gonda
Gondel Piz Val Gonda (c) Hansmann PR

Oben angekommen spüren wir sofort die 60km/h Föhnsturm und wissen auch warum die Piz Val Gronda heute eigentlich nicht laufen sollte. Der Bergführer checkt unsere Piepser und wir machen uns auf den Weg zur Heidelberger Hütte auf 2260m.  Wir nutzen die letzten Schneefetzen, die der Föhn verschont hat und hangeln uns durch das totale Whiteout zwischen Felsen und Gras durch das Fimbatal. Der Himmel verschwimmt mit dem Schnee und taucht alles in ein unwirkliches Weiß, das uns jegliche Orientierung nimmt. Nach einiger Zeit, in der wir uns anhand unseres Vordermannes zurecht finden und die Ski über Felsen getragen haben, erreichen wir die Heidelberger Hütte. Sie liegt zwischen Tirol und der Schweiz und begrüßt uns erst einmal recht herzlich mit Glühwein. Hier wirkt die Hütte nicht übermächtig, sie fügt sich vielmehr in die Natur.

Tiroler Charme auf der Heidelberger Hütte

Nun sind wir endlich weg aus sämtlichen Touristenhochburgen: kein Handyempfang und auch kein Internet. Die warme Dusche und vor allem die gute Tiroler Küche geben uns wieder Energie und wir können nun auch ausgiebig sämtliche heimische Spirituosen testen. Allerdings soll nur so viel verraten werden: jeder sollte unbedingt einmal Subirer Schnaps probieren, so mancher Freeride Pro kann ganz schön gut auf der Klampfe zupfen und hinter dem ein oder anderen Hüttenkoch verbirgt sich ein kleiner Musiker.

Doch so gut und lang der Abend zuvor auch war, so kurz war dann doch die Nacht und die Abfahrt nach Ischgl holt uns schneller ein als unser müdes Dasein sich erhofft hat. Die Spritzigkeit und Leichtigkeit in den Beinen muss irgendwann zwischen 1Uhr und 4Uhr morgens verloren gegangen sein und dabei stellt sich dann doch die Frage: welches ist denn nun das wahre Ischgl? Die Feiermetropole oder das beschauliche Bergdorf? Ehrlich gesagt beides. Man kommt nicht umhin, dass man Aprés-Skitouristen trifft, aber im gesamten Gebiet gibt es genügend schöne Ecken, um sich zurück zuziehen und seine Powderlines zu fahren. Leider konnten wir diese aufgrund der Schneesituation nicht ausgiebig testen, aber gesehen haben wir schon so einige. Das ursprüngliche Ischgl ist also nicht verschwunden, sondern es hält sich nur gut zurück und will gefunden werden.

Fazit

Ischgl ist für Jedermann geeignet. Das Freeridepotential ist riesig, doch kann man auch in zwei Parks, dem Playstation Vita Ischgl Snowpark und dem Obstacle Freestyle Boardpark in Samnaun, bestens auf seine Kosten kommen. Die Pisten sind hervorragend präpariert und wie man weiß, muss man auch auf Après-Ski nicht verzichten. Allerdings sollte man auch mal ein Blick auf das andere Ischgl werfen. Die Heidelberger Hütte ist dafür der perfekte Ausgangspunkt und dafür lohnt sich jede Strapaze.