Blackcomb Coast Suites
Blackcomb Coast Suites (c) Outdoormind

Bei wem steht Freeskiing in Whistler Blackcomb nicht oben auf der Liste? Whistler Blackcomb zählt zu den Traumzielen unter Skifahrern. Rund 125km von Vancouver entfernt liegt das Gebiet, das durch Unmengen an Champagne Powder jährlich unzählige Skifahrer nach British Columbia lockt. Auch Outdoormind war ein paar Tage vor Ort und berichtet.

Whistler ist das Skiparadies im Pacific North West

Der Regen prasselt auf meinen Helm. Tropfen laufen mir über die Jacke und sammeln sich in einer Falte zu einer kleinen Pfütze. Je weiter wir nach oben kommen, desto mehr mischt sich unter den Regen Schnee. Der kalte Wind lässt die Tropfen auf der Jacke gefrieren und bildet eine Eisschicht, die sich von mir bis über den Sessellift ausbreitet. Schemenhaft lassen sich einzelne Fahrer auf der Piste erkennen und der Nebel zieht immer mehr über uns herein, als wir oben an der Liftstation ankommen. Ehrlich gesagt habe ich mir das Ganze ja anders vorgestellt, als ich meine Reise nach Whistler, British Columbia gebucht habe. Mir kamen eher Dinge wie Champagne Powder, Sonne und unendliche Powderabfahrten in den Sinn und nicht White-Out, Regen und der Kampf mit dem Jetlag. Dabei wollten wir den ersten Tag so gut starten. Um 7.30 Uhr haben wir uns aufgemacht zum Frühstück, allerdings gab es anscheinend schon seit 7 Uhr Essen und wir mussten uns mit den letzten Gästen um ungezuckertes Oatmeal und ein paar Rühreier drängen. Dazu gab es so ungefähr den stärksten Schwarztee der Welt. Naja, dann lieber los auf die Ski. Da es hier um 8 Uhr noch nicht sonderlich hell ist, kann man kaum seine Skibrille aufsetzen, aber wir freuen uns schon auf unsere neue Whistler Keycard und gehen voller Vorfreude zum Schalter. Und was passiert: ein Blatt Papier und ein Kabelbinder…

Skiticket Whistler Blackcomb
Skiticket Whistler Blackcomb (c) Outdoormind

Mmmh naja, ich muss sagen das war mein erstes Mal Skifahren in Kanada und da waren meine Erwartungen schon ziemlich hoch geschraubt, aber da muss man sich dann wohl anpassen. Wir reihen uns brav in die Schlange am Lift ein und lernen gleich unsere Kollegen kennen, die sich mit uns den Sessellift teilen werden. Mit besten Vorsätzen haben wir den Tag begonnen, aber mit neun Stunden Zeitverschiebung und einer 17 Stündigen Reise am Vortag, lässt die Energie irgendwann nach. Naja also gut ab ins Hotel und den Akku im Jacuzzi wieder aufladen. Wetter hin oder her, ich wollte schon immer einmal nach Kanada und vor allem nach Whistler zum Skifahren. Allein der Weg nach Whistler entlang des Sea-to-Sky Highway, gilt als sehenswert. Fjordähnlich greift der Pazifik ins Landesinnere und umspielt die ersten Berge der Coast Range. Die Dämmerung taucht das Ganze in ein unwirkliches Licht und lässt alles nur schemenhaft erscheinen. Mit der Zeit taucht erst Squamish und dann Whistler Village auf. Uns führt der Weg aber noch ein bisschen weiter nach Blackcomb, in die Blackcomb Coast Suites. Ein typisch kanadisches Suitenhotel. Jedes Zimmer ist mit einer eigenen Küche ausgestattet, wo man sich an faulen Tagen selbst versorgen kann. Außerdem stehen ein kleiner Fitnessraum und ein Outdoor-Jacuzzi und Pool zur Verfügung, von wo aus man bequem auf die Piste sehen kann und den Sessellift beobachten kann.

Blackcomb Coast Suites
Blackcomb Coast Suites (c) Outdoormind
Olympic Plaza in Whistler Village
Olympic Plaza in Whistler Village (c) Outdoormind

Nach unserem ersten Skitag gehen wir früh ins Bett und am nächsten Tag sieht die Welt schon ganz anders aus. Wir starten landestypisch mit Waffeln mit Ahornsirup und Scrambled Eggs. Nur noch schnell unser Equipment aus dem Skikeller geholt und dank Ski-in-Ski-out direkt auf die Piste. Ein bisschen stutzig machen uns zwar immer noch die papierenen Skitickets, die per Hand von ein paar Seasonal Workers abgescannt werden, aber das Gebiet ist uns von Anfang an sympathisch und wir fahren zunächst ein paar Runs in Blackcomb und heute können wir sogar ein bisschen Powder abgreifen. Anschließend machen wir uns auf den Weg nach Whistler. Die Peak2Peak-Gondel verbindet die beiden Skigebiete. Über 4,4km, mit nur zwei Liftstützen, bringt sie einen in elf Minuten von Whistler Mountain nach Blackcomb Peak und bei guter Sicht kann man sich dabei einen Überblick über das Gebiet und die umliegenden Gipfel verschaffen. Übrigens: zwei der Gondeln haben einen Glasboden und man kann die 436m, die die Gondel über das Fitzsimmons Creek schwebt, deutlich sehen und auch spüren.

Champagne Powder und Treeruns beim Freeskiing in Whistler Blackcomb

Ab geht’s für uns in Richtung Symphony Express und hier dürfen wir zum ersten Mal den legendären Champagne Powder fahren. Oben ist es zwar noch etwas neblig, aber die Treeruns lassen uns wissen, warum alle von kanadischem Powder schwärmen. Der vorige Tag ist vergessen und Whistler entschädigt uns voll und ganz. Zwischendurch ein Sandwich und einen Clif Bar in einer der zahlreichen Lodges im Gebiet und es geht schon wieder weiter. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt und schon allein innerhalb der Ski Area Boundary kann man sich bis zum Umfallen austoben. Da der Himmel kurz aufreißt, fahren wir mit dem Peak Express ganz nach oben zum Peak Lookout auf 2182m. Trotz Sturm und wieder hereinbrechendem Nebel, können wir einen kurzen Blick auf den Black Tusk erhaschen. Er ist wohl einer, wenn nicht der prägnanteste Gipfel in den gesamten Coast Mountains und die Native Americans glauben, dass er die Heimat des Donnervogels ist.

Peak Lookout und Symphony Express in Whistler Blackcomb
Peak Lookout und Symphony Express in Whistler Blackcomb (c) Outdoormind
Black Tusk die Heimat des Donnervogels
Black Tusk die Heimat des Donnervogels (c) Outdoormind

Runter nehmen wir ein paar der unzähligen Bowls und Colouirs und toben uns noch einmal richtig aus. Wir fahren bis uns die Oberschenkel brennen und v.a. bis um 15 Uhr die Lifte zumachen. Da es in Whistler im Dezember immer sehr früh dunkel wird, haben die Lifte nur von 8.30 Uhr bis 15 Uhr geöffnet. Also ab ins Hotel und vor allem: ab ins Jacuzzi. Das 38° heiße Wasser lockert unsere Muskeln und wir beobachten die Schneeflocken, wie sie über dem heißen Dampf verpuffen. Über uns fährt der Sessellift noch seine letzte Runde und es wird allmählich dunkel. Deshalb wird es Zeit für uns nach Whistler Village zu fahren und uns für das Abendessen einzudecken. Von Blackcomb kann man ganz einfach den Bus runter in den Ort nehmen und ist schon wieder mittendrin. Da uns die Legende um den Black Tusk heute so fasziniert hat, wollen wir uns die Geschichte der Native Americans im Squamish Lil’Wat Cultural Centre genauer anschauen. Wir tauchen ein in das ursprüngliche Kanada und lassen uns mitreißen. Wir erfahren alles über das traditionelle Leben der First Nations und ihre Verbundenheit mit der Natur. Das Museum ist der einzige Ort in der Gegend, wo sich zwei First Nations vereinen und gemeinsam ihre Wurzeln und Kultur an Außenstehende weitergeben wollen. Auch die Architektur spiegelt das Ziel des Centers wieder: es möchte die Tradition und die Moderne des Landes miteinander verbinden. Da das Museum eine Non-Profit Organisation ist, finanziert es sich einzig und allein über Spenden, kurz gesagt heißt das: es ist kein fester Eintrittspreis festgeschrieben, stattdessen gibt man eine Geldspende für den Verein.

Squamish Lil Wat Cultural Centre
Squamish Lil Wat Cultural Centre (c) Sab Magazine
Squamish Lil Wat Cultural Centre (c) Sab Magazine
Squamish Lil Wat Cultural Centre (c) Sab Magazine

Whistler Village – zwischen Disneyland und Alpencharme

Doch um noch etwas für unser Abendessen zu besorgen fahren wir nach Whistler Village und dann ereilt uns gleich der Kulturschock. Wie in allen nordamerikanischen Skigebieten sieht auch hier alles ein bisschen nach Disneyland aus, natürlich kein Vergleich zu unseren Dörfern in den Alpen. Aber im Supermarkt am Market Place bekommt man alles was man braucht, um die Energiereserven wieder aufzufüllen. Wir schlendern noch durch die vielen Stores am Village Stroll und machen uns zurück auf den Weg in unser Hotel, kochen und fallen todmüde ins Bett. Morgen geht’s ja wieder weiter.

Ich könnte hier noch so viel mehr schreiben und noch so viele Geschichten erzählen, aber Whistler ist ein Ort, wo man selbst einmal gewesen sein muss. Der Schnee, das Terrain und das Flair sind wirklich einmalig. Zwar sind wir nicht im Powder versunken, aber ein bisschen Champagne Powder findet man überall. Es gibt ein paar Eigenheiten, aber mit denen kann man sich mit der Zeit sehr gut arrangieren. Alle Leute dort sind super nett und wollen nur einen guten Tag am Berg haben, da sollte sich so manch griesgrämiger Touri bei uns mal eine Scheibe abschneiden. Wir hatten fünf Tage in Whistler und es hätten gerne noch ein paar mehr sein können. Also, go to Whistler and ski for yourself!

Unser Fazit: Whistler ist für Jedermann geeignet. Die fetten Powderski sollten auf jeden Fall mit, aber man kann seinen Spaß ansonsten auch im Nintendo Terrain Park in Blackcomb Mountain und im Habitat Terrain Park in Whistler Mountain haben. Ansonsten bietet Whistler Blackcomb auch  bestens präparierte Pisten und im Tal viele weitere Highlights, wie Flying Fox oder Hundeschlittenausflüge, falls man mal den Tag nicht auf den Ski verbringen möchte. Whistler Blackcomb ist wirklich ein Traum für Skifahrer und sämtliche Wünsche werden einem hier erfüllt. Man muss auf jeden Fall nichts missen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis in Whistler ist gut. Natürlich sind die Tagesskipässe mit 115 CAD $ deutlich teurer als bei uns, allerdings gibt es viele Vergünstigungen, wenn man die Tickets online bucht. Zu empfehlen ist ein Komplett-Paket mit Flug, Hotel und Skipass über Anbieter wie Stumböck oder Canusa. Als kleiner Tipp: wer schon einmal da ist, sollte sich auf jeden Fall noch ein paar Tage Zeit nehmen und Vancouver anschauen!