Lisa Breckner gehört zu einem Sternchen der Biker-Mädels. Voller Power habe ich die aufgeweckte Deutsche bei Contessa wanted am Gardasee kennengelernt. Stricken, Biken, BWL und Onlinemarketing? Wie sie das alles unter einen Hut bekommt, lest ihr in unserem Interview bei Outdoormind.

Lisa Breckner Interview

Hallo Lisa, wie geht es dir? Was macht die Bikesaison? Was hast du schon erlebt? Was waren bis jetzt die Highlights, was die Downlights?

Hallo Roxy, mir geht’s spitze, ich bin gerade in meiner Heimat, im schönen Schwarzenbach / Saale am Fuße des Fichtelgebirges. Auch wenn ich derzeit Wahl-Innsbruckerin bin komme ich immer wieder gerne hierher zurück – auch mit meinem Bike.

Bisher ging es ganz schön Rund. Die Saison hat für mich im April mit dem Nordkette Quartett begonnen, danach ging es weiter mit Vulkan-Abenteuer auf einer verwegenen Inselgruppe nördlich von Sizilien. Auf den Äolischen Inseln verbrachten mein Freund und ich zehn Tage und erkundeten sie per Bike: Mit jeglichen Schwierigkeiten, denn mit unseren Bikes wirkten wir wie Außerirdische auf diesen kleinen verschlafenen Inseln. Trailbeschriftung Fehlanzeige, Bikemitnahme per Boot auch. Dennoch erlebten wir tolle Biketage, bikten auf Volcano und genossen das Dolce Vita. Weiter ging es dann am Gardasee mit dem Bike Festival. Dieses Jahr war es natürlich besonders aufregend, weil ja unsere Contessa Challenge anstand. Dass wir beim gemeinsamen Biken dann auch richtig Spaß hatten, hast du ja live miterlebt.
Zu den Highlights gehörten bisher neben dem Urlaub auf den Inseln mit Sicherheit der Scott Contessa Riding Day in Emmetten sowie die Megavalanche in Alp d’huez. Beide Events zeigten mir, dass äußere Einflüsse wie Wetter manchmal nebensächlich sein können. Denn mit einem guten Team und strahlenden Gesichtern ist es egal, dass die Trails nass sind und die Temperaturen im Keller.
Zusammen mit dem gesamten Contessa Team verbrachten wir dann noch ein paar Tage auf Madeira…man könnte sagen der klapprige (schweißtreibende) Landeanflug hat sich gelohnt: Die Blumeninsel bietet so ziemlich alles was das Bikerherz wünscht. Vom gemütlichen Flowtrail bis hin zu steileren ruppigen Passagen. Hinzu kommt natürlich die unglaubliche Aussicht, manchmal ist man komplett über einem Wolkenteppich. Ein großer Dank geht hier natürlich an Karen, die sich das mit uns 4 Weibern freiwillig antut. Sie hatte die Hauptarbeit der Organisation, das darf man natürlich nicht vergessen!

Hm…Downlights…meistens versuche ich irgendwie das Beste aus einer Unternehmung zu machen, selbst wenn’s vielleicht mal nicht so läuft. *Klopf auf Holz* Ich hatte bisher wirklich eine super gute Saison, wenn’s so weitergeht bin ich die glücklichste Radlerin von Welt, da bin ich mir sicher. :)

Du bist seit zwei Jahren im SCOTT Contessa Team von Karen Eller. Wie kam es dazu und was genau heisst es, eine Contessa zu sein?

Genau genommen ist es jetzt schon die dritte Saison. Ich lernte Karen 2011 in Innsbruck an der Hungerburg kennen und wir kamen ins Gespräch. Mit Scott (Österreich) hatte ich zwar schon im Winter Kontakt, da ich auch sehr viel im Tiefschnee unterwegs bin, aber das Contessa Team war mit noch kein Begriff. Logischerweise sprach ich mit Karen auch über das Team und über’s Biken. Allerdings war das alles noch ziemlich neu für mich und ich war gerade erst dabei mich von der Forstweg-Rakete zum bergaborientierten Biker zu entwickeln. (Mein erstes Fully war damals ein altes Kona Stinky mit dem ich versuchte den Berg herunter zu kommen…) Nachdem ich dann allerdings doch schon ein paar Rennen fuhr (Enduro Ride am Gardasee, Nordkette Downhill und Caidom zum Beispiel) und merkte, dass ich mich nicht gar so dumm anstelle, habe ich mich einfach mal beworben, da mir Karen’s Team-Konzept sehr gefiel. Seit der Saison 2012 sind dann Delphine und ich neu ins Team dazu gekommen.

Eine Contessa zu sein bedeutet für mich bikenden Mädels vor allem den Fahrspaß und die Freude am Biken zu vermitteln. Beim Guiden, bei den Riding Days oder beim privaten Biken mit Mädels versuche ich die Leidenschaft zu Leben und ein Stück weit an sie weiterzugeben. Ich finde die Entwicklung super und freue mich über jede Frau, der das Biken gefällt und die den Forstweg zu Gunsten eines Trails verlässt.

Lisa Breckner Coronet Peak in Neuseeland
Lisa Breckner Coronet Peak in Neuseeland (c) Markus Tonak
Lisa auf Lipari
Lisa auf Lipari (c) Markus Tonak
Von Lipari nach Panarea bis Stromboli
Von Lipari nach Panarea bis Stromboli (c) Markus Tonak

Rennen fährst du auch. Was ist hier aktuell deine grösste Challenge und was hast du noch vor?

Ja, Rennen fahre ich auch…allerdings möchte ich gleich vorausschicken, dass ich deshalb keine verbissene Rennsau bin. Ich mag es einfach, schnell zu fahren und vielleicht auch das ein oder andere Mal an meine Grenzen zu gehen. Wenn ich allerdings mit Freundinnen fahre oder guide wird deshalb daraus keine Konkurrenzveranstaltung. Ich gebe genauso gerne Gas, wie ich an anderen Tagen liebend gerne 27mal zur Himbeer-Ernte am Wegesrand stehen bleibe. Man könnte sagen, die größte Challenge ist es, das zu vermitteln :)

Immer mal juckt es mich ja dann doch, das lässt sich nicht vermeiden. So meldete ich mich spontan bei der Megavalanche nach und erlebte mal hautnah, was biken „like a girl“ eigentlich heißen kann. Für mich hieß es jedenfalls Angst. Zumindest am Start. Das Niveau bei den Mädels war richtig hoch und ich versuchte einfach mein Bestes zu geben, wobei ich so einen rasanten Massenstart bei Mädels nicht erwartet hätte. Mit einer nahezu sturzfreien Fahrt könnte ich meinen guten Platz aus dem oberen Bereich halten und kämpfte mich unten sogar noch in die Top 10.

Bald kommt die Bike Attack in Lenzerheide. Mit dem Megavalanche Ergebnis im Rücken freue ich mich da natürlich umso mehr drauf. Ich nehme mir allerdings auch nichts anderes vor wie sonst auch: safe und kontrolliert fahren. Wenn ich dann einen fehlerfreien Run nach unten bringen kann, bin ich auch zufrieden.

Bergab magst du es am liebsten, das habe auch ich bei Contessa wanted am Gardasee festgestellt. :) Welche Trails kannst du uns (weltweit) empfehlen? Wo müssen wir unbedingt mal hin?

Ja, das mit dem bergab fahren kommt wohl vom alpinen Skirennlauf, da waren Abfahrt und Super-G meine Lieblingsdiziplinen, nur fehlten mir ein paar Gramm auf der Waage bei den flachen Passagen.

Ich habe mir letztes Jahr einen ewigen Traum erfüllt und war 6 Wochen in Neuseeland – es ist echt atemberaubend dort! Ich würde allerdings nicht sagen, dass es sich wegen einem Trail lohnt, 33h durch die Weltgeschichte zu fliegen. Außerdem habe ich noch nicht die ganze Welt gesehen, vielleicht gibt’s was Näheres? :)

Mein Lieblingstrail in Tirol führt auf jeden Fall vom Stanser Joch runter nach Stans. Wenn es etwas weiter weg sein darf dann kommt mir die Aletschregion um Fiesch in den Sinn. Dort gibt’s eine günstige Liftkarte für Biker und im Herbst sogar ein Mittagessen inklusive. Trails entlang dem Fiesch- und Aletschgletscher sind natürlich ein besonderes Naturerlebnis, das kann ich empfehlen!

Nebenbei arbeitest du noch im Bereich Online Marketing & Kommunikation und hast sogar dein eigenes Modelabel STRICKLISA. Bleibt da überhaupt noch Zeit zum biken?

Schon, wenn man Sie sich nimmt. Ich habe gerade mein erstes Master Jahr in Innsbruck in Applied Economics hinter mir. Das war mit Arbeit nebenher plus Biken natürlich schon hart, aber jetzt sind ja erstmal Semester Ferien. Außerdem kann ich mir die Zeit gut einteilen, da ich in der Firma meiner Mutter mitarbeite, sie führt seit mittlerweile 25 Jahren Textildruck-Unternehmen mit Produktion in Bayern (!!), was heutzutage ja nicht mehr selbstverständlich ist. Die Gelegenheit, da später mit einzusteigen möchte ich natürlich nicht auslassen. Stricklisa ist ein Label für Handarbeitsprodukte aus Wolle. Ich habe ein Gewerbe angemeldet, mir eine Homepage gebaut und einfach mal begonnen, Mützen, Stirnbänder und Taschen über das Internet zu verkaufen. Das war nicht nur ein Ausgleich (bei Schlechtwetter) zum Studium sondern sicherte mir ein gutes Zubrot in den ersten Studienjahren. Mittlerweile habe ich leider immer weniger Zeit den Bereich zu forcieren, aber ich habe mir dadurch ein gutes Wissen im Online-Marketing Bereich erarbeitet und konnte somit zur Kostenersparnis beitragen, als wir im 2013 unsere Firmen-Websites überarbeiteten und ebenfalls 2 neue Webshops launchten. Bei all der Arbeit muss natürlich Zeit fürs Radln bleiben. Gut, dass ich die Mum auch mal mit auf Tour nehmen kann: falls eine wichtige Besprechung nicht warten kann, machen wir die halt im Fichtelgebirge.

Ob da noch Zeit zum Biken bleibt werde ich weniger oft gefragt, wie ob ich noch Zeit für mich habe. Naja, es gefällt mir, so ein Leben auf Achse. Ich habe ja schließlich das Gefühl, dass ich irgendwie irgendwem was nütze mit meinem Tun und Arbeiten. Aber die Zeit für mich nehme ich mir ganz einfach. Ich genieße den Ausblick bei der Biketour und entspanne bei einem Sprung ins Kühle Nass, wenn ich wieder im Tal bin. Da lädt sich mein Akku wieder auf. Ich denke ich habe gelernt wenige Stunden genauso zu genießen wie andere, die auf den lang ersehnten Urlaub im 4 Sterne Hotel hin fiebern und sich davon die Erholung von 51 Wochen Arbeit erhoffen. Vielleicht habe ich mich deshalb immer mit meinen BWL-Kollegen angelegt. :)

Du bist auch eine sehr gute Skifahrerin. Wann wird das Bike dann für ein paar Monate gegen die Ski getauscht oder versuchst du auch im Winter beides zu kombinieren?

Ich bin immer seltener auf der Piste anzutreffen, dafür häufiger im Powder. Wenn es nicht schneit, auch im Februar die Vögel zwitschern und der Föhn die Innsbrucker Temperaturen auf „deutlich zweistellig“ ansteigen, dann wird halt das Rad wieder ausgepackt. Ich mache einfach immer das, was gerade Spaß macht. Das ist halt im Winter dann häufiger das Tiefschnee fahren. Aber ich will mich nicht durch sportliche Ziele unter Druck setzen, die mich dann zwingen würden bei widrigen Schneeverhältnissen anspruchsvolle Contest Lines durchzuziehen. Das hat sich heuer dann eben auch in bescheidenen Ergebnissen ausgewirkt, aber dafür hatte ich Spaß. Als Schwamm drüber.

Bei den BIKE WOMEN CAMPS sind natürlich nur Mädels dabei. Der Unterschied zu gemischten Gruppen oder einer reinen Männergruppe ist enorm. Was bevorzugst du?

Jaaa, das Bike Women Camp in Kaltern. Ich freue mich jetzt schon auf den Event im September. Viele Denken jetzt vielleicht bei einem reinen Frauencamp an Zickenterror und Stress pur! Ich kann nur jedem empfehlen mal dabei zu sein. Das Campgelände liegt traumhaft schön, die Stimmung ist entspannt und durch das vielseitige Abendprogramm inklusive Weinverkostung und Grillparty am Kalterer See kommt man auch mal ganz privat ins Gespräch. Ich denke beides hat so seine Vorteile, Männer- bzw. gemischte Gruppen sind vielleicht manchmal unkomplizierter, beziehungsweise zufrieden sobald der Trail Spaß macht und das Ankunftsradler schmeckt. In Kaltern freue ich mich aber immer wieder über das große Interesse der Frauen. Jede will etwas für sich mitnehmen, Fahrtechnik-Tipps bekommen und Spaß haben. Wenn dann die Gesichter strahlen, weil die Spitzkehre nun endlich geklappt hat, oder die böse Wurzel kein Problem mehr ist, dann weiß ich, dass ich helfen konnte. Das finde ich eigentlich am schönsten: wir bekommen als Guides auch ganz viel von den Teilnehmerinnen zurück.

Lisa auf dem Trail 7 Mile Delta Neuseeland
Lisa auf dem Trail 7 Mile Delta Neuseeland (c) Markus Tonak

Wo geht deiner Meinung nach der Mountainbiketourismus und die Mountainbikebranche hin in Bezug auf Wanderer versus Biker, Infrastruktur und Downhill E-Bikes?

Puh das ist ein komplexes Thema mit vielen Interessensgruppen, die man unter einen Hut bekommen muss. Grundsätzlich glaube / oder hoffe ich, dass es mit Bikern und Wanderern ähnlich sein wird, wie es früher mit Skifahrern und Snowboardern war. Die Snowboarder wollte ja auch niemand, irgendwann war es dann aber doch ok. Ein großer Punkt ist hier wohl die Toleranz und zwar nicht nur auf Seiten der Wanderer sondern auch oder vor allem die Toleranz der Biker. Es gibt schwarze Schafe die sich auf dem Trail sicher fühlen und daher nicht daran denken, dass sie auf Wanderer abschreckend wirken können, wenn sie zum Beispiel mit Fullface-Helm unterwegs sind.

Neuseeland ist hier ein ganz schönes Beispiel. Dort kamen uns auf vielen Trails Wanderer entgegen. Mal hatte der Biker Vorfahrt, mal war es ein Wanderweg, den der Biker nutzen darf. Dann muss man halt als Biker die Augen offen halten, denn hier hat der Wanderer Vorrang. In Sölden klappt das bisweilen ganz gut denke ich, aber das wird schon noch etwas dauern, bis es von beiden Seiten toleriert wird.

Zum Thema E-Bike habe ich eine gespaltene Meinung…wenn Menschen aufgrund von Alter und Gesundheit einfach nicht mehr in der Lage sind Berge mit eigener Kraft hinauf zu fahren, sie aber bisher schon immer viel auf dem Bike waren dann ist das E-Bike denke ich eine ganz gute Lösung die Freude am Fahren zu erhalten. So kann man wieder mit dem Partner mithalten und kommt weiterhin in den Genuss der Höhenluft. Allerdings sehe ich ein 20 Kilo schweres E-Bike nicht auf dem Trail. Schon gar nicht ein Downhill E-Bike. Wehe ich sehe irgendwann jemand, der mit einem Downhill E-Bike das Stanser Joch erklimmt. Der Akku fliegt in den Achensee und ihr lernt mich kennen! :)

Vermutlich ist nicht nur ein SCOTT Bike dein treuer Begleiter. Welche Bikes sind deine Lieblinge und ohne welches Produkt gehst du vor dem biken nicht aus dem Haus?

Oh, hier muss ich dich leider Enttäuschen…mein Rad-Repertoire umfasst lediglich mein Scott Genius 700 Contessa und ein Scott Voltage FR10, wobei man mich meistens auf dem Contessa Bike trifft. Es ist einfach super leicht, rollt mit den 650b Laufrädern angenehm bergauf und verhält sich auf dem Trail trotzdem wendig – und das kann ich trotz meiner Körpergröße von 153cm sagen! Die 150mm reichen mir persönlich für alles: lange Touren, Tragepassagen, technische Trails bergab, flowige schnelle Passagen, ja sogar die Megavalanche bin ich mit dem Genius gefahren.
Immer in den Rucksack – und zwar egal wie heiß es draußen ist – packe ich meine weinrote Lieblingsjacke. Die Vikos von Scott ist leicht, Wind- und Wasserdicht und meistens genau die nötige warme Wetterschicht für die Abfahrt.

Welches SCOTT Contessa Riding Camp ist das beste? Wo bist du dieses Jahr noch mit dabei?

Am ersten August Wochenende findet der Riding Day in Sölden statt und im September ist dann noch das Woman Camp in Kaltern. Ich bin bei beiden Terminen mit dabei. Wer an dem ersten Wochenende im August noch Zeit hat, flowige Trails mag und Kaiserschmarrn liebt, der sollte sich schleunigst bei den Rasenmähern anmelden und mit uns mitkommen. „Das Beste“ Camp ist dann wohl Sölden…wobei alle Riding Days ihren Reiz haben, egal ob in der Schweiz, am Tegernsee oder eben in Tirol.

Zu guter Letzt: Was möchtest du noch loswerden? Dann jetzt :)

Achtung, es wird sentimental. Ich bekam immer Unterstützung von zu Hause, wenn ich die Dinge etwas anders anpacken wollte, als es vielleicht Usus ist. Wenn’s dann mal schief ging, war der Heimathafen immer für mich da, aber Vieles klappte ja auch ganz gut. Ich möchte offiziell Danke sagen. Danke dafür, dass ich heute bin wie ich bin, alles irgendwie unter einen Hut bekomme, fähig bin den Augenblick zu genießen und immer Zuspruch bekomme: Danke Mum.

Lisa Breckner Profil
Lisa Breckner Profil (c) Markus Tonak

Das hat Spass gemacht! Vielen Dank für die Antworten, liebe Lisa und alles Gute weiterhin.