Aline Bock gehört zu den besten Snowboarderinnen weltweit. Sie hat bereits eine beachtliche Karriere hinter sich. Das Talent ist nicht nur im Schnee begabt sondern tobt sich auch im Wasser und bei anderen Projekten aus. Was steht dieses Jahr noch bei ihr an und worauf dürfen wir uns freuen? Mehr lest ihr hier bei Outdoormind.

Interview Aline Bock

Hallo Aline. Vor drei Jahren zählte man dich zu den besten Big-Mountain Snowboarderinnen der Welt. 2010 warst du Freeride-Weltmeisterin. Vor eineinhalb Jahren hat es dich allerdings aus der Bahn geworfen durch einen schweren Sturz. Was ist passiert?

Hallo. Die Verletzung war natürlich in jenem Moment heftig. Allerdings war ich nicht lange außer Gefecht. Ich habe mich sehr schnell wieder zurück gearbeitet. Die Schulter heilte und die Bandscheibe wurde entfernt.

Wenige Monate später stand ich schon wieder auf dem Snowboard. Bei der Freeride World Tour pausierte ich aber dennoch eine Saison. Die Risiken einer World Tour, bei der ich Hundert Prozent geben muss, waren mir zu der Zeit einfach zu hoch. Somit ergriff ich die Chance, andere Projekte zu realisieren. In der folgenden Saison reiste ich nach Japan für ein Foto- und Filmprojekt, stand unter anderem für das Format „Freeride Deluxe“, in dem österreichische Freeride-Gebiete vorgestellt werden, vor der Kamera, und gegen Saisonende konnte ich wunderschöne Bilder und Aufnahmen beim Splitboarden in den Bergen der Lyngen Alpen in Norwegen für „Untouched North“ produzieren.

Letzte Saison hatte ich dann auch eigentlich mit dem Wettkampfsport fast schon abgeschlossen, als mich das Wettkampffieber kurz vor Saisonbeginn doch wieder packte. Ich bekam eine „Season Wild Card“ der Freeride World Tour und war bei den ersten beiden Events in Kanada und Chamonix wieder am Start. Als ich dann nach dem 3. Platz in Chamonix eigentlich wieder Blut geleckt hatte, bekam ich das Angebot für ein Filmprojekt nach Alaska zu reisen. Die anspruchvollsten Hänge der Welt zu befahren war ein absoluter Karrieretraum und es war ein weiteres Highlight, dort Filmaufnahmen zu produzieren. Das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.

Aline Bock beim Pow Turn
Aline Bock beim Pow Turn (c) Völkl Snowboards Alex Papis
Aline Bock in Action beim Snowboarden
Aline Bock in Action beim Snowboarden (c) Daniel Zangerl
Völkl Snowboards Aline Bock
Völkl Snowboards Aline Bock (c) Völkl Snowboards Alex Papis

Du bist großes Risiko eingegangen um deiner Leidenschaft nachzugehen. Das Freerider-Dasein hat aber natürlich nicht nur Sonnenseiten. Hast du jemals bereut, so weit zu gehen und dich so sehr zu pushen?

Natürlich kamen mir auch schon Gedanken, ob ich Snowboarden als Profisport überhaupt weitermachen möchte. Meine Zwangspause hat mich aber einiges gelehrt. Nach dem Sturz weiß ich jetzt wann ich eine Pause einlegen muss. Ich bin vorsichtiger mit meinem Körper  geworden und habe keine Lust, noch mal so eine Verletzungsphase durchzumachen. Ich brauche kein Adrenalin und bin alles andere als ein Adrenalinjunkie. Mir macht Snowboar-den nach wie vor einfach sehr viel Spaß.

Wenn ein Freerider auf seinen „Job“ angewiesen ist, kann man ja nicht einfach mal Termine absagen und sich die Rosinen rauspicken. Das ist ein Knochenjob, auch wenn es für viele anders aussieht. Oder wie siehst du das?

Im Leben eines professionellen Snowboarders muss man manchmal kurzfristige und schnelle Entscheidungen treffen. Man reist zu den jeweiligen Tour Stops oder dem Schnee hinterher. Und es macht auch nur Sinn, wenn man sich daran gewöhnen kann, aus dem Koffer zu leben. „On point“ sein, funktionieren, raue Bedingungen aushalten zu können, gehören einfach dazu. Die Profikarriere war aber nie wirklich mein großer Traum, möchte sie aber natürlich nicht missen, da ich zur Zeit in der Lage bin, so viele neue Leute, neue Umgebungen, Kulturen, Traditionen, neue Berge mit ihren besonderen Gegebenheiten kennenzulernen. Dass ich diese Erfahrungen machen darf, ist wirklich traumhaft.

Du warst ein Star am Freerider-Himmel und konntest vermutlich gut von der Profession leben. Wie sieht das nun bei dir aus? Kannst du nach wie vor Hobby und Beruf komplett miteinander vereinen?

Snowboarden ist und bleibt eine Leidenschaft. Momentan ist es aber auch immer noch mein Beruf. Da ich jetzt vermehrt Filme drehe oder andere Pro-jekte realisiere, habe ich mich zwar vom Wettkampfzirkus wegbewegt, kann jedoch an eine Zeit, in der ich professionell in den Bergen unterwegs war, anknüpfen. Ich hoffe, ich bleibe gesund und fit, um niemals damit aufhören zu müssen. Sesshaft werde ich irgendwann und irgendwo schon, obwohl ich das viele Reisen dann bestimmt sehr vermissen werde. Aber Prioritäten ändern sich im Leben, das ist dann, wenn es soweit ist, sicher schon okay so.

Wie man auf deiner Website sieht und bei Instagram, bist du auch leidenschaftliche Surferin. Wasser und Schnee sind ja zwei verschiedene Elemente. Wurde das Snowboarden nun ein wenig in den Schatten gestellt oder ist das einfach nur dein Ausgleich im Sommer?

Ich liebe das Meer genauso wie die Berge und brauche den Strand und die Wellen, um neue Energie zu tanken. Beim Surfen hab ich keinen Druck, keine Medien, keinen Wettkampf, keine Kamera vor der Nase und muss auch keine super Actionbilder schießen…im Wasser kann ich einfach nur sein und die Seele baumeln lassen…
Wichtig ist vor allem, dass man eine Welle zu lesen weiß und sich nicht unnötig verausgabt oder Energie verschwendet. Am Anfang ist das doch ziemlich schwer einzuschätzen – aber „learning by doing” hilft. Und wenn’s einen dann gepackt hat, kommt man nicht mehr davon los.
Ich habe vorletzten Sommer eine Surflehrerausbildung gemacht und möchte auch anderen Sportbegeisterten das Surfen beibringen. Der Ozean kann einem so viel Energie geben und man kann in diesem Moment einfach alles um sich herum vergessen. Diese Fähigkeit weitergeben zu können und zu dürfen finde ich grossartig.

Aline Bock beim Wellenreiten auf den Malediven
Aline Bock beim Wellenreiten auf den Malediven (c) Anita Fuchs
Aline Bock beim Wellenreiten auf den Malediven
Aline Bock beim Wellenreiten auf den Malediven (Anita Fuchs)
Aline Bock beim Wellenreiten auf den Malediven
Aline Bock beim Wellenreiten auf den Malediven (c) Anita Fuchs

Du bietest gemeinsam mit Völkl Split und Freeride Camps an. Möchtest du hier nur Frauen ansprechen oder eine gemischte Gruppe? Hast du dazu schon mehr Details?

Ja, die Völkl Split und Freeride Camps stehen endlich und alle Daten sind fixiert. Wir haben echt hart daran gearbeitet, die Camps so zu realisieren wie wir sie uns vorgestellt haben. Die Vision, in dieser Richtung etwas anzubieten, hatte ich zusammen mit Pia schon länger und ich bin echt froh, dass meine Sponsoren voll und ganz hinter mir stehen und uns den nötigen Support geben. Alle Freeride und Splitboard Begeisterten jeden Geschlechts sind herzlich willkommen.

Powdern im frischen Neuschnee fernab des Massentourismus! Die eigene Linie in unberührte Hänge abgelegener Freeride Eldorados ziehen! Unvergessliche Tage mit Freunden in der Natur verbringen!

Das war unser Ansatz für die Camps, denn mit dem Splitboard eröffnen sich jetzt ganz neue Wege und Möglichkeiten, die abgelegendsten Backcountry Gebiete zu erkunden und in unerforschtes Neuland vorzudringen.

Die Völkl Split & Freeride Camp Termine 2014 im Überblick:

  • 14.- 16.März 2014 Gradonna Mountain Resort Kals – Großglockner Osttirol
  • 04.- 06. April 2014 Ski-optimal Hochzillertal Kaltenbach
  • 11.- 13. April 2014 Hintertuxer Gletscher
  • 25.- 27. April 2014 Stubaier Gletscher
  • 01.- 04. Mai  2014 Stubaier Gletscher

mehr Infos gibt es auch unter www.voelkl-snowboards.com oder www.alinebock.de

Wir freuen uns auf euch!!!

Aline Bock bei einer Splitboard Tour
Aline Bock bei einer Splitboard Tour (c) Völkl Snowboards Alex Papis
Aline Bock bei einer Splitboard Tour
Aline Bock bei einer Splitboard Tour (c) Völkl Snowboards Patrick Steiner

Welche Projekt und was steht sonst so bei dir an in dieser Saison und nächstes Jahr? Magst du uns noch ein bisschen was dazu verraten?

Diesen Winter möchte ich noch mehr Snowboardtrips mit dem Splitboard machen. Für mich ist Splitboarden einfach eine neue Art der Fortbewegung auf einem Snowboard in den Bergen. Ein Naturerlebnis, weg von der Zivilisation, dem Massentourismus in den Skigerbieten, dem lauten Après-Ski Gedönse… es macht unglaublich Spass mit der Natur in Einklang zu sein und darüber hinaus wird man unglaublich fit und kann die Abfahrten auch viel mehr geniessen.
Wenn es klappt, möchte ich mich aber auch kommende Saison wieder dem ein oder anderen Filmprojekt widmen. Letzte Saison war großartig, weil ich mit dem Film Projekt von True Color Films meinen Traum erfüllen und nach Alaska reisen konnte, um steile Hänge und Lines zu Filmen. Im Moment plane ich einen Trip nach Kamtschatka. Und wenn sich darüber hinaus noch ein weiterer Trip mit den Mädels von Lipstick Productions ausgeht, wäre der Winter perfekt!

Was möchtest du sonst noch loswerden? Wenn dann jetzt und hier. :)

Ein riesen Dankeschön an meine Sponsoren Völkl Snowboards, Marker, Dakine, Deeluxe, H.A.D. und Ortovox.

Danke für das Interview & stay safe out there!!! This is your LIFE