Auf Einladung des Eigentümers, Christian Graf zu Stolberg-Stolberg, war Outdoormind Anfang Januar im alt ehrwürdigen Jagdschloss Kühtai zu Gast. Die Anreise ins auf 2020m gelegene Kühtai ist von München aus ein Katzensprung und dauert mit dem Auto gerade mal 2 Stunden. Innsbruck ist per Bus, Bahn oder Flugzeug sehr gut erreichbar. Kurz hinter der Tiroler Landeshauptstadt geht’s dann über das Sellraintal steil bergwärts. Das letzte Stück der Pass-Straße zu Österreichs höchstgelegenen Skiort ist durch zwei Lawinengalerien gesichert. Winterreifen sind ein absolutes Muss, Schneeketten empfehlenswert.

Wer Luxus sucht, ist im Schloss verkehrt…

Beim Check-In im ‚Schlössl‘ mit den typischen rot-weissen Fensterläden wird Outdoormind (und auch jeder andere Gast) persönlich vom Hausherren Christian Graf zu Stolberg-Stolberg, dem Ur-Ur Enkel von Kaiser Franz-Josef I & Kaiserin Elisabeth (Sisi) von Österreich, begrüßt. Er leitet das Hotel seit 12 Jahren. Obwohl – es fühlt sich nicht nach Hotel, sondern nach echter, adeliger Gastfreundschaft an. Als ob der Graf in sein privates Jagdschloss einlädt – nur mit dem Unterschied, das man zur Abreise nicht nur winkt, sondern auch bezahlt. Sein ganzes Team ist nicht minder herzlich und bemüht, den Aufenthalt dort zu etwas besonderen zu machen. Ein kleiner Vorgeschmack, wie ungewöhnlich diese Unterkunft (1280 erstmals erwähnt, 1625 fürstlicher Jagdsitz) ist. Wer sich für die komplette historische Geschichte interessiert, findet die Chronik auf der Homepage www.jagdschloss.at

Fürstenzimmer im Jadschloss Kühtai
Fürstenzimmer im Jadschloss Kühtai (c) A.R.T Redaktionsteam

Es gibt 76 Betten in verschiedenen Kategorien – vom Grafen- über Fürstenzimmer, Juniorsuiten und modernen Doppelzimmern im Elisabethflügel oder dem großzügigen Appartement „Schweinestall“ im Nebengebäude Kühtaier Hof – inklusive offenen Kamin.
Tipp: Die Fürsten- und Grafenzimmer im Jagdschloss sind von damals original erhalten und herrlich altösterreichisch mit vielen Antiquitäten möbliert, teilweise mit edler Zirbenholzvertäfelung.
Eine kleine Kapelle steht für winterliche Traumhochzeiten bereit.

Welcome mit Christian Graf zu Stolberg-Stolberg

Abends beim Begrüßungsaperitif stellt der Hausherr aber direkt eines klar: wer luxuriös übernachten möchte, ist im Jagdschloss (geöffnet von Mitte Dezember bis April) falsch. Der Graf freut sich über Gäste, die Wert auf Tradition legen. Statt kalter, unpersönlicher Perfektion muss man sich dem Charme des alten Gebäudes ausliefern: knarrender Holzboden, unterschiedliche Größen und verschiedene Ausstattung der Zimmer. Keines gleicht dem anderen. Auch findet er, dass die Zimmer leider oft überbewertet statt nur zum Schlafen benutzt werden – sein Tipp: lieber das günstigste buchen und die Zeit auf der Piste und in der Natur verbringen.
Dort erholt und entspannt man sich am besten. Und noch etwas ist außergewöhnlich: für jede Frage oder Bitte ist der adelige Hausherr zur Stelle – den ganzen Tag über oder abends am Kamin. Es gibt keinen Dresscode, die Atmosphäre ist locker – man fühlt sich schnell regelrecht zu Hause.
Natürlich ist der nationale und internationale Jet-Set seit Jahrzehnten zu Gast. Beeindruckt hat den Grafen aber ein anderer: Shaun White, der Snowboard Badboy, quartierte sich letzten Winter im Jagdschloss ein und schrieb stundenlang für jeden und auf alles sein Autogramm. „Ein echt cooler Typ, auch Multimillionär aber lange nicht so arrogant wie manche Fußball-Vips…“

Jagdschloss Kühtai Aussenansicht
Jagdschloss Kühtai Aussenansicht (c) Outdoormind

Tradition statt Masse im Jagdschloss Kühtai

Mir persönlich gefällt genau diese Mischung. Im Jagdschloss sieht man die Geschichte, fühlt und riecht sie. Von morgens bis abends knistert das Holz im offenen Kamin der gemütlichen Jagdhalle und lädt zum verweilen ein. Die großen Panoramafenster geben den Blick frei auf die Kühtaier Berge – besonders bei einem Schneesturm, wie an diesem Wochenende – ein wirklich beeindruckender Anblick. In solchen Momenten spürt man, wie unwichtig doch vieles ist. Demut und Endlichkeit – diese beiden Begriffe verwendete der Hausherr dafür.
Bei Sonnenschein lockt die angrenzende Terrasse, von der man aus dem Liegestuhl einen perfekten Blick auf die Pisten, das Iglu-Village und die Freestyler in der Superpipe des KPARK hat.
Für Nicht-Skifahrer lädt der hauseigene Eisplatz zum Stockschießen ein.

Iglu Village Kühtai
Iglu Village Kühtai (c) Outdoormind
Iglu Village Kühtai Schlafplatz
Iglu Village Kühtai Schlafplatz (c) Outdoormind
KPark in Kühtai
KPark in Kühtai (c) KPark

Lieber gut essen als schlecht spa`en…

Seine Vorliebe für gutes Essen hat der Graf auch im Jagdschloss umgesetzt. Natürlich gibt es einen kleinen Wellnessbereich mit finnischer Sauna, Dampfbad, Infrarotkabine und Massage, aber keinen Pool – investiert wurde in die Küche. Was den österreichischen Küchenchef, Johannes Kleinbichler, freuen dürfte. Der verwöhnt seit 18 Jahren jeden Winter die Gäste mit traditionellen Schmankerln und feinsten österreichischen Gerichten aus regionalen Nahrungsmitteln. Patissier Johann Köck sorgt seit 10 Jahren für die traumhaften Desserts. Ob Kaiserschmarrn, Wiener Schnitzel vom Kalb, feines Filet vom Wels, rosa gebratener Rehrücken – ein Genuss! Im Weinkeller lagern die besten österreichischen Flaschen neben einer internationalen Auswahl.
Am reichhaltigen Frühstücksbüffet finden Sportler und Schlemmer alles für den Start in den Tag. Omeletts, Rühreier etc. werden auf Bestellung gebracht, das selbst gemachte Birchermüsli ist mein Favorit, knapp gefolgt vom großartigen Karottenbrot. Abends gibt es für Hausgäste jeweils ein 5-Gänge Menü – Halbpension der besonderen Art. Gegessen wird in der zirbenholzgetäfelten Fürsten- & Grafenstube oder dem Veranda-Restaurant mit Tiroler Täfelung und Panoramablick auf die Kühtaier Berge.

Leckeres Essen im Jagdschloss Kühtai
Kulinarik im Jagdschloss Kühtai (c) Outdoormind

Snowboard- und Freeski-Fun in Kühtai

Die einzigartige Lage macht es möglich, sich direkt vor der Tür die Ski anzuschnallen und loszufahren. Breite Pisten und ein vielseitiges Gelände verwöhnen Wintersportliebhaber. Zur Skiregion zählt auch Hochoetz, das bequem und kostenlos per Bustransfer (jede 30 Minuten) erreichbar ist. Mit 24 Liften und 80 Pistenkilometern (von leicht bis anspruchsvoll) ist für jeden, der sich lieber im gesicherten Gelände bewegt, was dabei. Auch für Skitouren ist das kleine, feine Gebiet interessant – es warten traumhafte Tiefschneehänge! Im KPARK kommen die Freestyler auf ihre Kosten: neben der Superpipe mit 6 Metern Höhe gibt es eine Cross-Strecke für spektakuläre Kurvendrifts, fette Powderruns über Cliffs & Wechten und eine Slopestyleanlage.

Unterwegs in Kühtai beim Wintersport
Kathi unterwegs in Kühtai beim Wintersport (c) Outdoormind

Outdoormind war natürlich auch unterwegs – allerdings nur auf den gesicherten Pisten, da die aktuell schwierige Lawinensituation Ausflüge ins Gelände nicht zuließ. Außerdem machten Sturmböen mit teils starken Schneefall den Freitag zum wahren Abenteuer. Vormittags gab es in der Kaiserbahn-Gondel einen windbedingten Stop – erst nach einer halben Stunde Geschaukel (daher kommt also der Begriff: Skischaukel) konnten wir zur Bergstation weiterfahren. Da sich die Situation nicht besserte, wurde kurz darauf der Betrieb der Gondel und auch aller Sessellifte eingestellt (und sogar komplett eingefahren). Nach 3 Stunden mit Sichtweiten z.T unter 5 Metern, inklusive eines kompletten White-Outs, haben wir uns Mutter Natur gebeugt und sind zurück ins sichere Jagdschloss. Als Belohnung dafür schien am Samstag wieder die Sonne – bei perfekter Sicht, blauem Himmel und fast leeren Pisten war das Snowboarden ein wahrer Genuß!

Zu Fuß durch den Tiefschnee

Ein Erlebnis war die geführte Schneeschuhwanderung zum Graf Ferdinand Haus. Der einstündige Aufstieg in der Dunkelheit bei leicht einsetzenden Schneefall und der Blick auf das beleuchtete Kühtai ist wirklich empfehlenswert und je nach Tempo mehr oder weniger anstrengend. Nach einem Tiroler Gröstl auf der Hütte geht’s auf der beleuchteten Rodelbahn zurück ins Tal.
Danach lohnt sich ein Abstecher an die Bar des Iglu-Villages. Übernachtungen werden angeboten!

Mehr Informationen gibt es auch unter www.kuethai.info