Die Fahrt mit dem Bernina Express von Chur über Davos, St. Moritz, Valposchiavo bis hin nach Tirano gehört zu den spektakulärsten Alpenüberquerungen der Welt. Die Panoramafahrt durch das UNESCO Welterbe ist ein wahres Highlight. Für dieses Erlebnis verzichten wir auch mal zwei Tage lang auf das Bike. Im Bernina Express können nämlich leider keine Bikes transportiert werden. Auf der gleichen Strecke fährt allerdings auch der Regional Express der Rhätischen Bahn. Dort könne Biker ihre Fahrräder transportieren.

Der Bernina Express

Wir bevorzugen dieses Mal die Fahrt mit dem Bernina Express im Panoramawagen. Einmal muss man das erlebt haben! Toll finden wir, dass der Zug von Chur direkt, ohne Umsteigen, nach Tirano fährt. Der Bernina Express, kurz BEX genannt, ist ein Zug der Rhätischen Bahn. Im Sommer 2008 wurde die Strecken der Albulabahn und Berninabahn als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet. Die Albulabahn, auch Albulalinie genannt, verbindet Thusis und St. Moritz im Engadin. Auf knapp 61 Kilometern passieren wir 144 Brücken und 42 Tunnels. Die Berninabahn, auch Berninalinie genannt, ist eine eingleisige Eisenbahnstrecke, die St. Moritz und Tirano verbindet. Dies ist die höchstgelegene Bahnstrecke der Alpen und mit bis zu sieben Prozent Neigung eine der steilsten der Welt.

Der Bernina Express verbindet die Freiheit der Berge mit der Lebenslust des Südens.

Bald geht es los - Chur Bahnhof
Bald geht es los – Chur Bahnhof (c) Outdoormind

Mit dem Bernina Express von Chur nach Tirano

Von Zürich aus sind wir mit dem Auto in knapp 1 Stunde 20 Minuten in Chur. Dort parken wir im Parkhaus des Bahnhofs. (Tipp: Parkschein am Infoschalter kaufen, dieser ist Fünfzig Prozent günstiger als am Automaten). Wir nehmen den ersten Zug, der direkt durchfährt. Die reservierten Sitzplätze sind komfortable und die Panoramafenster einzigartig. Eine indische Reisegruppe hat vor uns und hinter uns Platz genommen. Knapp vier Stunden Zugfahrt liegen vor uns und auch eine kommunikationsfreudige Truppe Inder, die während der gesamten Fahrt lautstark ihre Begeisterung zum Ausdruck bringt. Auf der Rückfahrt sollen wir mehr Glück bzw. etwas mehr Ruhe haben. Natürlich ist dies ein beliebter Ausflug, nicht nur unter Schweizern, sondern auch beim internationalen Publikum steht eine Fahrt mit dem Bernina Express hoch im Kurs. Irgendwann gewöhnen wir uns an die Lautstärke und die Zugfahrt macht sowieso alles wett.

Wir starten zum wohl schönsten Bahnreise-Erlebnis bei traumhaftem Wetter.

Engadiner Dorf Bergün
Engadiner Dorf Bergün (c) Outdoormind

Höhepunkte Bernina Express Reise

Auf unserer Bahnreise entdecken wir die Schweiz neu, staunen über die Landschaft und können nicht genug bekommen. Wir passieren das Schloss Reichenau, Domleschg mit seinen Burgen, Thusis mit der berühmten Viamala-Schlucht und das Solisvidadukt. Das 89 Meter hohe und 42 Meter lange Viadkukt ist nicht nur die höchste Brücke der Rhätischen Bahn, sondern weist auch die grösste Spannweite aller Brücken der Albulalinie auf. Eine Meisterleistung der Ingenieurskunst.

Weiter geht es über Tiefencastel zum Landwasserviadukt. Dies ist 142 Meter lang und hat einen Radius von 100 Metern. Von hier aus geht es direkt in den 200 Meter langen Landwassertunnel in eine senkrecht abfallende Felswand hinein. Tageslicht gibt es wieder bei Filisur, dem Engadiner Dorf, bis wir in Bergün vorbeifahren, was ebenfalls vom Engadiner Baustil geprägt ist. Nun sind 416 Meter Höhe zu überwinden. Um die Steigung nach Pedra niedriger zu halten, musste die Strecke künstlich ausgeweitet werden. Dies wurde mittels Kehrtunnels, Viadukten, Brücken und Schutzgalerien umgesetzt. Erstaunlich, wie sich die Bahnstrecke so immer wieder in die Landschaft einschmiegt.

In Preda geht es schliesslich sechs Kilometer lang auf 1.800 Metern Höhe durch den Berg nach Samedan. Der Hauptort des Engadins ist bekannt durch seinen Flugplatz, der höchstgelegene Europas. Hier landen die Privatjets der „Reichen und Schönen“, die in ihr Ferienhaus nach St. Moritz reisen.

Einfahrt ins schöne Engadin mit dem Bernina Express
Einfahrt ins schöne Engadin mit dem Bernina Express (c) Outdoormind

Nächster Halt: St. Moritz. Eine hervorragende Destination für Biker und Skifahrer. Bekannt ist St. Moritz aber eben auch durch Luxus und Lifestyle und gehört zu den bekanntesten Tourismusdestinationen der Welt. Etwas entspannter geht es im nahegelegenen Pontresina zu. Hier gibt es ein paar nette Sportlerhotels. Ebenfalls ein idealer Ausgangspunkt für Wanderer, Biker und Skifahrer.

Ospizio Bernina
Ospizio Bernina (c) Outdoormind

Nun wird es interessanter weil alpiner. Massive Berge machen sich breit, der Piz Bernina mit dem Biancograt erstrahlt in vollster Pracht. Es ist der höchste Berg von Graubünden.
Der Bernina Express fährt weiter zur höchstgelegenen Station der Rhätischen Bahn: Ospizio Bernina. Von hier aus kann man wunderbare Wanderungen und Biketouren unternehmen, die auch zur Alp Grüm führen – unserem nächsten Halt. Wir haben 15 Minuten Aufenthalt und können diese nutzen, um Fotos von aussen zu schiessen. Der Palügletscher und der Palüsee liegen anmutig vor uns. Der Blick über das Val Poschiavo kann sich ebenfalls sehen lassen.

Lago Bianco im Engadin mit dem Bernina Express
Lago Bianco im Engadin mit dem Bernina Express (c) Outdoormind

Die kleine Pause vergeht schnell. Poschiavo, unser nächster Halt, ist der Hauptort des Val Poschiavo und weltbekannt. Das liegt zum einen an den Bauten im Renaissance-Stil und zum anderem an dem mediterranen Klima.

Val Poschiavo
Val Poschiavo (c) Outdoormind

Wanderetappe Le Prese nach Tirano

Für uns heisst es bald aussteigen, und zwar in Le Prese. Ein bisschen Bewegung können wir nun gut gebrauchen. Entlang der kompletten Bahnlinie kann man verschiedene Wanderungen machen.
Wir entscheiden uns für die letzte Wanderetappe, die am Ufer des Lago di Poschiavino entlang läuft und dann nach Miralago. Im Albergo und Restaurant Miralago machen wir Halt und stärken uns. Es gibt lokale Spezialitäten wie Pizzoccheri. Direkt am See schmeckt es doppelt so gut.


Unsere Wanderung führt uns weiter nach Brusio. Von hier aus können wir das berühmte Kreisviadukt bestaunen. Abwechslungsreich geht es durch Obst-, Kastanien- und Weingebiete über einen alten Säumerpfad am Zoll vorbei nach Italien. Es geht knapp 740 Höhenmeter bergab und 170 Höhenmeter bergauf.

Kreisviadukt in Brusio
Kreisviadukt in Brusio (c) Outdoormind

In knapp 3.5 Stunden landen wir in Tirano und gönnen uns den ersten Kaffee und ein Eis. Darauf haben wir uns schon die ganze Zeit gefreut.

Aussicht auf Tirano
Aussicht auf Tirano (c) Outdoormind

Ausflugsziel Tirano

Schon als wir talwärts wanderten, erstrahlte Tirano in vollem Glanz. Tirano ist eine beeindruckende Stadt in südländischer Landschaft und von Bergen umgeben. Die Stadt, in der sogar Kiwis wachsen, liegt im oberen Veltlin und war einst in bündnerischem Besitz. Bekannt ist das Veltlin für seinen Veltliner Wein, aber auch Trockenfleisch (Bresaola) und Käse.
Bis in die 70er Jahre wurden dort Kaffee und Zigaretten aus der Schweiz in das italienische Veltlin geschmuggelt. Die alten Schmugglerwege führen von Graubünden direkt ins italienische Tirano. Heutzutage führen etliche Wanderungen über Schmugglerwege, die an früher erinnern.

Unterkunftstipp: Ostello del Castello Tirano

Unsere Unterkunft ist das Ostello del Castello in Tirano, 10 Minuten zu Fuss entfernt vom Bahnhof Tirano. Abgelegen vom Zentrum und den dem touristischen Trubel liegt das Ostello idyllisch am Hang mit einem traumhaften Blick auf Tirano. Das Ostello ist seit einem Jahr geöffnet. Alessia und ihr Mann Andrea haben das alte Bauernhaus der Grosseltern wunderschön renoviert. Wanderer und Biker sind hier sehr willkommen. Bikes finden Platz in einem Bikeraum und Tourenmaterial ist ebenfalls vorhanden.

Ostello del Castello in Tirano
Ostello del Castello in Tirano (c) Outdoormind

Das Ambiente ist warm und sehr geschmackvoll mit viel Holz und rustikalen Möbeln. Die Gastgeber sind sehr herzlich und offen. Sie kennen die Region sehr gut und geben wertvolle Tipps. Alessia selbst ist sogar Reiseleiterin und kennt die Berninastrecke daher aus dem Effeff. Am Morgen gibt es ein leckeres und vielseitiges Frühstücksbuffet, für italienische Verhältnisse sehr gut. Hier könnten wir es gerne noch länger aushalten. Leider bleiben wir nur eine Nacht und müssen schon wieder auf den Zug.

Heimwärts über Davos

Vor uns liegt die Rückfahrt mit dem BEX. Dieses Mal steigen wir in St. Moritz in den Regional Express um, der über Davos fährt. Empfehlenswerte Rückfahrt, denn wir nehmen nicht die gleiche Strecke zurück, sondern haben noch mehr zu entdecken. Dieses Mal steigen wir in Chur in den Regional Express um.
Müde aber voller berauschender Eindrücke landen wir von unserem Ausflug zurück in Zürich.

Informationen Zugfahrt mit dem Bernina Express

Rhäthische Bahn Bernina Express
Rhäthische Bahn Bernina Express (c) Outdoormind

Die Zugstrecke ist sehr beliebt und das ganze Jahr über verkehrt ein Regio-Zug pro Stunde in beide Richtungen. Der Bernina Express ist mit Panoramawagen ausgestattet und verkehrt, je nach Saison, 1 bis 4 Mal am Tag zwischen St. Moritz beziehungsweise Pontresina und Tirano.

Das Ticket für die Einzelfahrt in der 2. Klasse kostet CHF 62 (ca. 57 EUR), in der 1. Klasse sind es CHF 109 (ca. 100 EUR). Für den Sitzplatz im Panoramawagen wird eine zusätzliche Gebühr von CHF 5 (ca. 4,60 EUR) berechnet.

Die Fahrt von Chur bis nach Tirano dauert je nach Verbindung etwa 4 bis 4.5 Stunden. Umsteigen muss man, je nach Verbindung, in Pontresina und Samedan.

Weitere Informationen zu diesem spektakulären Bahnerlebnis gibt es unter https://www.rhb.ch