Die TREK Gravity Girls stehen für die weibliche Freeride-Szene. Mit den vier Mädels Steffi Marth, Katja Rupf, Michèle Quint und Kathi Kuypers ist das Team unschlagbar und verkörpert die pure Faszination des Gravity-Mountainbiking.

Die TREK Gravity Girls im Interview

Die Bikesaison steht vor der Tür. Wir buchen fleissig Camps, planen Trips und freuen uns wie verrückt. Die Mädels von den TREK Gravity Girls natürlich auch. Steffi und Katja sind alte Hasen im Team. Neu dabei sind Michèle und Kathi. Ich möchte mehr über sie erfahren und habe dazu die Gunst der Stunde genutzt und ihnen ein paar Fragen gestellt.

Steffi und Katja, ihr zwei seid bereits die vierte Saison bei den Trek Gravity Girls mit dabei. Wie waren die letzten Jahre? Was habt ihr gelernt, was habt ihr erlebt? Was ist euch besonders in Erinnerung geblieben?

Steffi: Die letzten 4 Jahre als Trek Gravity Girl kann man unmöglich in ein paar Sätzen zusammen fassen. Wir haben so viel Unvergessliches erlebt. Von unserem ersten gemeinsamen Bike Trip nach Mallorca, über ein Insel Hopping auf den Kanaren bis hin zum „The Next Gravity Girl“ Casting haben wir viele spannende Erfahrungen geteilt. In einigen Camps und Events haben wir es uns zur Aufgabe gemacht mit anderen Frauen zu biken, ihnen ein paar Fahrtechnik Tipps zu geben und den Gravity Girls Spirit zu verbreiten.

Katja: Die Trek Gravity Girls ermöglichen mir meine Lieblingsbeschäftigung in vollen Zügen auszuleben und meine Leidenschaft mit Gleichgesinnten zu teilen. Das Gefühl das entsteht, wenn man mit Mädels auf dem gleichen Niveau ein Trail fährt, ist grossartig und möchte ich nicht mehr missen. Als das Team gegründet wurde, waren wir auch vier Mädels und jede hatte ihre Stärken. Ich kam ursprünglich vom Cross Country und musste zuerst noch lernen zu springen und Drops zu überwinden. Ich konnte jedoch von meinen Teamkolleginnen profitieren, denn wenn ein Mädel einen Sprung überwindet, dann traut frau sich dies eher zu, als wenn ein Mann dies vormacht. Der Trip auf die fünf kanarischen Inseln hatte viele Highlights, dass wir dann aber nicht mehr nach Hause fliegen konnten, aufgrund des Vulkanausbruches, machte unsere ganze Reise noch viel spezieller. Wir blieben dann noch eine weitere und ungeplante Nacht auf Teneriffa und flogen dann nach Valencia und von da an mit dem Auto bis nach Stuttgart. Dies war eine ganz schön lange Heimreise, welche ich nie vergessen werde.

Die Suche „The Next Trek Gravity Girl“ war mit Sicherheit nicht einfach. Was war dabei besonders wichtig und worauf habt ihr bei der Suche geachtet?

Steffi und Katja: Es stimmt, dass die Suche überhaupt nicht leicht war, denn es waren so viele tolle Bikerinnen und Persönlichkeiten dabei und die Zeit viel zu kurz alle richtig kennen zu lernen. Aber das ist ja auch der Reiz bei so einem öffentlichen Casting. Anfangs zählt halt der erste Eindruck, ob jemand interessant ist und polarisiert. Ich denke wir haben auch viel über uns selbst gelernt bei dem Casting und würden die Erfahrung niemals missen wollen. Für die finale Entscheidung kam es am Ende natürlich primär auf das fahrerische Können auf dem Bike an. Sehr wichtig waren uns aber soziale Kompetenz, sowohl in der Medienarbeit als auch mit uns im Team. Kathi und Michèle haben da beide sehr überzeugt und somit konnten wir uns zwischen ihnen nicht entscheiden und es wurden beide ins Team aufgenommen.

Von über 40 Bewerberinnen wurden nun Michèle und Kathi aufgenommen. Wie geht es euch damit, Michèle und Kathi? War das eine Überraschung?

Kathi: Katja und Steffi haben uns ganz schön auf die Folter gespannt und das Geheimnis, wer letztendlich ins Team kommt, wie einen Schatz bewahrt. Die beiden wären gute Pokerspieler, denn sie ließen sich absolut nichts anmerken. :) Ich bin sehr happy im Team zu sein und freu mich wahnsinnig, viel Zeit mit Katja, Steffi und Michèle verbringen zu dürfen.

Michèle: Es ist einfach großartig, vom Casting bis jetzt haben wir schon so viele tolle Dinge mit Katja und Steffi erlebt  und dabei fängt es gerade erst richtig an. Die größte Überraschung für mich war als ich die erste Runde „überlebte“ und auch noch die Wildcard bekam für die Girls-Bike-Days in Tirol. Damit hätte ich nicht gerechnet. Gegen Ende haben wir zwar immer heimlich gehofft, dass sie uns beide nehmen aber es bis zum Schluss nicht geglaubt.

Was steht diese Saison an? Welche Pläne habt ihr und welche Ziele werden konkret verfolgt?

Kathi: In erster Linie macht uns Mountainbiken einfach Spaß. Wir sind kein Vollblutracingteam und es zählt vor allem das Dabeisein. Biken ist eine Leidenschaft, die uns stets ein Grinsen ins Gesicht zaubert und mit dieser Begeisterung wollen wir andere anstecken die schönsten Trails der Welt zu erkunden.

Steffi: Wir haben einige Events zusammen geplant, da werden jeweils 2-4 Mädels von uns dabei sein. Die wichtigsten sind da sicherlich das BIKE Festival in Riva oder das „Bikes and Beats Festival“ in Saalbach und das „Dirtmasters“ in Winterberg. Dann hat jede von uns noch eigene Projekte geplant, das sind teilweise auch Rennen. Ich werde ein paar Downhill, 4X und Enduro Rennen fahren. Highlight ist sicherlich die 4X WM in Leogang im September. Auch dieses Jahr organisiert mein Partner Dakine, die Dakine Freeride Camps, bei welchen ich als Coach anwesend bin. Zusätzlich habe ich noch weitere Projekte im Kopf, welche ich diesen Sommer umsetzen möchte. Details dazu gibt’s aber noch nicht.

Katja: Mein Ziel ist es möglichst oft auf meinem Mountainbike zu sitzen, ob auf Touren, auf meinem Arbeitsweg oder zum Freeriden in verschiedenen Parks. Im Weiteren freue ich mich riesig auf die Trek Gravity Girls Events und die gemeinsamen Abenteuer in der neuen Teamkonstellation.

Michèle: Wir haben fünf große gemeinsame Events /Camps, ich persönlich möchte auch noch gerne am IXS German Downhill Cup teilnehmen und in diversen Technikcamps noch mehr Frauen mit dem Bikevirus  infizieren.

Wo ist euer persönlicher Hot Spot zum Biken? Welche Region könnt ihr insgesamt empfehlen und wieso?

Kathi: Mich trifft man oft im Bikepark Samerberg oder an den Local Dirt Spots. Aus dem einfachen Grund, weil die Spots nah sind und ich einfach nur meine Knieschoner und meinen Helm aufziehen muss und losdüsen kann. Ansonsten sind meine Top3: Leogang, Wildkogel und der Anaconda Trail am Gardasee.

Steffi: Mein favorisierter Bike Hotspot ist ganz klar La Palma. Da guide ich im Winter oft auch spezielle Freeride Touren für Frauen (infos unter www.atlantic-cycling.de). In der Bike Saison zieht es mich dann am häufigsten nach Südtirol. Dort ist fast immer gutes Wetter, es gibt fantastische Trails und der Dolce Vita Lifestyle gefällt mir sehr. Whistler steht natürlich auch immer ganz oben auf der Highlight Liste des Sommers.

Katja: Mein absoluter Top-Trail, welchen ich letztes Jahr fahren konnte, war „The Whole Enchilade“ in Moab (USA). Dieser Trail startete auf hochalpinen 3400 Meter über Meer und endete 25 Meilen später in der Wüste der Red Rocks auf 1200 Meter. Dieser Trail war für mich ein unvergessliches Erlebnis, aber leider vorerst auch einmalig, da ich nicht jedes Jahr in die USA reisen kann. Da ich sehr nahe an Graubünden wohne, fahre ich manchmal nach Davos-Klosters, Lenzerheide oder nach Flims, um in den Parks zu fahren. Ansonsten bin ich auf meinen Heimtrails unterwegs (Region Heidiland).

Michèle: Geniale Spots zum Biken gibt es viele, mich zieht es aber immer wieder nach Finale Ligure und Umgebung. Geniale Trails, leckeres Essen, Strand und Meer. Für einen kurzen Abstecher kann ich  den Bikepark Lac Blanc nur empfehlen, eine Große Streckenvielfalt mit Liebe gebaut und kulinarisch kommt man im Elsass auch nicht zu kurz

Der Alpencross ist mittlerweile ein großer Trend unter den Bike-begeisterten. Welche (außergewöhnliche) Bike Tour würdet ihr stattdessen empfehlen?

Kathi: Ich hab als Facharbeit fürs Abitur eine Transalp nach selbst kreierter Route gefahren. Es ist wie ein Ritterschlag für jeden Mountainbiker, sollte jeder mal gemacht haben. Mein Traum ist es, bevor ich alt und schrumplig werde, noch die Welt auf meinem Bike zu erkunden.

Steffi: Es gibt so viele außergewöhnliche Bike Touren von denen ich schon gehört habe, sie aber noch nicht fahren konnte. Ich habe auf alle Fälle noch einiges auf meiner To-Do Liste wenn es um Touren geht. Eine Freeride Alpenüberquerung steht da zum Beispiel ganz oben.

Michèle: Ich finde da sollte man nicht auf irgendwelche Trends achten. Biken ist Leidenschaft in der Natur. Und wenn es ein Gebiet oder eine Region auf dieser Erde gibt die einen interessiert dann sollte man die mit dem Bike erkunden oder durchqueren.

Mit wem geht ihr am liebsten biken wenn es nicht das Team ist?

Kathi: Am liebsten mit meinen Kumpels von zu Hause, die kennen mich schon lange und mit denen lasse ich dann so richtig die Sau raus :)

Steffi: Ich gehe am liebsten mit der Atlantic Cycling Crew auf einen „Betriebsausflug“ oder mit meinen „Ossi Mädels“ zu Hause auf die BMX Strecke oder in die wenigen Trails bei uns.

Katja: Jeden Mittwochabend treffe ich mich mit 11 Mädels aus meiner Region. Wir fahren dann jeweils eine ca. zweistündige Tour. Ansonsten fahre ich manchmal auch mit meinem Freund oder mit dem regionalen Bike Club.

Michèle: Mit den Leute aus meinem Verein dem Soulrider-ev. und auch mit den Mädels der Ladies Division.

Was macht ihr vier eigentlich neben dem Biken? Wie finanziert ihr euren Lebensunterhalt?

Kathi: Da ich noch Zuhause wohne brauche ich nicht viel Geld, ich jobbe ein bisschen und bin die meiste Zeit auf dem Bike unterwegs.

Steffi: Ich habe soeben mein Master Abschluss in Architektur erreicht. Damit war ich die letzten 6,5 Jahre beschäftigt. Jetzt versuche ich komplett vom Biken zu leben. Bisher klappt es ganz gut.

Katja: Ich habe seit letztem November eine 100 % Anstellung bei den Bergbahnen Flumserberg im Bereich Sales & Marketing.

Michèle: Ich unterrichte an der Handwerkskammer des Saarlandes. Nach vielen Jahren in der Industrie der perfekte Job, der auch noch genügend Zeit zum Biken lässt.

Ohne welches frauenspezifische Produkt geht es nicht auf den Berg bzw. auf das Bike?

Kathi: Mein Labello

Steffi: Mein Dakine Cypress Flannel Hemd…damit sieht man auf und abseits vom Trails fesch aus und es hält schön warm bei unseren mitteleuropäisch kalten Temperaturen

Katja: Meine farbigen Swatch Uhren, welche meist farblich auf meine Kleider abgestimmt sind.

Michèle: Ich habe immer ein keines Döschen mit Bepanthen dabei, meistens für meine Lippen aber manchmal auch für Schürfwunden von Bikern. Und seit neustem bin ich ganz verliebt in meine ION Wisp Gloves, die sind wie eine zweite Haut und smartphone kompartibel.

Wie bereitet ihr euch grundsätzlich auf die Saison vor? Neben der Kondition, Ausdauer und Geschicklichkeit muss auch mental trainiert werden. Habt ihr einen Coach, der euch dabei unterstützt?

Kathi: Nein, Coaches habe ich nicht, wenn ich mal wieder Kopfkino hab, dann analysier ich den Grund mit meinen Bike Kumpels und die können dann meistens meine Angst beheben.

Steffi: Vor einigen Jahren hatte ich es tatsächlich verschiedenen Sportpsychologen und Methoden zur Entspannung probiert aber mit der Zeit kam auch die Routine in meine Wettkämpfe und ins Training. Inzwischen kann ich Situation ziemlich gut einschätzen und eigentlich fast immer sehr gut damit umgehen.

Katja: Da ich keine Rennen mehr fahre, benötige ich keinen mentalen Coach und Motivation ist bei mir sowieso immer vorhanden. Manchmal fehlt einfach ein wenig die Zeit dazu. . .

Michèle: Nein einen Coach hab ich nicht .Sport mache ich aber schon seit frühster Kindheit und hab viele Jahre mit fernöstlicher Kampfkunst verbracht. Ich denke schon dass mich das mental sehr gestärkt hat.

Und zu guter Letzt: Was wollt ihr noch loswerden?

Kathi: Liebe Mädels, meistens ist es Angst, die euch davor hindert, Fortschritte zu machen. Ich denk mir immer, dass Angst nicht unbedingt was schlechtes sein muss, sondern es hilft auch, sich selbst zu schützen. Allerdings sollte Angst nicht lähmend wirken. Mein Spruch deswegen: „Wenn du Angst hast zu stürzen, dann stürzt du auch, weil du Angst hast.“ Also immer locker bleiben und chillen! Ride on :)

Steffi: Was Jungs können, können wir schon lange. Just go out and make it happen!

Katja: Ich wünsche allen eine super schöne Bike-Saison mit genialen Trail-Erlebnissen und vielen Abenteuer!

Michèle: Schaltet den Computer aus und ab aufs Bike mit euch…. bis bald im Wald!!!

YEAH! Danke Mädels, für die aussagekräftigen Antworten!

Wenn ihr mehr über die TREK Gravity Girls erfahren möchtet, gibt es weitere Infos auf deren Webseite und bei Facebook.