Sylvia Leimgruber im Interview ganz exklusiv bei Outdoormind!

Sylvia Leimgruber steht für Freeride, Downhill und Mathematik. Wieso, warum? Das wird sie euch im folgenden Interview erklären. Sie hat auf jeden Fall meinen vollsten Respekt gewonnen! Als einzige Lady im Vertrider Team kann sie sich bestens mit der Männerwelt messen, auch wenn da mit Sicherheit schon ein sehr gesundes Selbstvertrauen, Mut und vor allem natürlich Können mitspielt.

Hi Sylvia, du bist die einzige Lady im Vertrider Team. Wie kam das zustande und wieso gerade in dieser „verrückten“ Truppe?

Seit ich dem Vertriding meine Seele verkauft habe, bin ich meistens mit Männern unterwegs, aus einem einfachen Grund: es gibt mehr Männer als Frauen, die von dieser technischen Spielart  des Mountainbikens fasziniert sind. Warum ich gerade mit dieser Truppe unterwegs bin, liegt daran, dass wir 2009 das Vertriders Team gegründet haben, weil es das ist, was wir alle tun, vertriden eben.

Wie sieht dein Alltag aus, wenn du nicht gerade auf dem Bike sitzt?

Zurzeit arbeite ich an einem Projekt im Arbeitsbereich Wasserbau der Universität Innsbruck. Für mich als Mathematikerin ergeben sich da ganz spannende Herausforderungen  und Fragestellungen, die den Spass beim Arbeiten ausmachen. Und meine Arbeitskollegen sind das i-Tüpfelchen. Mein Alltag schaut ziemlich kontrastreich aus, Büro, PC, Papers, Programmieren und dann wieder Wasserbaulabor, Tonnen von Sand, Kies, Wasser und ein Bodenradargerät.

Was ist dein Lieblings-Gebiet zum Freeriden/Downhill und warum?

Überall dort wo es Bergpfade und Steige gibt, die schmal, verwinkelt, verblockt und steil sind. Die Alpen sind daher mit ihrem dichten Wanderwegenetz in den Bergen die größte Spielwiese, die ich mir vor meiner Haustüre wünschen kann, Tirol, Südtirol, das Engadin. Es ist wie ein inverses Dominospiel, oben am Gipfel angekommen stehen wie an einer Schnur aufgereihte Berge im Panorama und ein Big Mountain Projekt nach dem anderen steht auf.

Immer mehr Frauen begeistern sich für Extremsportarten. Was hältst du von den Angeboten, die sich nur an Frauen richten, wie Women-Camps etc.?

Diese Angebote sind meiner Meinung nach eine Typsache und daher finde ich es gut, dass es Women-Camps gibt. Es gibt Frauen, die sich dabei einfach wohler und motivierter fühlen. Und das ist letztendlich das was zählt. Wenn aber Frau Interesse am Singletrail Fahren hat, dann gibt es keinen Grund, warum sie dafür einen speziell auf Frauen ausgerichteten Kurs brauchen sollte. Generell gibt aber ein Fahrtechnikkurs das nötige Vertrauen und Selbstbewusstsein. Ich selbst war bei meinem ersten Fahrtechnikkurs das einzige Mädl und habe mich von den Jungs auch nicht einschüchtern lassen;) vielleicht weil ich von der ersten Stunde an fasziniert war von diesem Sport.

Was rätst du den Frauen? Wie motivierst du dich?

Ein Fahrtechnikkurs ist für mich nach wie vor ein guter Einstieg ins Mountainbiken, falls sich Frauen unsicher und ängstlich fühlen. Und ansonsten, einfach fahren gehen, mit verschiedenen Leuten, sich einen Haustrail suchen, der stellenweise, also nicht durchgehend über deinem Limit des Fahrbaren ist und den immer wieder fahren. Alles andere ergibt sich von alleine, das Selbstbewusstsein, die Motivation, der Spaß und das Können.

Hast du ein Bike-Produkt, ohne das du nicht kannst?

Ohne das richtige Bike geht gar nichts oder bessergesagt, ohne das richtige Setup: flacher Lenkwinkel, tiefes Oberrohr, gute Bremsen, eine gut ansprechende Gabel…Aktuell fahre ich ein Liteville 301 in XS mit einem S Hinterbau und 140mm Umlenkwippe, aufgebaut mit der Vierkolbenbremse  X0 Trail von Avid, einer Rock Shocks Lyrik 170 mm mit  DH Mission Control, einem Dt Swiss Luftdämpfer und bei sehr steilen hochalpinen Touren ein 24 Zoll Hinterrad. Bekleidungstechnisch wird man mich bergab nur in Ausnahmefällen ohne Langarmshirt und Stutzen antreffen.

Welche Sportarten begeistern dich noch?

Mich begeistern nahezu alle Berg-Sportarten, Klettern, Gletschertouren, Skibergsteigen, aber das was ich wirklich mit Leidenschaft mache, ist das alpine Freeride Mountainbiken in der Form wie wir es machen, vielleicht weil das die logische Konsequenz in dem steilen Tiroler Gelände ist.

Was steht dieses Jahr bei dir an und was sind deine Ziele, wo möchtest du hin?

Ich habe ein paar Rechungen mit sehr technischen Trails offen, die möchte ich dieses Jahr begleichen. Und dann gibt es da noch meine Liste von Big Mountain Touren, die ich diese Saison angehen  möchte. Außerdem möchte ich an meinen Fahrtechnik Skills arbeiten, daran gibt es immer was zu feilen, z.B. beim Hinterradversetzen.  Aber vor allem will ich Spaß haben beim Biken.

Hier kannst du noch etwas loswerden, wenn du magst: :)

Ich komme aus Südtirol, bin Wahl-Innsbruckerin, habe Mathematik studiert, liebe dunkle Schokolade, gegrilltes Gemüse und ab und an ein Steak, aber dann blutig bitte. Über meine Vertride-Aktivitäten kann man unter www.team-vertriders.org mehr erfahren.

Weitere Interviews mit Persönlicheiten gibt es bei Outdoormind unter der Rubrik PEOPLE zu lesen.

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Romina Lemmert
Outdoor & Sport: Hier bin ich zuhause. Sei es beim Biken im Sommer oder Freeriden im Winter – Draußen sein in der Natur ist für mich ein Geschenk. Das bedeutet, völlig lebendig zu sein. Bei Outdoormind setzte ich im Speziellen auf frauenspezifische Produkte und berichte über Abenteuer mit Bike & Ski.