Wolfgang Eysholdt
Wolfgang Eysholdt (c) Jens Staudt

Wolfgang Eysholdt haben wir über Double Distribution, die Evil Bikes in Deutschland vertreiben, aber auch weitere Marken wie North Shore Billet & Gamut USA, kennengelernt. Während unseres Gespräches mit Wolfgang haben wir festgestellt, dass es sich hierbei um eine interessante Persönlichkeit handelt. Da wir alle eigentlich noch viel zu wenig über ihn wissen, finden wir, das ist ein Interview für Outdoormind wert. Das Resultat findet ihr hier.

Interview mit Wolfgang Eysholdt

Hi Wolfgang. Wie geht es dir? Wie ist deine Bikesaison gestartet? Wo treibst du dich aktuell rum?

Hey, mir geht es klasse. Ich warte gerade auf den Rückflug aus Alicante. Die letzte Woche habe ich mit dem Team von Alps Tours hier in Spanien verbracht. Das Bike Warmup ist mittlerweile eine feste Veranstaltung, um in die Bikesaison zu starten. Hier durfte ich als Fahrtechnik Experte die Teilnehmer auf den Singletrails an der Spanischen Küste coachen und ihnen Tipps zum Fahren im Gelände geben.
Durch den milden Winter bin ich schon sehr viel Rad gefahren. Vor zwei Wochen war ich mit Hans Rey am Geisskopf, um den Flowtrail zu testen. Das war wirklich klasse. So richtig in die Saison gestartet bin ich Anfang Februar. Wir waren mit dem Team Double Distribution in San Romolo zum Trainieren und unsere neuen Maxxis Reifen zu testen.

Du bist Marketing Manager, MTB Coach und Downhill Fahrer in einem. Wie kam das alles zusammen und lässt sich das zeitlich überhaupt vereinbaren?

Glücklicherweise kamen alle Aufgaben nach und nach auf mich zu. So konnte ich die Herausforderungen Stück für Stück stemmen. Als ich 15 war begann ich Downhill Rennen zu fahren und habe mich schnell für die betriebswirtschaftlichen Hintergründe in den Firmen interessiert. So war ich schon in jungen Jahren oft auf Messen (Eurobike & ISPO) und bei Produktvorstellungen. Dadurch entstand der Wunsch auch längerfristig in der Bikebranche aktiv zu sein. Es war schnell klar, dass ich Sportmanagement studieren wollte. Gleichzeitig habe ich 2009 angefangen für adidas MTB Riding Camps zu coachen. So kam eins zum anderen.
Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle. Ich muss meistens schon im Herbst der aktuellen Saison die Events für das darauffolgende Jahr koordinieren. Eine gute Planung und ein striktes Zeitmanagement sind essentiell, um all die verschiedenen Projekte, Rennen und Events richtig timen zu können.

WOLFGANG EYSHOLDT
WOLFGANG EYSHOLDT

Für adidas und Die Rasenmäher bist du viel als MTB Coach unterwegs. Was steht dieses Jahr auf dem Programm und wo wirst du unterstützend mit dabei sein?

Das erste grosse Event ist soeben vorbei. Das Bike Warm up in Alicante. Für adidas habe ich dieses Jahr einige „Schmankerl“ vorbereitet. Das Highlight wird sicher der Vier-Tages-Trip zu Bine & Walter ans Spielberghaus. Die Berge um Saalbach Hinterglemm sind ein Top Revier, um schöne Singletrails zu surfen. Nebenbei gibt es dort absolut leckeres Essen.
Außerdem wird es einige Night Ride Kurse geben, bei denen Lupine Lampen getestet werden können. Auf die Partnerschaft mit Lupine bin ich stolz, denn so kann ich einige MTB Fahrer für das Night Riden animieren.
Zu guter Letzt werde ich selbstverständlich einige Einsteiger-Fahrtechnikseminare für Die Rasenmäher machen. Dort gebe ich meine Erfahrungen aus 8 Jahren Rennsport weiter. Ziel ist es dabei sicher im Gelände zu fahren.
Eine völlig neue Herausforderung erwartet mich in der zweiten Mai Woche. In diesem Zeitraum werde ich als MTB Coach für die Münchner MHMK (Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation) mit an den Gardasee fahren.
Dort werde ich den Lernprozess der Studenten begleiten und die notwendige Fahrtechnik vermitteln.

Als Downhill Fahrer bist du natürlich auch auf vielen Rennen unterwegs und trainierst viel. Wie oft sitzt du auf dem Bike und wie sieht dein Trainingsplan in der Regel aus?

Durch meine freie Arbeitsgestaltung kann ich mein Training zwischen einigen Büroaufgaben absolvieren. Die Aufgabengebiete, die ich für adidas, Double Distribution oder  FOX Suspension bearbeite, kann ich zu 80 Prozent aus
meinem home office heraus erledigen. Dadurch kann ich mir die Zeit selber einteilen, und zwischendrin Trainingseinheiten erledigen. Die Abwechslung zwischen körperlicher und geistiger Leistung gefällt mir dabei besonders.
Während meines Trainings mache ich verschiedene Dinge. Das reicht von Dehn- und Rumpfstabilitätsübungen, über Sprints und Schnellkrafttraining bis hin zu Enduro- und Rennrad Touren und natürlich Downhill Training.
Ich würde sagen, im Schnitt sitze ich 4 mal pro Woche auf dem Rad.

WOLFGANG EYSHOLDT beim Endurofahren in Tennenlohe
WOLFGANG EYSHOLDT beim Endurofahren in Tennenlohe
Wolfgang Eysholdt
Wolfgang Eysholdt

Welche Rennen wirst du dieses Jahr bestreiten? Was ist dabei dein grosses Ziel auf das du hin arbeitest?

Der Fokus liegt auf dem IXS German Downhill Cup, mit seinen 5 Rennen. Diese Rennserie ist mit der Bundesliga im Fußball zu vergleichen. Die Deutsche Meisterschaft ist natürlich ein absolut wichtiges Rennen. Letztes Jahr bin ich auf Platz 16 gelandet. Die Top 10 sind dieses Jahr das Ziel. Außerdem gibt es noch einige andere Rennen, wie das Eliminator Race in Riva beim Bike Festival. Dieses Sprintrennen wird sicher super spannend. Wir werden zu viert durch die Altstadt von Riva jagen. Ich bin gespannt. Ich freue mich auch auf das „Peak to Creek“, ein Staffelrennen der Extreme. Durch das komplette Ötztal werden sich Sportler aus unterschiedlichsten Disziplinen battlen. Skifahrer, Paraglider, Kajakfahrer, Bergläufer, Rennradfahrer, Tourenskigeher und eben Mountainbiker. Ich freue mich sehr, dass ich wieder dabei sein darf. Das Ötztal kenne ich auch durch einige Veranstaltungen von Holger Meyer (Die Rasenmäher).
Ach ja, also mein großes Ziel dieses Jahr: Top 10 bei der DM.

Welche Bike Destination(en) besuchst du regelmässig und warum? Was ist dein Geheimtipp?

Ich bin regelmäßig im Schwarzwald zum Trainieren, weil es dort wirklich technisch und physisch anspruchsvolle Strecken gibt. Außerdem kann ich die Trainingseinheiten mit einem Besuch bei meinen Großeltern und bei meiner Mama in Stuttgart verbinden. Ein weiteres super schönes Bike Revier ist Saalbach Hinterglemm, Sölden und Livigno, wo ich auch ab und zu bin. Die Mentalität der Menschen dort ist einfach Klasse, das Essen ist super und die Natur immer wieder schön. Im Frühjahr, wenn in den Alpen oft noch Schnee liegt, ist San Romolo auch ein Klasse Spot, vor allem zum Downhill fahren.
Mein Absoluter Top Spot ist Sun Peaks (BC) in Canada. Dort war ich letztes Jahr im August. Die Strecken sind so super schön geshaped, das gibt es selten. Da können sich einige Bikeparks noch eine Scheibe Abschneiden.

Ohne welche Produkte gehst du nicht auf einen Biketrip? Was ist deiner Meinung nach ein Must have?

Ich könnte jetzt diese spießigen Sachen wie Helm, Sonnenbrille, Multitool, Kreditkarte…. aufzählen. Aber was ich wirklich nicht missen will, einen Zettel und einen Stift.
Beim Radfahren trifft man oft spannende Menschen, dann passiert es nicht selten, dass das Telefon von all den selfies, facebook Aktualisierungen und Strava Aufzeichnungen leer ist. Dann brauche ich einen Stift und einen Zettel um Kontakte aufzuschreiben. Ja es ist richtig, dass diese Methode altmodisch ist, jedoch habe ich schon oft davon profitiert.

Wie kaum zu übersehen ist, geht der Trend in Richtung Superenduro und auch harte Downhillrennen werden mitlerweile mit diesen Bikes bestritten. Wie entwickelt sich die Bike Szene deiner Meinung nach?

Oh das ist eine große Frage, die sich zur Zeit die gesamte Fahrradindustrie stellt. Wenn ich eine konkrete Antwort hätte, wäre ich froh. Ich probiere die Frage mal aus meiner Sicht zu beantworten. Es gibt einige Trends die die künftige Entwicklung erahnen lassen. Laufradgrößen, 1×11 Antriebe, Versenkbaren Sattelstützen….
Ich denke, dass sich der MTB Markt auf das Segment Enduro im weitesten Sinne konzentrieren wird. Die Räder werden leichter und gleichzeitig potenter. Das heißt Big Bikes haben nicht mehr so einen großen Stellenwert. Jedoch wird die Auswahl der Enduros schwieriger, da der Markt viel größer wird. Neben den verschiedenen Radgrößen (26″, 27,5″ und 29″)  spielt auch das Material, Carbon vs. Alu, eine große Rolle.
Und all diese Details haben ihre Daseinsberechtigung. So ist das Abrollverhalten, die Laufruhe und die damit entstehende Sicherheit von einem 29″ Bike, für viele Fahrer von großem Vorteil. 26″ Räder können in extrem steilem und technischem Gelände ihre Stärken der Wendigkeit und Stabilität ausspielen. 27,5″ wird die Vorteile der zwei Laufradgrößen vereinen. Das Potenzial ist  riesig.
Ich bin selber gespannt wohin die Reise führt.

Last but not least: Was müssen wir noch wissen, was möchtest du noch loswerden?

Um die Träume die man hat, leben zu können, muss man nach den Sternen greifen. Das ist eins meiner Lebensmottos, und ich ermutige alle, auch so zu handeln.

Vielen Dank Wolfgang!