Flashback 2009, Diagnose „Inoperables Unterbauch-Gewächs“. Nach 7 Operationen und 7 Jahre später nimmt Simone Feichtinger an der Salzkammergut Trohpy, einem der härtesten Mountainbike-Marathon-Rennen Europas, teil! Einmal Hölle und zurück. Extremer Optimismus gepaart mit Simones Erfahrung – das macht Mut! Grund genug für Outdoormind nachzuhaken. Ein Gespräch mit der leidenschaftlichen Sportlerin über Motivation, Lebensfreude und hartes Training.

Interview mit Simone Feichtinger

Hi Simone, wie sieht dein Training im Moment aus?

Je nach Trainingswoche… aber meist 6 Tage pro Woche. Aktuell komm ich auf über 20 Stunden, Regeneration nicht mit einberechnet ;) In der Regenerationswoche wird der Umfang etwas reduziert….3 Wochen intensiv/1 Woche regenerativ.

Wer hat dir bei der Zusammenstellung geholfen? Arbeitest du mit einem Trainer?

Ja ich arbeite mit Romuald Schönfeld zusammen. Er hat die Erfahrungen im Extrembereich und ist selbst schon die Trophy mehrmals gefahren. Er schreibt meine Pläne und macht auch die Leistungsdiagnostik, beratet mich in allen Belangen in Zusammenhang mit dem Training. Hier vor Ort werde ich noch von Peter Lev unterstützt. Er schaut mir im Studio immer wieder über die Schulter und stellt das Kraftausdauer- u. Stabilisationsprogramm (Indoor) zusammen.

Simone Feichtinger beim Training
Simone Feichtinger beim Training (c) Simone Feichtinger

Bei dem Trainingsaufwand – hast du überhaupt noch ein Lieblings-Workout?

Schwierig. Ich bin gerne mit dem Bike draußen, weil dass das ist, was mich bewegt… aber auch das Kraft/Stabi Programm mach ich eigentlich ganz gerne :)

Wie motivierst du dich an Tagen, an denen du keine Lust auf Training hast?

Mit Fokus auf das Ziel.

Hörst du Musik zur Unterstützung beim Trainieren?

Ja, ich hab fast immer Musik im Ohr. Ohne geht eigentlich nichts im Leben. Der Sound kommt auf das Programm an, dass am Tag ansteht… aber der Takt macht in dem Fall die Musik und die somit die Motivation aus.

Gibt es eine besondere Playlist? Oder unterschiedliche je nach Training?

Je nach Training würde ich sagen. Keine eigene Playliste. Aber die moderne Kommunikation macht auch einiges möglich. Spotify ist auch zu einem meiner täglichen Begleiter geworden.

Was steht bis zur Salzkammergut MTB Trophy noch an Wettkämpfen an oder konzentrierst du dich komplett auf den Start am 11.Juli?

Ich bin letztes Wochenende bei der 12h MTB WM gestartet (im 2er Team). Das war einfach wichtig für die Rennhärte. Die Bedingungen haben dazu einiges beigetragen: Regen, Kälte, tiefster Matsch. War sehr hart zum fahren. Auch sich immer wieder aufs neue motivieren. Auch nach einem Sturz und unter Schmerzen…da können 12h richtig lang werden. Viele mussten aufgeben, weil die Schaltwerke gebrochen sind, Ketten gerissen, Sattelstützen gebrochen oder auch gar der Rahmen. Wie bei meiner Teamkollegin (konnte aber finishen). Von den Stürzen und körperlichen Troubles reden wir gar nicht.

Wir haben 8 Stunden lang Platz 2 verteidigt. Dann ging es leider aufgrund der genannten Gründen nicht mehr so und es wurde am Ende Platz 3. Ein weiteres Rennen ist Mitte Juni geplant. Ansonsten ist der Fokus ganz klar die Trophy!

Simone Feichtinger bei der 12 Stunden WM
Simone Feichtinger bei der 12 Stunden WM (c) Simone Feichtinger

Hast du dir ein besonderes Ziel für die Trophy gesteckt?

Prinzipiell ist es schon toll wenn ich durchkomme. Aber das ist nicht ganz das Ziel. Um mein Training zu absolvieren, brauche ich klare Formulierungen. Das ist mal irgendeine Zeit mit 14 Std. und wenn es 14:59 ist, haha.

Hältst du dich an einen speziellen Ernährungsplan – verrätst du uns wie der aussieht?

Ich esse viel Haferbrei oder trinke ihn. Auch im Wettkampf. Generell versuche ich, mich ausgewogen zu ernähren. Selbst zu kochen, mit Fokus auf Grünes und basisches. Natürlich viel trinken, auch Naturmittel wie Gerstengrad, Wurzekraft, Kräuterblut. Ich mische meine Getränkemischungen selbst.

Dein Lieblingsgericht?

Prinzipiell würde ich sagen die mediterrane Küche und das am liebsten am Meer!

Was isst du vor einem Wettkampf?

Haferbrei, leichtes verdauliches und den Rest der langkettigen Kohlenhydrate versuch ich flüssig aufzunehmen. Wir sind hier für die Trophy noch ein bisschen am adjustieren.

Dein Lebensmotto – verrät’s du´s uns?

When nothing goes right, go left…

Wie wichtig ist/war Sport für deinen Heilungsprozess?

Laut den Ärzten würde es mir heute nicht so gehen wie es mir geht. Der Sport hat sehr viel zur Genesung beigetragen aber auch dieses bisschen Leben in Extremen.  Aufgeben liegt nicht so in meinem Blut. „Nein, ich bin keine Extremsportlerin. Ja, ich bin extrem süchtig nach Leben.“

Stichwort Regenerieren: bei was entspannst du dich am besten?

Am besten in der Sonne von der wir aktuell leider noch zu wenig haben. Gerne mal in einer Therme am Wasser. Aber wenn es dann einfach nur die Couch ist, wie jetzt gerade und mein Hund legt sich zu mir und den Kopf auf meinen Bauch und schläft ganz ruhig und atmet dementsprechend ruhig, was gibt es besseres… das fährt auch mich runter.

Ich geh auch gerne spazieren – einfach in den Wald rein und lass die Natur auf mich wirken.

Was ist dein Tipp an die Outdoormind Leser/innen, um in relativ kurzer Zeit fit zu werden?

Die Frage ist so schwer zu beantworten, ohne ein konkretes Ziel. Ich glaube, zu beginnen ist ein wichtiger Anfang. Begleitung durch einen Trainer ist sicher immer zielführend. Aber ein Pauschalrezept gibt es leider nicht, das sollte jeder individuell angehen.

Liebe Simone, wir drücken dir ganz fest die Daumen und sind gespannt auf das Ergebnis. Du rockst die Tophy! Garantiert!

Simone Feichtinger
Simone Feichtinger (c) Mirjageh.com Photography

News von Simone gibt es auf ihrer Facebookseite.

Facts Salzkammergut Trophy

Hier ein paar Facts zur anstehemden Salzkammergut Trophy am 11. Juli 2015.

  • Über 4000 TeilnehmerInnen aus über 40 Nationen (größter MTB Marathon Österreichs)
  • Die Strecke führt durch die UNESCO Welterberegion Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut. Es gibt 7 verschiedene Distanzen. Die längste Strecke ist 211,3 km und misst unvorstellbare 7049 Höhenmeter.
  • Die Ausfallsquote liegt zwischen 30 und 50 Prozent.
  • 2014 starteten 627 FahrerInnen und nur 388 davon kamen Ziel. Darunter waren 8 von 9 gestarteten Frauen.
  • Die Siegerzeit der 29jährigen Tschechin Milen Cesnakova lag bei 13:03:38 Stunden.
  • Die Siegerzeit 2014 vom Schweizer Hansueli Stauffer lag bei 10:24:40 Stunden.

Mehr Informationen findet ihr auch unter http://www.salzkammergut-trophy.at