Carina Cappellari
Carina Cappellari (c) Thomas Dietze

Carina Cappellari ist Schweizer Downhillerin und gehört zu den Weltbesten Fahrerinnen. Was das Bikegirl sonst noch so treibt und wie sie mit Verletzungen umgeht erzählt sie uns hier im Interview bei Outdoormind.

Interview Carina Cappellari

Hallo Carina, für diejenigen, die dich noch nicht so gut kennen: Stell dich doch kurz vor und erzähl uns, wie du zum Biken gekommen bist und was deine grössten Rennerfolge sind.

Ich bin Carina Cappellari, 23 Jahre alt und wohne in Chur. Ursprünglich bin ich aber aus Walenstadt wo ich mit circa sieben Jahren zum „Biken“ gekommen bin. Mein Vater hat regelmässig an Bike Marathons mitgemacht und ich habe da dann jeweils die Kids-Rennen bestritten. Nach ca. 10 Jahren im Cross Country Sport habe ich mich dann entschieden zum Downhillen zu wechseln.

Ich würde sagen, dass ich meine grössten Erfolge im aktuellen Jahr feiern konnte. Zuerst wäre da mein erster Sieg im Europacup und zudem kommen die letzten drei Weltcup Rennen, welche ich alle in den Top 10 beenden konnte. Ein besonderes Highlight war für mich der achte Platz bei meinem Heimweltcup in der Lenzerheide.

Beim Downhill-Weltcup in der Lenzerheide bist du trotz Sturz auf Rang acht gelandet und wurdest als beste Schweizerin gefeiert. Dein Statement zum Rennen?

Ich konnte es kaum abwarten bis das Rennwochenende endlich näher kam. Am ersten Trainingstag merkte ich aber ziemlich schnell, dass ich sehr nervös war und ich hatte Mühe locker zu bleiben. Familie, Freunde, Bekannte waren am Renntag da und ich wollte es einfach unbedingt in das Finale schaffen. Normalerweise war das kein Problem aber ich merkte, dass ich angespannter war wie sonst. In der Quali bin ich dann im ersten technischen Teil gestürzt und der Wechsler war dahin. Ich dachte schon: Das war es jetzt! Doch ich habe alles gegeben und konnte mich auch ohne zu pedalieren, überraschenderweise mit dem 11. Rang für das Rennen qualifizieren.

Im Rennen war die Stimmung einzigartig. So viele Leute haben meinen Namen gerufen und mich angefeuert. Ich hatte einen guten Lauf mit dem einen kleinen Sturz und war einfach nur überglücklich mit dem Resultat.

Carina beim Worldcup Lenzerheide
Carina beim Worldcup Lenzerheide (c) Duncan Philpott

Was machst du beruflich und wie bringst du Beruf und Biken unter einen Hut?

Ich arbeite 50% pro Woche im Büro einer Kaffeefirma (Julius Meinl) und absolviere nebenbei ein Teilzeitstudium (Betriebsökonomie). Trainiert habe ich im Winter immer am Abend und an den Wochenenden. Sobald dann die Rennen und Trainingslager angefangen haben, wurde es immer stressiger. Am meisten zu tun habe ich immer im Juni, wenn ich die Semesterprüfungen schreibe. Dies findet leider immer inmitten der Rennen statt.

Über den Sommer habe ich dann Semesterferien und arbeite einfach so viel es geht zwischen den Rennen. Mein Chef ist da aber sehr tolerant und ermöglicht mir eine sehr flexible Planung.

Wie bereitest du dich auf Rennen vor? Hast du einen Coach, der dich in Sachen (mentalen) Training unterstützt? Und wie sieht ein Renntag/Rennwochenende bei dir typischerweise aus?

Hauptsächlich mache ich das alleine. Dadurch dass ich aber schon lange im Mountainbike Sport bin und durch meine Zeit am Sportgymnasium Davos viel von Trainern betreut wurde, weiss ich so selber, was für mich am besten ist.
Wir reisen beim Weltcup meistens einen Tag vor dem Track Walk an und stellen die Zelte auf.  Am nächsten Tag findet dann das Ablaufen der Strecke statt und am Tag darauf der Trainingstag. Da finde ich es wichtig, dass man sich möglichst schnell mit der Strecke anfreundet und so auf das gewünschte Tempo kommt. Die beiden nächsten Tage sind dann Quali und Rennen. Vielmals mache ich nach der Qualifikation nochmals einen Track Walk um die Linien nochmals genau zu analysieren. Die Strecke verändert sich ja meistens sehr, nachdem alle darauf trainiert haben. Am Renntag ist dann alles ziemlich genau geplant mit Training, Essen, kleinem Power Nap, Aufwärmen usw.

Carina Cappellari bei Kranjska Gora
Carina Cappellari bei Kranjska Gora (c) Sandro Schmid
Carina in Winterberg
Carina in Winterberg (c) Pinkbike

Wie viele Bikes stehen bei dir im Keller und welche Partner unterstützen dich und in Sachen Bikes, Komponenten und Bekleidung?

In diesem Jahre fahre ich für das Radon Magura Factory Team und werde so vom ganzen Team unterstützt. Ich habe ein Downhillbike, Trailbike, Rennrad und Pumptrackbike. Zudem kommt natürlich noch mein altes Damenfahrrad, mit welchem ich zur Schule fahre und das Tandem von meinem Mitbewohner :)

Frauen und Outfits ist ja so ein Thema. :) Deswegen ein paar Fragen dazu:
Wie viele Bike Outfits hängen bei dir im Schrank und welche Rolle spielt das für dich?

Ou das weiss ich so gar nicht genau . Das Team ist von der Kleidermarke Thirty Seven gesponsort und ich bin zur genüge mit Outfits ausgestattet. Aber mit den Rennjerseys sind es bestimmt so an die zehn Outfits.

Hast du Lieblingsschuhe für`s Biken? Wenn ja welche und wie viele?

Ich fahre für FiveTen und bin ein riesen Fan vom HellCat Modell. Diese sind zwar etwas schwerer aber sehr bequem und super fürs Downhillen.

Biken, Bikehelm und Frisur: Ein Thema für dich? Hast du Tipps?

Ja die Helmfrisur kennen wir ja alle ;) ich habe auf jeden Fall immer ein Haargummi dabei. Während dem Fahren sind die Haare unten am Kopf zusammengebunden (natürlich wegen dem Helm) und sobald ich den Helm abnehme kann man sie so ganz einfach dann ja wieder hochbinden
Einen Tipp dazu finde ich braucht es nicht… Es ist ja nicht schlimm wenn zu sehen ist, dass man was gemacht hat :)

Biken und Nagellack? Cool oder uncool?

Cool! Wieso auch nicht?

Thema Männer-Domäne: Wie haltet ihr Mädels zusammen und wie geht man damit um?

Ich finde es gibt immer mehr Mädels die auf dem Bike unterwegs sind und so findet man auch überall wieder neue Freude. Dass es mehr Männer wie Frauen gibt, die Rennen fahren, ist ziemlich offensichtlich. In Bike Parks finde ich, ist es dann nicht ganz so offensichtlich. Ich denke aber dass man es als Frau gewohnt ist, im Sport umgeben von Männern zu sein und dass man so natürlich auch viel profitieren kann. Es gibt aber Situationen wo es einem einfacher fällt, einzelne Streckenabschnitte und Sprünge mit anderen Frauen anzuschauen und darüber zu sprechen.

Was machst du in der Off-Season?

Arbeiten, Schule und so viel verschiedene Sportarten wie mögliche. Von Biken, zu Langlaufen, Schneeschuhwandern, Snowboarden, Skifahren, Joggen bis zu Group Fitness Kursen

Wie sieht es mit Verletzungen aus und wie gehst du damit um?

Meine letzte Verletzung war circa vor einem Jahr. Ich habe mir die Bänder am Fuss gerissen/gezerrt und musste so einige Wochen aussetzten. Zum Glück hat sich das schnell wieder erholt und ich habe kaum wichtige Rennen verpasst.

Es ist aber immer schwierig nach einer Verletzung wieder zurück zu kommen. Je länger man weg war, desto schwieriger ist es natürlich. Ich finde es dann am Wichtigsten, dass man einfach den Spass daran wiederfindet, sich nicht unter Druck setzt und sich genügend Zeit lässt.

Last but not least: Was möchtest du sonst noch loswerden?

Ja ich schätze es natürlich sehr, dass ich trotz der Schule und der Arbeit so gut von meinen Sponsoren unterstützt werde. Ich sehe das überhaupt nicht als Selbstverständlichkeit an und hoffe natürlich, dasss ich weiterhin meine Leistung bringen kann.

Danke für das Beantworten unserer Fragen. Wie wünschen dir weiterhin alles Gute!

 

Mehr Informationen zu Carina Cappellari findet ihr auch auf ihrer Facebookpage.