Gela Allmann ist Bergsportlerin und Model bis ein Fotoshooting in Island ihr zum Verhängnis wird. Sie stürzt 800 Meter in die Tiefe und überlebt schwerverletzt. In letzter Sekunde gelingt es ihr, schwer verletzt vor einer tödlichen Felskante zu stoppen. Ihre Knie und die linke Schulter sind zertrümmert, ein Rückenwirbel und das Nasenbein gebrochen sowie die Hauptarterie im rechten Bein gerissen. Für die Ärzte beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Wie sie sich zurück ins Leben kämpft und wie es ihr heute geht erzählt sie uns im Interview bei Outdoormind.

Interview Gela Allmann

Liebe Gela. Du bist Sportlerin aus Leidenschaft. Diejenigen, die dich vielleicht noch nicht so gut kennen: Was zeichnet dich aus und was waren deine bisherigen Erfolge?

Ich war begeisterte Skitourenrennläuferin und Bergläuferin. Dabei haben mir vor allem die langen Distanzen gelegen. Alles was in Richtung Bergmarathon ging. So habe ich 2013 den Kaisermarathon in Söll in meiner Altersklasse gewonnen, oder den Zugspitz Extremberglauf. Auch bei Skitourenrennen waren es die langen und harten Rennen die mich gereizt haben. Leider habe ich es bisher nicht geschafft bei der Patrouille des Glaciers zu finishen. Das wäre mein Ziel 2014 gewesen, aber dann kam der Unfall…

Du hast in kürzester Zeit viel erreicht, es gab aber auch einen extremen Tiefpunkt in deinem Leben: Dein Unfall, bei dem du bei einem Fotoshootings 800 Höhenmeter über Eis, Fels und Schnee abstürzt. Du überlebst schwerverletzt und kämpfst dich zurück ins Leben. Viele sprechen über ein Wunder und ein Ausnahmetalent, dass durch die eigene mentale Stärke zurück zu sich selbst findet. Wie erging es dir dabei? Die Aufmerksamkeit auf dich als Person war und ist nach wie vor gross und viele interessiert wie du das Unmögliche möglich gemacht hast. Vermutlich ist es nicht immer leicht darüber zu sprechen?

Nein, das ist es nicht, aber es hat mir auch sehr geholfen, das Erlebte vor allem mental zu verarbeiten. Ich habe von Beginn an eine Art “Tagebuch” geführt und diese Gedanken und Gefühle sind letztendlich zu einem Buch geworden: “Sturz in die Tiefe” zeigt glaube ich sehr viele ehrliche Einblicke in die Ups und Downs, durch die ich seit dem Absturz gegangen bin.

Gela Allmann beim Running
Gela Allmann beim Running (c) Dynafit

Es begeistert deine Fans, Freunde und die Medien natürlich auch, dass du nun wieder deiner Leidenschaft nachgehen kannst. Wie geht es dir denn momentan und wie weit bist du von deinem Ziel entfernt? Hast du ein grosses Vorhaben, das ansteht in Bezug auf deine Sportlerkarriere?

Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich wieder so aktiv am Berg unterwegs sein kann, auch wenn ich noch nicht wieder laufen kann. Aber das MTB oder das Rennrad sind im Sommer super Alternativen und es gibt ja auch Bahnen & Gondeln die einen wieder sicher ins Tal bringen, wenn ich bergauf doch zu Fuß unterwegs bin. Im Winter habe ich heuer meine ersten Abfahrten mit Tourenskiern versucht und es klappt schon ganz gut. Ich schaffe es zwar von der Kraftübertragung auf meine Schwachstelle Knie noch nicht, wieder richtig Gas zu geben oder in dem Umfang zu trainieren, wie ich es früher gemacht habe, aber man bekommt da tatsächlich einen ganz neuen Bezug dazu. Wenn mein Knie mir nach einer Skiabfahrt sagt, dass es reicht, dann powere ich mich eben noch auf der klassischen Langlaufloipe aus, da ist die Belastung aufs Gelenk nicht so hoch und ich kann trotzdem draußen in den Bergen Gas geben. Es gibt immer einen Weg, wenn man ihn nur zulässt. Eine Prognose für die Zukunft möchte ich nicht geben. Ich wünsche mir einfach, dass wir weiterhin die richtigen OP-Entscheidungen für mein rechtes Knie treffen und es weiterhin bergauf geht.

Wie häufig trainierst du und wie sieht dein Trainingsplan aus? Wer unterstützt dich dabei?

Derzeit bin ich zweimal die Woche in der Physio und drei mal die Woche für je 2-3 Stunden in der Reha. Hier werde ich jeweils von den besten Physios und Trainern unterstützt. Mit ihnen kläre ich auch ab, welche Belastungen am Berg, auf dem Rad oder im Wasser für mich okay sind. Meistens bremsen sie mich ein und raten dazu, neben der Reha nicht zu viel zu machen. Für mich ist die Bewegung draußen in der Natur aber vor allem auch für mein psychisches Wohlbefinden essentiell. Wenn es mal kleine Rückschritte gibt und die gehören nun mal zu jedem längeren Reha-Prozess dazu, ist es vor allem wichtig, dass ich viel raus komme und dort neue Energie tanke.

Gela Allmann (c) Dynafit
Gela Allmann (c) Dynafit

Kannst du von deiner Leidenschaft leben oder hast auch du noch ein zweites Standbein, das dein Fixum deckt?

Ich finde es toll, dass die Anfragen für Impulsvorträge mehr werden und ich meine Geschichte hier erzählen kann, um andere Menschen zu motivieren. Das ist ein Standbein, das ich gerne in der nächsten Zeit weiter ausbauen möchte. Es erscheint mir einfach nach dem Unfall als so sinnvoll und ich kann Menschen damit vielleicht etwas von meinen Erfahrungen weitergeben. Ich habe ja Sport, Medien & Kommunikation studiert und arbeite in diesem Bereich auch als (Event-)Moderatorin und TV-Reporterin. Ich freue mich auch, dass ich wieder als Fotomodell arbeiten kann. Auch wenn ich derzeit nicht mehr unbedingt für die Action-Shootings gebucht werde.

Was steht bei Gela Allmann dieses Jahr noch an? Im März 2016 bist du mit Skitourenwinter.at unterwegs und es geht um Skitechnik bergauf und bergab, Grundlagen der Schnee- und Lawinenkunde und Tipps zur Tourenplanung. Gibt es weitere Angebote mit dir unterwegs sein zu dürfen und von deinem Know-How zu profitieren?

Vor Ort ist ein Bergführer dabei der dieses Wissen sicher bessert vermittelt als ich. Ich erzähle vielmehr von meinen Erfahrungen am Berg, im Wettkampf, halte einen Motivations-Vortrag, versuche einfach meine Leidenschaft für den Sport zu transportieren und mit den Ladies ein paar tolle inspirierende Tage im Schnee zu verbringen und sich gegenseitig auszutauschen. Wenn das Camp ein Erfolg wird, gibt es sicher eine Fortsetzung.

Dein Film „One Step“ wird Mitte Februar in Kolbermoor Filmpremiere haben. Wer nicht dabei sein kann: Wo kann man den Film sehen?

Alle Termine zum Film “ONE STEP” gebe ich über meine Website bekannt. Zum Beispiel am 20.3. bei der Berginale in Berchtesgarden gibt es die Möglichkeit, oder am 22.4. am Schliersee. Eventuell geht der Film im Herbst auf Filmtour…Alle Infos dazu folgen, sobald es etwas neues gibt.

Cover Gela Allmann Sturz in die Tiefe
Cover Gela Allmann Sturz in die Tiefe (c) Piper

Ausserdem hast du ein Buch „Sturz in die Tiefe“ geschrieben, in dem es über deinen Überlebenskampf geht. In wieweit unterscheidet sich Buch vom Film?

Das Buch habe ich ja tatsächlich selbst geschrieben. Es gibt sehr detaillierte Einblicke, ist sehr ehrlich und schnörkellos was meine Gefühlswelt nach dem Unfall betrifft. So tief schafft es ein Film natürlich niemals zu blicken. Der Film “ONE STEP” ist das Werk von Regisseur Mario Feil. Er lässt darin auch einige Freunde, meine Physiotherapeuten und Ärzte zu Wort kommen und diese aus ihrer Sicht erzählen.

Hast du sonst noch etwas, das du uns mitteilen möchtest?

Nein ? Ich glaube ich habe in letzter Zeit genug erzählt! ich will meine Zuhörer mit meiner Geschichte auch nicht nerven!!

Mehr Informationen findet ihr auch auf Gela Allmanns Website, bei Facebook & zum Buch geht es hier entlang.