Riesig freute ich mich, als ich die Zusage bekam, einen Tag mit der sympathischen Fränkin, Teilzeit-Wahlallgäuerin und BMC-Enduro Teamriderin Kerstin Kögler im Rocky Mountain Bikepark Samerberg zu verbringen. Wir haben uns letztes Jahr am Gardasee beim Specialized Sram Enduro Rennen kennengelernt. Nach ihrer ereignisreichen letzten Saison und gleichzeitig ihrer ersten in der Disziplin Enduro, war ich daher sehr gespannt auf ihre Erzählungen aus dem Renn- und Bikezirkus. Als wir uns trafen, kam sie gerade vom Shimano Epic Enduro zurück, einem sehr zehrenden Tagesrennen mit unglaublichen 4800hm und 106 km.

Bike Ride mit Kerstin Kögler

Nach einem freudigen „Hallo“ am Parkplatz machten wir uns auf den Weg, um die Karten im bikeparkeigenen Shop zu holen. Dort wurden wir vom tollen Team des Parks unglaublich nett empfangen. Man gab uns neben Infos zum Zustand der einzelnen Parkpassagen viel Input zu den neu entstandenen Streckenteilen, die über den Winter und in den letzten Wochen gebaut wurden.
Unsere Vorfreude auf den Ladies Day im Park wurde noch größer. Mit einem riesen Grinsen im Gesicht machten wir uns auf den Weg nach Oben. Am Samerberg hat man als Fahrer die freie Wahl, ob man selbst die 250hm in die Pedale tritt, oder ob man die gemütliche Hochriesbahn nutzt und die Aussicht auf die umliegenden Berge genießt. Wir entschieden uns fürs Pedalieren, um warm zu werden und um natürlich ein wenig zu plaudern.
Unglaublich gespannt war ich daher, ein wenig aus ihrem Leben als Bike-Profi, Fahrtechniktrainerin und Ausbilderin im Bundeslehrteam Mountainbike der DIMB zu erfahren. Geplant war dieser Schritt – das Hobby Biken, was sie seit über 18 Jahren fasziniert, zum Beruf zu machen, jedoch nie! Kerstin studierte Betriebwirtschaft und saß vor 4 Jahren noch im Projektmanagement einer Agentur für Kommunikation.
Sie erzählte mir, dass sie vor ihrem Start als Enduropilotin im Cross Country/Marathon anzutreffen war und sie dort die Erfahrung und Grundlagen für ihre heutigen Rennen sammeln konnte. Begonnen hatte alles mit einem überraschenden Sieg bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften im Marathon 2004, seither ist der Rennzirkus für sie nicht mehr wegzudenken. Wenn sie weiter über ihre Saisonvorbereitung für die Endurorennen 2015 spricht, berichtet sie von viel Athletik- und Ausdauertraining im Winter, das ihr die nötige Kraft und Energie für ihre doch ein wenig extremeren Vorhaben gibt. Prinzipiell schreibt Kerstin ihre Trainingspläne selbst, holt sich jedoch immer wieder Feedback und sucht den Austausch mit anderen Trainern. Das eingangs erwähnte Shimano Epic Enduro ist nur eine ihrer größeren Herausforderungen, über die sie mit großer Begeisterung und absolut ansteckender Motivation spricht. Weitere sind in diesem Jahr die Trans Provence, vier Stationen der Enduro World Series, die Trans Savoie, sowie die Megavalanche in Alp d´Huez. Neben dem intensiven Athletiktraining gehört gerade zu solchen anspruchsvollen Rennen eine gesunde mentale Stärke. Wie ich erfahren konnte, hat sich Kerstin diese durch jahrelange Rennerfahrung, den intensiven Austausch mit Kollegen und Trainern, sowie durch permanente Selbstrefelxion aufgebaut. Ohne diesen Background wäre es vermutlich nicht ganz so einfach eine Niederlage oder einen Sturz zu verkraften.

Kerstin in Action bei den UCI MTB World Championships 2014
Kerstin in Action bei den UCI MTB World Championships 2014

Dass Niederlagen und Enttäuschungen ein fester Bestandteil im Rennalltag darstellen, musste Kerstin kürzlich beim Shimano Epic Enduro erfahren. Das Rennen lief super, erzählte sie. Das Wintertraining hatte sich bezahlt gemacht, sie lag auf Platz zwei in der Damenwertung. Doch dann wurde unglücklicherweise das Zeitlimit nach einer längeren Transferetappe knapp überschritten. Die Konsequenz: Rennausschluss und das nach 3600hm und vielen hart erarbeiteten Kilometern. Die Enttäuschung war zu Beginn groß, doch konnte sie auch dieser etwas Positives abgewinnen. Neben dem Rennen ist für Kerstin jedes Event auch ein Treffen mit interessanten bekannten und unbekannten Menschen, die das Rennen an sich schon zu einem extrem positiven Erlebnis machen. „Fast alle Rennen fahre ich im Ausland und lerne so wunderschöne Gegenden auf der ganzen Welt und in Europa kennen. Etwas Multikulti geht es auch in meinem Team „BMC Factory Trailcrew“ zu – ich bin die einzige Fahrerin aus Deutschland, meine Teamkollegen und das Team hinter dem Team sind aus der Schweiz und Frankreich und allesamt französische Muttersprachler. Ich versuche daher mein Französisch Schritt für Schritt zu verbessern, die meiste Kommunikation verläuft aber auf Englisch.“

Auf dieses nette Gespräch folgte sogleich unsere erste Abfahrt im Park. Doch wir fuhren nicht mit dem für Kerstin so typischen „AJUHUU“ nach unserer Ankunft am Start los, sondern ich bekam einen kurzen Einblick in einen Teil ihres Warmup-Programm, das sie vor dem Rennstart absolviert. Gefühlt wie ein ungelenkiger Hampelmann stand ich neben ihr auf der Almwiese und versuchte ihre koordinativ anspruchsvollen Bewegungen nachzuahmen, was zu einem ziemlichen Grinsen von Kerstin führte. Aufgewärmt und gelockert drehten wir unsere erste Runde im Park. Da der vorhergehende Wintereinbruch Anfang April Spuren hinterlassen hat, wählten wir die gängige Runde durch den Park, die uns durch wunderbar geshapte Kurven mit kleinen Anliegern und Wallrides führte. Außerdem fanden wir eine tolle Jumpline vor, die wir uns genauer ansehen wollten. Motiviert und angefixt von der Strecke, eilten wir nochmals den Weg nach Oben.

Kerstin und Eva am Samerberg
Kerstin und Eva am Samerberg (c) Outdoormind
Kerstin Kögler am Samerberg
Kerstin Kögler am Samerberg (c) Outdoormind

Als versierte Fahrtechniktrainerin gab mir Kerstin viele kleine, sehr hilfreiche Tipps. Wir schraubten an meinem Sattel, sodass sich die Position nochmals verbesserte und sprachen über die Kniffe, welche die richtige Sitzposition beim Uphill mit sich bringt. Bergab wurde ich quasi durchleuchtet. Unterhält man sich mit Kerstin, wird einem sehr schnell klar, dass sie einen sehr guten Detailblick hat und für jede noch so große Kleinigkeit einen Verbesserungsvorschlag bereithält. Dabei achtet sie nicht nur auf eine äußerst anschauliche Erklärweise, sondern macht die Übung oder die Fehlerkorrektur gleich vor. Auf einem kurzen North-Shore-Abschnitt, der sich in die Jump-Line einbettet, hatte ich die Möglichkeit unter ihrer Anleitung an meiner Technik zu feilen. Wir testeten ausgiebig verschiedene Sprunghöhen und tasteten uns langsam an die unterschiedlichen Schwierigkeiten heran. Das anschließende Gespräch zu Risiko, Angst und Grenzerfahrung, traf die Problematik, die in solchen Teilen eines Bikeparks öfter auftreten, doch ziemlich gut. Kerstin meint hierzu: „Es ist immer eine Gratwanderung – sich zu steigern, Grenzen auszuloten, aber wo ist der Schritt nach vorne zu groß? Von diesem Spannungsfeld lebt das Biken natürlich auch: eine geglückte Passage, ein flüssig gefahrener Trail und die abschließende gemeinsame Einkehr – was gibt es Schöneres? In der Praxis heißt das: Schritt für Schritt lernen – dabei lernt der eine schneller, der andere braucht etwas länger. Es ist wichtig neu erlernte Techniken und Bewegungen durch Wiederholungen zu festigen. Der nötige Respekt sollte immer dabei sein – Angst oder Panik jedoch sind destruktiv, verhindern meist Erfolgserlebnisse und sind für einen Lernerfolg keine gute Basis. Und wenn’s mal nicht weiter geht oder man von Grund auf die Bewegungen sauber lernen möchte – hier hilft ein guter Coach für viel Spaß auf dem Trail!“

Und um den Spaß geht’s letztendlich ;-)

Rocky Mountain Bikepark Samerberg für Jedermann

Bei unserem anschließenden After-Park-Chill-In mit der Crew vom Park ging es auch nochmals um dieses Thema. Die Jungs gaben uns absolut Recht und erklärten uns dazu, dass sie deshalb im Park allzu ruppige oder unsichere Sprungbauten vermeiden würden. Sie wollen am Samerberg jedem Biker eine Plattform geben, um an sich zu arbeiten, um Spaß zu haben-mit dem Bike, mit Freunden.

After Bike Chill am Samerberg
After Bike Chill am Samerberg (c) Outdoormind

Es versammelten sich nach einiger Zeit immer mehr Mädels und Jungs aus dem Park am Shop, um gemütlich den Tag ausklingen zu lassen. So blieb noch einige Zeit zum Fachsimpeln und für Austausch zu Material, Touren und Erlebnissen. Wir bekamen noch den Tipp, dass jeden Freitag der Ladies Day im Park ist und neben einer 50% igen Ermäßgiung auf Tickets ebenso Schoner und Leihbikes im Angebot sind…
Und wer nicht den ganzen Tag im Park fahren möchte, der kann ebenso die Region rund um den Samerberg mit seinen schönen Trails erkunden. Auch hier geben die Jungs vom Shop am Park gerne Aukunft.
Kerstin und ich haben den Tag im Park unglaublich genossen und noch mehr Spaß gehabt.
Wir sind uns einig, dass dies nicht der letzte Ausflug an den Samerberg war und verabschiedeten uns mit den letzten Sonnenstrahlen von den Jungs, vom Park, vom Samerberg.
Wer mehr über Kerstin Kögler oder den Bikepark erfahren möchte, findet an dieser Stelle die entsprechenden Links:

http://kerstin-koegler.jimdo.com

http://www.bikepark-samerberg.de