Das Mountainbike Kult Event „Schnitzeljagd Sölden“ hat sich derart etabliert, dass es innerhalb von wenigen Stunden ausverkauft ist und die Warteliste von Jahr zu Jahr länger wird. Nach der beliebten Jagd nach dem Riesenschnitzel, wird seit diesem Jahr das Hörnli in Graubünden gejagt. Die erste Hörnli Trailjagd in Arosa Lenzerheide war ein voller Erfolg! Wie Patrick und ich als Neulinge das Rennen erlebt haben, lest ihr hier.

Idee des Rennformats

Die Idee für dieses Rennformat kam Bike Legende Holger Meyer bereits vor 10 Jahren: tolle Trails mit Gleichgesinnten fahren und dabei möglichst viel Spass haben. Es ist eine Schnitzeljagd auf dem Bike – und das Preisgeld für den Sieger ist das Goldene Riesenschnitzel beziehungsweise nun neu in der Schweiz: das Hörnli bei der Hörnli Trailjagd. In Zweierteams stellen sich Enduro-Biker der Herausforderung, auf den Trails verschiedene lustige Aufgaben zu erfüllen. Es geht hauptsächlich den Berg hinunter, aber auch hinauf.

Treffpunkt vor der Weisshornbahn in Arosa
Treffpunkt vor der Weisshornbahn in Arosa (c) Christoph Bayer

Trailwochenende der Superlative

Die Regeln der Hörnli Trailjagd sind schnell erklärt: Es gilt an vier Almhütten verschiedene Missionen zu erfüllen und unterwegs zwei Checkpoints anzufahren – dort gibt es jeweils einen Stempel. Das Team, das als Erstes mit allen Stempeln in das Ziel einfährt, gewinnt. Die Reihenfolge der Stationen und die Routenwahl sind frei, auch Bergbahnen dürfen nach Belieben genutzt werden. Eine ausgeklügelte Taktik entscheidet also über Sieg oder Niederlage.

Ausgabe der Startpakete für die Hörnli Trailjagd
Ausgabe der Startpakete für die Hörnli Trailjagd (c) Christoph Bayer

Nachdem die Startpakete verteilt wurden, treffen sich alle Teams auf dem Weisshorn in Arosa. Bereits eine Stunde vor Rennstart tummeln sich die Teilnehmer auf dem Gipfel. Holger Meyer begrüsst uns bereits in der Gondel und macht schon mal Stimmung. Die Bikes werden schon platziert, aber zum Aufwärmen geht es ins Bergrestaurant. Denn es hat 2 Grad und auch die Sonne traut sich noch nicht raus.

Gondelfahrt zum Weisshorn
Gondelfahrt zum Weisshorn (c) Christoph Bayer
Weisshornbahn Arosa
Weisshornbahn Arosa (c) Christoph Bayer

Tipps und die genauen Informationen gibt es beim offiziellen Briefing um 10 Uhr. Gleichberechtigung für alle. So werden auch erst dann die Pläne mit den Missions-Stationen und den Checkpoints verteilt. Heisst, eine Vorbereitungszeit von kann 20 Minuten muss ausreichen. Insgesamt 40 Teams bereiten sich angespannt auf die Jagd vor. Holger betont noch „Timing ist alles“. Nach dem Rennen wissen wir nun auch weshalb… Klar ist, dass gewisse Bergbahnen nicht rund um die Uhr fahren, wie zum Beispiel die Urdenfürggli Bahn, die Wanderer und Biker nur stündlich vom Hörnli nach Urdenfürggli bringt. Wenn diese Bahn verpasst wird, heisst es entweder warten und die Chance unter die Top Plätze zu gelangen aufgeben oder aber mit eigener Kraft den Weg hinter sich zu bringen. Zusätzliche 300 Höhenmeter muss man dafür in Kauf nehmen. Wir denken uns nicht viel dabei und sind hochmotiviert das Rennen mit unserer Strategie zu meistern.

Ausgabe der Karte für die Trailjagd
Ausgabe der Karte für die Trailjagd (c) Christoph Bayer
Briefing von Holger Meyer
Briefing von Holger Meyer (c) Christoph Bayer
Karte studieren und Planung machen
Karte studieren und Planung machen (c) Christoph Bayer

Startschuss der Hörnli Trailjagd auf dem Weisshorn

Startschuss vom Weisshorn Um 10.30 Uhr gibt Holger den Startschuss. Auch wenn die Pistole nicht funktioniert, die Masse bewegt sich erst träge aber dann dynamisch zur Flagge bei der Scheidegg. Vor dem „Massenstart“ hatten wir am meisten Respekt, denn es geht die ersten 500 Höhenmeter über eine Schotterpiste hinab, die dann auf einem Trail mündet. Ob das gut geht? Ja, geht es. Und zwar besser als gedacht. Geregelt und ohne Massenkarambolage geht es hinab. Die „Hörnli Trailjagd Flagge“ ist nicht zu übersehen. Von hier aus müssen wir uns entscheiden, rechts oder links. Wir entscheiden uns für links und machen uns auf den Weg zur Ochsenalp. Bisher verläuft alles wunderbar und wir sind unter den ersten Bikern, die sich den Trail entlang schlängeln.

Startschuss auf dem Weisshorn
Startschuss auf dem Weisshorn (c) Christoph Bayer

Der Regen vom Vortag hat den Boden aufgeweicht und schnell sind unsere Bikes und wir mit Schlamm geschmückt. Aber das gehört dazu und vor lauter Adrenalin spüren wir davon nichts. Die erste Mission liegt vor uns: wir müssen zu zweit ein Bike unter einem grossen Tisch durchführen. Einer klettert auf den Tisch und muss dann wieder galant auf dem Sattel vom Bike landen. Potenzial für Verletzungen ist hier auf jeden Fall vorhanden. Denn die erste Hektik macht sich breit. Dank Personal wird die Meute aber gut organisiert.

Erste Mission bei Endura
Erste Mission bei Endura (c) Christoph Bayer

Wir fahren nun den Schotterweg weiter, bis wir unseren zweiten Stempel abholen. Runter ist ja ganz nett, aber müssen wir das dann alles wieder hinauf? Ein Trail würde nach Arosa führen, aber das kostet (zu) viel Zeit. Viele haben den gleichen Gedanken und treten nach dem Checkpoint wieder zurück Richtung Mittelstation. Auf dem Weg staut sich die Auffahrt da eine grosse Kuhherde nicht Platz macht. Zudem verliere ich Luft im Hinterrad und Patricks Sattelstütze mag nicht mehr. Schon eigenartig, denn die Woche davor fahren wir 5 Tage lang technische Trails mit den fiesesten Steinen in den Seealpen und haben keinerlei technischer Defekte. Aber das ist wohl einfach nur ein doofer Zufall.

Checkpoint bei der Hörnli Trailjagd mit Stempel
Checkpoint bei der Hörnli Trailjagd mit Stempel (c) Christoph Bayer

Wir versuchen trotzdem unseren Plan weiter zu verfolgen und landen knapp 500 Höhenmeter später an der Mittelstation der Weisshornbahn, um uns den dritten Stempel abzuholen. Hier begrüsst uns freudig das SCOTT Team und erklärt uns die Challenge: mit einem Kinderbike einen kleinen Parcours meistern. Hier ist Balance und Geschick gefragt.

Bei SCOTT geht es auf das Kinderbike
Bei SCOTT geht es auf das Kinderbike (c) Christoph Bayer

Drei Stempel später machen wir uns auf den Weg zum Hörnli-Express. Wir sind gut in der Zeit, denken wir… Denn auch wenn der Name anderes verspricht, ist der Hörnli-Express leider nicht der schnellste. Und so passiert uns das, wovor sich vermutlich alle Teams so vor gegrault haben: Wir verpassen um ein paar Minuten die Urdenfürggli Bahn, unsere Verbindung auf die andere Seite. Einerseits nicht schlimm, da wir auf dem Hörnligrat noch eine Mission für Leatherman zu erfüllen haben, andererseits sehen wir den „Graben“ vor uns und sind am Zweifeln. Gedanken kurz beiseite und die Aufgabe meistern, die uns gerade entgegen kommt: wir dürfen ein Stück Käse in einem aufgeschnittenen Croissant platzieren und essen. Stärkung können wir jetzt gebrauchen. Denn zum Essen und Trinken bleibt in der Tat nicht wirklich Zeit, ausser im Lift.

Urdenbahn Arosa
Urdenbahn Arosa (c) Christoph Bayer
Mission bei Leatherman
Mission bei Leatherman (c) Christoph Bayer
Croissant und Käse schneiden und essen mit dem Leatherman
Croissant und Käse schneiden und essen mit dem Leatherman (c) Christoph Bayer

Und was nun? Ein Plan B muss her, denn eine Stunde warten und nichts tun kommt für uns nicht in Frage. Also machen wir uns auf den Weg, das Urdental zu überwinden und unsere vorletzten Stempel auf 2.615m bei Gredigs Fürggli abzuholen. Weitere 300 Höhenmeter Uphill stehen uns bevor, davon eine kurzen aber knackige hike-a-bike-Passage. Zwischendurch treffen wir auf ein paar Teams, die die gleiche Tortour auf sich nehmen.

Downhill zum Älplisee

Oben angekommen freuen wir uns auf den gigantischen Downhill Richtung Älplisee. Alle Anspannung ist vergessen und auch fast das Rennen. Wir geniessen den flowigen Trail am Hang entlang, den wir nur für uns haben. Bei der Traumkulisse fällt es uns schwer, die Augen auf dem Trail zu behalten. Wir fühlen uns gut und schnell. Jetzt läuft es, denken wir. Hier und da pumpe ich meinen Reifen auf, denn es scheint so zu funktionieren.

Traumtrail in einer traumhaften Kulisse
Traumtrail in einer traumhaften Kulisse (c) Christoph Bayer
Kühe in der Schweiz in Arosa
Kühe in der Schweiz in Arosa (c) Christoph Bayer

Wir holen unseren letzten Stempel bei Continental ab. Gümmibärchen mit Reifenhebern essen? Da gibt es auch schlimmere Missionen. ;)

Gestärkt düsen wir über den letzten Trail ins Tal zum Ziel. Geschafft! Grosser Applaus und ein moderierender Holger Meyer, der uns empfängt. Gefühlt waren wir schnell, doch die Realität holt uns ein, als Holger unseren Platz verkündet: Nummer 17. Eine kurze Enttäuschung macht sich breit und wir reflektieren unsere Route und Strategie. Letztlich kommen wir zum Entschluss, dass es egal ist, dass wir nicht unter die Top 10 gekommen sind. Wir sind mega happy nach knapp 3 Stunden, 800 Höhenmetern und 30 Kilometern das Ziel erreicht zu haben und fallen uns glücklich in die Arme.

Im Ziel und geschafft
Im Ziel und geschafft (c) Christoph Bayer
Die Contessa Girls Kathrin und Carina fanden es spitze
Die Contessa Girls Kathrin und Carina fanden es spitze (c) Christoph Bayer

Den Abend lassen wir bei Hörnli und Ghackts-Essen und netten Gesprächen ausklingen. Nach der Tombola und Siegerehrung entscheiden wir uns gegen die Hörnli-Party und fallen müde ins Bett. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende.

Blut geleckt haben wir jedenfalls und wissen jetzt auch, was wir beim nächsten Mal optimieren würden. Verraten tun wir das aber nicht! ;)

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner! Zur Rangliste geht es hier entlang.

Vielen Dank an Arosa und die Rasenmäher für die tolle Organisation. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr! Weitere Informationen findet ihr auch unter https://www.arosa.ch/trailjagd oder http://www.dierasenmaeher.de/hoernlijagd