Der Schritt zu sich selbst, ist der wichtigste Schritt in Sachen Erfolg. Das gilt nicht nur für den Beruf und den Alltag, sondern natürlich auch für den Sport. Sei es Amateur oder Leistungssportler, jeder kann mentales Training im Sport anwenden, um Ziele zu erreichen. Für alle, die ihr Leistungspotential mehr ausschöpfen wollen, ist Sportmentaltraining ideal.

Nach einigen Recherchen im Internet bin ich auf den Schweizer Sport Mental Coach Matthias Stäuble gestossen, der sich diesem Thema angenommen hat und Nachwuchssportler, Breitensportler, Leistungssportler, Trainer, Funktionäre, Kinder und Jugendliche coacht. Ich möchte mehr erfahren über Sportmentaltraining und Möglichkeiten finden, wie ich mit entsprechenden Techniken meinen Leistungszustand beim Sport steigern kann.

Interview zum Thema Sportmentaltraining

Nach einem Kennenlernen und einer Einführung in das Sportmentaltraining wurde ich selbst zum Coachee (=Kunde) und durfte anhand eines Beispiels und einer aktuellen Situation Werkzeuge und Techniken kennenlernen, die es mir im „Sportalltag“ ereleichtern, den IST-Zustand sowie den Zustand des Vertrauens / Mut zu erlangen und damit Ziele besser zu erreichen und leistungsfähiger zu sein. Matthias hat mir anschliessend noch ein paar Fragen beantwortet.

Hallo Matthias, du bist Sport Mental Coach und unterstützt Sportler dabei, die mentale Stärke im und neben dem Sport zu entwickeln. Was ist Sportmentaltraining und für wen ist es geeignet?

Beim klassischen Mentaltraining stellt sich der Sportler seinen „optimalen Film“ im Kopf vor (Bewegungsabläufe, Verhaltensweisen, taktische Elemente). Man nennt diesen Vorgang Visualisierung. Mit genügend Übung  hat der Körper die Tendenz, diesen inneren Film im Wettkampf automatisch auszuführen.
Ebenfalls werden die Selbstregulationsfähigkeiten trainiert, um den Idealen Leistungszustand ILZ – also den Mix aus An- und Entspannung – zu beeinflussen. Dies geschieht unter anderem mit Atem- und Konzentrationstechniken sowie der Steuerung der Gedanken und Selbstgespräche.
Im weiteren Sinne geht es beim Mentaltraining aber auch darum, den Sportler bei Persönlichkeitsprozessen zu begleiten. Die Themen sind sehr vielfältig. Oft sind es Dinge wie Ängste, Motivation, Druck, Stress, Selbstvertrauen, welche häufig nur indirekt mit dem Sport zu tun haben. Deshalb werden immer sämtliche Lebensbereiche berücksichtigt. Dabei wird viel mit Fragetechniken gearbeitet, da dadurch die (unbewussten) Potentiale des Sportlers an die Oberfläche geholt werden können.
Sportmentaltraining ist für alle geeignet, welche sich sportlich und persönlich weiterentwickeln wollen. Es braucht also einfach eine Bereitschaft zur Veränderung, das ist alles.

Auch wenn ich kein Profisportler bin kann ich also von Sportmentaltraining profitieren. Was sind die Vorteile, also warum sollte ich mich dafür entscheiden?

Der Sport ist ja „nur“ ein Spiegel unseres Innenlebens – das ist auch bei Hobbysportlern so. Das heisst, wenn  sich jemand in seinem Sport weiterentwickelt, so hat das immer auch einen Einfluss auf das Privat- und Berufsleben sowie auf die Persönlichkeit. Denn unser Gehirn kann die verschiedenen Bereiche nicht einfach so trennen.

Welche Themen beschäftigen die meisten Profisportler, aber auch Amateursportlern, die ihrer Leidenschaft nachgehen?

Das ist sehr unterschiedlich, wobei es letztlich immer mit Emotionen zu tun hat. Das können Dinge sein wie die Angst vor dem nächsten Wettkampf, die Planung für die nächste Saison, die Optimierung einer bestimmten Technik, die Verarbeitung einer Verletzung oder Niederlage, der Umgang mit Druck und Nervosität oder die Steigerung der Motivation.

Sport Mental Coach Matthias Stäuble
Sport Mental Coach Matthias Stäuble

Du stellst ganz klar dar, dass es sich beim Coaching um keine Therapie handelt. Woran erkennst du, dass ein Kunde vielleicht doch eine Therapie als Ergänzung benötigt und wie gehst du in diesem Fall damit um?

Dies zu erkennen ist vor allem Erfahrungssache und die Grenzen sind manchmal fliessend. Grundsätzlich gilt: Bei einem Mentaltraining oder Coaching müssen die Selbstregulationsfähigkeiten intakt sein.
Wenn jemand jedoch seinen Alltag nicht mehr richtig meistern kann oder z. B. über Monate hinweg an Schlafproblemen oder Niedergeschlagenheit leidet, ist grundsätzlich eine therapeutische/medizinische Behandlung angesagt (eventuell mit einem ergänzenden Coaching). Das gleiche gilt bei sämtlichen bereits diagnostizierten psychischen Erkrankungen. In meiner Arbeit erhalte ich aber nur selten Anfragen dieser Art. Wenn das trotzdem einmal der Fall ist, rate ich, einen Therapeuten zu konsultieren.

Wie läuft ein Coaching bei dir ab, was können wir uns darunter vorstellen?

Der Prozess besteht aus drei Teilen: Nach einem kurzen Kennen lernen – eine Art Aufwärmen –, formuliert der Sportler das eigentliche Ziel der Coaching-Sitzung. Ich stelle dabei jeweils die Frage: „Was müsste denn heute passieren, damit du am Ende des Coachings einen Schritt weiter bist?“.
Danach geht es darum, die bereits vorhandenen „Kraftquellen“ zu aktivieren; dazu gehören sämtliche Dinge, die ein positives Gefühl auslösen. Im weiteren Verlauf wird die eigentliche Lösung für das Ziel erarbeitet. Das heisst, der Sportler sollte am Schluss des Coachings irgendetwas in den Händen halten, womit er sein angestrebtes Ziel in Zukunft positiv beeinflussen kann. Dies kann z. B. ein selbst erarbeiteter Vorgehensplan, eine Technik aus dem klassischen Mentaltraining oder einfach eine Erkenntnis sein.
Am Schluss lassen wir das Coaching mit einer kurzen Zusammenfassung und einem lockeren Gespräch ausklingen.

Gibt es Sportarten die sich besser oder weniger eignen für ein mentales Coaching?

Nein, ein Coaching eignet sich für jeden Sport. Die Inhalte müssen aber an die Sportart und persönlichen Bedürfnisse des Sportlers angepasst werden.

Was hast du dir für 2015 vorgenommen und wo siehst du noch Potential hinsichtlich Sportmentaltraining in der Schweiz?

Als Erstes liegt es mir am Herzen, dass meine Kunden in ihrer sportlichen wie persönlichen Entwicklung wachsen können.
Ein besonderer Meilenstein ist mein Buch „Dein Weg zur mentalen Stärke“, welches ca. Mitte 2015 veröffentlicht wird. Ebenfalls habe ich vor, einige mentalen Grundwerkzeuge als Online-Kurs anzubieten und meine Kontakte weiter auszubauen.
Was das Potential in der Schweiz betrifft – obwohl Mentaltraining bei den Sportlern und Medien in den letzten Jahren deutlich mehr Aufmerksamkeit erfahren hat, besteht noch viel Entwicklungspotential. Es gibt hier zu Lande zwar Verbände und Vereine, die das mentale Training mehr oder weniger fest im Ausbildungskonzept integriert haben, das sind aber längst nicht alle. Ich glaube jedoch, dass der Effort auch von den Sportlern selbst kommen sollte.

Zu guter Letzt: Was möchtest du noch loswerden?

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein erfolgreiches Sportjahr mit vielen spannenden und lehrreichen Momenten!

Lieben Dank Matthias für diesen Einblick! Wir wünschen dir auch alles Gute.

Beispiel zum Thema Sportmentaltraining
Beispiel zum Thema Sportmentaltraining

Mehr Informationen zum Sportmentaltraining und Matthias findet ihr unter

http://www.sport-mental-coach.ch