Südafrika steht schon lange auf unserer Bike-Bucketlist! Das Land ist bei vielen bekannt für die tierischen „Big Five“, die Garden Route, verdammt gutes Essen, besten Wein und vieles mehr. Dass sich das Westkap, die Region rund um das Kap der guten Hoffnung, zum Mountainbike-Paradies entwickelt hat, wissen abgesehen von Marathon-Fahrern, nur wenige. Geniale Trails und sommerliche Temperaturen gepaart mit einer traumhaft bunten Natur, machen diese Destination für Mountainbiker einzigartig. Wir haben unsere Bikes auf eine heisse Trailsafari nach Südafrika ausgeführt. Über unsere Ups and Downs auf den Trails, kulinarischen Ausflüge und Umgang mit wilden Tieren während unseres Bike Trips lest ihr hier.

Mit dem Bike (im Gepäck) von Zürich nach Kapstadt

Südafrika ist ein Land in dem der Fahrradsport boomt, Rennrad wie auch Mountainbike. Im Vergleich zu Europa ist die Infrastruktur allerdings wenig ausgebaut, dazu gibt es wenig Kartenmaterial und kaum gute Tourenbeschreibungen. Zudem kommt der Sicherheitsaspekt dazu, sei es Kriminalität, Gefahren in der Natur oder abgelegene Regionen. Deshalb ist es empfehlenswert, sich für den ersten Besuch einer geführten Tour anzuschliessen.

Trailsafari mit Supertrail-Rides

Bei Supertrail-Rides ist der Name Programm und so haben wir keine Sekunde gezögert, deren 10 tägige Trailsafari rund um das Westkap zu buchen. Von Zürich aus fliegt die Edelweiss Air direkt nach Kapstadt. Das grosse Plus: Die Bikes können wir ohne Aufpreis mitnehmen. Herausfordernd finden wir dennoch 23 Kilogramm Gewichtsbeschränkung je für Bikebag und normales Reisegepäck. Bike Bekleidung, Ersatzschläuche, Bremsbeläge, Pumpe und Werkzeug für drei Wochen…da ist die Tasche schnell voll. Aber wir sind ja schliesslich auch zum Biken in Südafrika. Daher lautet die Devise: Das Wichtigste fürs Biken kommt zuerst in den Koffer, die restlichen Dinge werden auf ein Minimum reduziert. Dabei darf natürlich die Fotoausrüstung, Laptop, Ladegeräte, GPS und sonstige Elektronik für den modernen Mountainbiker nicht fehlen. Zu zweit bekommen wir am Ende alles innerhalb der zugelassenen 2 x 23 Kilogramm unter.

Check-in am Vorabend

Um Stress am Abflugtag mit den vielen Gepäckstücken und dem maximal zugelassenen Gewicht zu vermeiden, bringen wir unser Gepäck am Vorabend zum Check in. Am Abreisetag lernen wir bereits vor Abflug unsere Bike Gruppe kennen, mit der wir die nächsten 10 Tage unterwegs sein werden. George von Supertrail-Rides, ein uns bekanntes Gesicht, stellt uns Karin und Kurt, Evelyne und Florine vor. Allen ist die Vorfreude merklich ins Gesicht geschrieben. Wir können es kaum erwarten, dem grausigen nass-kalten Wetter in der Schweiz zu entfliehen. Vor unserem Ziel liegen aber erst mal knapp 12 Stunden Flugzeit. Trotz Nachtflug bleibt die Nacht für uns kurz. Das liegt grösstenteils an der minimalen Beinfreiheit, aber auch an dem verlockenden Filmangebot, das uns wach hält.

Landeanflug Kapstadt mit Tafelberg Blick
Landeanflug Kapstadt mit Tafelberg Blick (c) Outdoormind

Guten Morgen, Kapstadt!

Ankunft in einer Stadt, die Surfer und Biker gleichermassen glücklich macht. Pünktlich um halb Acht landen wir mit nur einer Stunde Zeitverschiebung in Kapstadt. Endlich raus aus dem Flieger, frische und vor allem warme Luft. Nach der formellen Passkontrolle geht es für uns zum Gepäckband weiter. Fliegen mit Bikes ist immer ein Spannungsmoment: Kommt das Sperrgepäck auch wirklich an oder wird man plötzlich ohne dastehen? Unsere Taschen und Bikes sind in Nullkommanix da und folglich auch die grosse Erleichterung in der Reisegruppe. So kann es gerne weitergehen.

Surf & Bike Capetown

Am Ausgang erwartet uns unser Mann für die nächsten Tage: Bernd Barbrock! Er ist vor über 15 Jahren nach Südafrika ausgewandert. Damals war die Kap-Region noch ein wahrer Geheimtipp in Sachen Windsurfen. Zu der Zeit hatte Bernd ein Surfhostel in der Nähe vom Blouberg Beach, inzwischen besitzt Bernd weitere Unterkünfte für seine Gäste. Jedes Jahr zieht es Reisende zurück. Windsicherheit ist so gut wie garantiert und für gute Kiter und Windsurfer ist dieser Spot mittlerweile einer der besten der Welt. Alle Unterkünfte von Bernd befinden sich direkt in Bloubergstrand. Neben der Liebe zum Wassersport, ist Bernd begeisterter Biker. Seit zwei Jahren bietet er gemeinsam mit Supertrail-Rides die Trailsafari an.

Beliebter Kitesurf-Spot Bloubergstrand mit Tafelbergblick
Beliebter Kitesurf-Spot Bloubergstrand mit Blick auf den Tafelberg (c) Outdoormind

Nach dem Verladen von Bikes und Gepäck bekommen wir vom Auto aus einen ersten Eindruck von Südafrika. Die Fahrt vom Flughafen zum Blouberg Beach ist für uns ungewohnt. Weit und breit Schwarze, die zu Fuss auf der Autobahn unterwegs sind, es ist Linksverkehr und das Autofahren ist chaotisch. Wir bekommen direkt eine kleine Sicherheitseinführung von Bernds Praktikantin und sie bestätigt uns bekanntes: Insbesondere nachts, aber auch tagsüber achtsam unterwegs sein und auch mit dem Auto bestimmte Strecken zum Flughafen meiden. In Bloubergstrand angekommen, staunen wir nicht schlecht und sind begeistert von der „Tableview“ – den Blick auf den Tafelberg – und den rasanten Kitern im Vordergrund. Dazu die weissen Sanddünen. WOW!

Surf and Bike Capetown
Surf and Bike Capetown (c) Bernd Barbrock
Capetown Bikehouse Schlafzimmer
Capetown Bikehouse Schlafzimmer (c) Bernd Barbrock
Capetown Bikehouse mit Pool
Capetown Bikehouse mit Pool (c) Bernd Barbrock
Bikehouse Capetown Garten und Bikes
Bikehouse Capetown Garten und Bikes (c) Outdoormind

Die beiden Hunde Roxy und Jim begrüssen uns freundlich, Bernd zeigt uns die Zimmer in einem seiner Häuser. Sie sind sind modern und nett eingerichtet. Der Standard in Südafrika ist sehr hoch und steht dem Europäischen in nichts nach. Nach einer kleinen Stärkung mit leckeren, selbstgebackenen Banana Muffins und Kaffee, bauen wir unsere Bikes auf und machen sie ready für drei Wochen Südafrika. Es wird heiss und vor allem sandig werden. Auf dem Programm stehen 600-1.000 Höhenmeter und maximal 60 Kilometer am Tag auf dem Programm.

Ankunft Kapstadt Bikes ready machen
Bikes ready machen (c) Outdoormind

Am Vormittag geht es an den Blouberg Beach, um das Urlaubsgefühl zu wecken und anzukommen. Endlich den Sand zwischen den Zehen und die Meeresluft im Gesicht spüren!

Der erste Trail in Meerendal

Wir nehmen ein kleines Mittagessen ein, bevor es nachmittags für einen ersten kleinen Ride nach Meerendal geht. Meerendal ist eines von vielen Weingütern rund um Kapstadt und liegt nur 25 Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Ein Hometrail sozusagen. Dazu müssen wir anmerken: Ohne Auto bist du in Südafrika aufgeschmissen. Die Entfernungen zwischen den einzelnen Destinationen sind zu gross; zu Fuss oder mit dem Bike sollte man aus Sicherheitsgründen nicht auf unbekannten Strecken unterwegs sein. Meerendal ist für ein erstes Einfahren ideal, da die Trails sehr einfach und flowig sind.

Ankunft in Meerendal
Ankunft in Meerendal (c) Outdoormind

Uphill ist gleich Downhill

Uphill durch die Weinberge in Meerendal
Uphill durch die Weinberge in Meerendal (c) Outdoormind
Shuttles und Lifte gibt es in Südafrika, bis auf wenige Ausnahmen, weit und breit nicht. In Meerendal geht es am sogenannten „Stairway to Heaven“ knackig zu. Der Anstieg erfordert Kraft in den Beinen und Geschick bei den Spitzkehren berghoch. Die flowigen Spitzkehren sind ein Novum für uns, das gibt es in den Alpen nicht. Aber wie uns Bernd aufklärt sind alle Trails angelegt und so wird auch auf den Spassfaktor bergaufwärts geachtet. Wir sind begeistert, nicht nur Schotterstrassen hochfahren zu müssen.

Unsere Nachmittagsrunde führt über Teilabschnitte vom weltbekannten Bike-Rennen „Cape Epic“. Das Mountainbike-Etappenrennen findet jährlich statt und geht über mehr als 700 Kilometer und 15.000 Höhenmeter an acht Tagen. Und wir finden 1.000 Höhenmeter und 60 Kilometer schon anstrengend. Bernd ist übrigens einer von den Teilnehmern, die sich auf das harte Rennen einlassen.

Roxy auf den Trails in Meerendal
Roxy auf den Trails in Meerendal (c) Outdoormind
Trails am See in Meerendal
Trails am See in Meerendal (c) Outdoormind

Bike und Wein

Zum Abschluss des Tages nutzen wir natürlich die Gelegenheit ein Glas vom hofeigenen Wein des Weinguts Meerendal zu probieren. Als 1973 das Qualitätsweinsystem eingeführt wurde, war Meerendal eines der ersten 14 Weingüter, die den „Estate Wine“-Status erhalten haben.

Bike Gruppe unserer Trailsafari mit Bernd Barbrock und Supertrail-Rides
Bike Gruppe unserer Trailsafari mit Bernd Barbrock und Supertrail-Rides (c) Outdoormind
Winetasting in Meerendal
Winetasting in Meerendal (c) Outdoormind

Wir besuchen zum Dinner eines der bestbewertesten Restaurants am Blouberg Beach: das „Homespun“. Und bekommen einen ersten Einblick wie raffiniert und qualitativ hochwertig die Südafrikanische Küche ist.

Fazit erster Tag: Downhill ist gleich Uphill, bis jetzt keine Schlangen gesehen, nur farbenprächtige Heuschrecken. Sehen zwar angsteinflössend aus, sind aber völlig harmlos. Wein und Essen sind fabelhaft. So kann es weitergehen!

Bunte Heuschrecken in Südafrika
Bunte Heuschrecken in Südafrika (c) Outdoormind

Tag 2: Contermanskloof Trails. Oder: Wer hat Angst vor Cobras?

Die erste Nacht schlafen wir tief und fest. Der Schlafmangel von der Anreise ist schnell kompensiert und wir starten nach einem genialen Frühstück mit Power in den Tag. Wir müssen dazu sagen, dass Carmen, die Frau von Bernd, uns von Beginn an mit ihren Kochkünsten in ihren Fängen hat. Sie bereitet jeden kleinen Happen grandios zu, backt morgens frisches Vollkornbrot oder Brötchen – und kocht einfach extrem lecker.

Zweiter Tag, nächste Station: Contermanskloof in Durbanville. Die urige Farm beherbergt einige Trails und einen Pumptrack. Voll motiviert steigen wir auf unsere Bikes und stehen gleich vor einem Schild, das uns über die verbreitete Cape Cobra informiert.

Warnschild vor Cape Cobras in Contermanskloof
Warnschild vor Cape Cobras in Contermanskloof (c) Outdoormind

Unser Guide Bernd ist tiefenentspannt, denn er hat sich im Laufe der Zeit der Südafrikanischen Gelassenheit angenommen. Bis dato ist nie etwas passiert und die meisten Schlangen sind scheu. Zur Sicherheit ist die Notrufnummer für Schlangenbisse im Smartphone eingespeichert. Mucksmäuschenstill und etwas spassbefreit geht es für uns den Berg hinauf. Alle denken wohl das gleiche.

Oben angekommen müssen wir über unser Verhalten lachen. Wir sind ja mitten drin im „Eingewöhnen“: Denn Hitze, Schlangen und andere Tiere gehören nun mal dazu, wenn man in Südafrika mit dem Fahrrad unterwegs ist. 600 Höhenmeter geht es hoch und runter entlang der flowigen Trails. Nach unserer Tour kehren wir im „The Dairy Shed“, dem Café auf der Contermanskloof Farm, ein. Dort sollte man unbedingt einen der leckeren, frischen Smoothies bestellen.

Bernd und George haben sichtlich Spass auf den Trails in Contermanskloof
Bernd und George haben sichtlich Spass auf den Trails in Contermanskloof (c) Outdoormind
Roxy auf den flowigen Trails in Contermanskloof
Roxy auf den flowigen Trails in Contermanskloof (c) Outdoormind

Wir erreichen das Bikehouse noch vor dem Feierabendverkehr und es wartet bereits ein leckeres Braai auf uns. „Braai“ ist Südafrikanisch für Grillen, was sehr beliebt bei den Südafrikanern ist. Das Fleisch, das dort erhältlich ist, ist in der Regel nicht nur von sehr guter Qualität, sondern auch sehr günstig. So kommt viel davon auf die heisse Kohle. Für uns sind die Rinderfilets ein Traum. Fazit zweiter Tag: Respekt vor giftigen Schlangen verstärkt. Die Kulinarik wird täglich übertroffen. Wein und Trails sind genial.

3. Tag: Downhill in Helderberg

Einen Shuttle-Tag darf man sich schon auch mal gönnen, wenn einer der raren Shuttle-Services angeboten wird. Auf nach Helderberg. Darauf haben Patrick und ich uns schon sehr gefreut, denn für diese Trails sind unsere Enduro Bikes gemacht. Wir starten nicht ganz untypisch für Südafrika etwas später als geplant an der Helderberg Farm mit dem bekannten Downhill-Biker Andrew Neethling und seinem Bike-Shuttle, das aus Pickup und Trailer besteht. Die Ladefläche vom Pickup dient als Sitzmöglichkeit, die uns im Folgenden eine Rüttelpartie bietet. Die steile Fahrt hinauf zum Traileinstieg ist abenteuerlich. Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen und geniessen den Meerblick. Das Schaukeln ist nebensächlich, wichtiger ist uns, dass die Bikes keinen Schaden nehmen. Aber das Konstrukt des Trailers verspricht mehr als er aussieht und Andrew bringt Biker und Sportgerät sicher zum Einstieg.

Bikeshuttle Helderberg
Bikeshuttle Helderberg (c) Outdoormind

Trails mit Meerblick

Helderberg bietet für jedes Biker-Level etwas: Von grünen Flowtrails bis hin zu Kickern von beachtlicher Grösse. Auf den angelegten Trails kommen Einsteiger wie auch Profi-Downhiller auf ihre Kosten, und das inklusive Meerblick.

Nationalblüte Südafrika Protea
Nationalblüte Südafrika Protea (c) Outdoormind

Am Rande der Trails treffen wir nicht nur auf die wunderschöne Nationalblüte Südafrikas, der sogenannten Protea, sondern auch zum ersten Mal auf eine Schlange.

Andrew entdeckt diese neben dem Trail und marschiert trotz Flipflops ins Gebüsch um diese zu begutachten. Die Schlange ist schon längst weg, als er meint, sie sei gelb gewesen. Wir haben gleich das Schild mit der gelben Cape Cobra vom Tag zuvor vor Augen. Andrew macht sich wieder auf dem Weg zurück zum Pickup und meint, dass es mit Flipflops doch nicht so gut sei, Schlangen zu jagen. Wir fragen uns, ob Bike Schuhe da besser geeignet seien…

Helderberg Trails mit Meerblick
Helderberg Trails mit Meerblick (c) Outdoormind

Weiter geht es auf dem schnellen Trail mit gut gebauten Sprüngen, denn wir haben keine Zeit uns weiter Gedanken über Schlangen zu machen. Aber dieses Erlebnis hat uns den Respekt vor einem unerwünschten Treffen mit einer Schlange auf dem Trail nicht unbedingt genommen. In Helderberg gibt es insgesamt vier Loops von grün (Anfänger) bis schwarz (Experte).

Helderberg Trails Enduro
Helderberg Trails Enduro (c) Outdoormind

Der begnadete Südafrikanische Downhiller Andrew Neethling ist mit für den Trailbau am Helderberg zuständig. Daneben fährt Andrew auch den UCI Downhill World Cup mit. Seit nun einem Jahr baut er und sein Partner Jan Van Schalwyk den „Bikepark“ weiter aus. Besucher können hoch treten, auf eigene Faust mit eigenem Fahrzeug shuttlen oder sie nehmen den Service von Andrew in Anspruch. Nach möglichst vielen Runs in der Zeit die uns zur Verfügung steht, gönnen wir uns eine Pause im Schatten beim Kiosk. Es gibt frische Erdbeeren, ein Sandwich und Kaffee. Alles für ein paar Rand beziehungsweise wenige Euro. Für Europäer ist ein Urlaub in Südafrika auf Grund des südafrikanischen Währungskurses als sehr günstig einzustufen.

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