Die auf 1.816 Meter gelegene Bikedestination Livigno gehört zu den Europäischen Bike Spots die jeder Biker mal besucht haben muss. In den 50er Jahren war Livigno noch im Winter von der Aussenwelt abgeschnitten, bedingt durch Schnee und hohe Berge. Seit die Eröffnung vom Tunnel in die Schweiz im Jahre 1954 hat sich vieles geändert und der Grundstein für eine florierende Tourismusdestination, Sommer wie Winter, wurde gelegt. Als Winterskiort ist Livigno schon lange bekannt aber nach und nach etabliert sich Livigno auch zur Sommer Destination. Nicht nur für Wanderer sondern auch für Biker. Ein Grund genug für uns den Stand der Dinge im Sommer 2015 unter die Lupe zu nehmen.

Bikedestination Livigno

Livigno, oft little Himalaya genannt, ist ein Hochtal in der Grenzregion zwischen Graubünden und Italien. Das Dorf ist lang gezogen mit einer Autofreien Fussgängerzone. Der Verkehr wird um die Stadt herum geleitet und es stehen reichlich Parkplätze zur Verfügung. Das Tal ist recht breit und da es gibt keine Liftverbindung zwischen den Talseiten gibt wird dies im Winter über Zubringerbusse geregelt.

Wilkommen in der Bikedestination Livigno (c) Outdoormind
Wilkommen in der Bikedestination Livigno (c) Outdoormind

Bikeangebot

Livigno bietet für jeden Biker ein Angebot. Der Mottolino Fun Mountain ist eher für die Gravity-orientierten Biker und Carosello 3000 eher für den Flow-orientierten Biker geeignet. Darüber hinaus gibt es viele nette Touren, mit oder ohne Liftunterstützung. So ensteht eine Bikeregion wo für jeden was geboten ist und latente Konflikte können vermieden werden durch die geschickte Segmentierung der Interessen auf den verschiedenen Bergen.

Hans Rey auf den Trails in Val Federia (c) Outdoormind
Hans Rey auf den Trails in Val Federia (c) Outdoormind

Es gibt viele Unterkünfte die speziell auf Biker ausgerichtet sind und zugleich sehr Biker-freundlich sind. Nebenbei gibt es ein breites Angebot an Leihbikes und Sportshops wo man seine Ausrüstung ergänzen kann, oder diverse Reparaturen ausführen lassen kann.

Alpe Federia (c) Bartek Wolinski
Alpe Federia (c) Bartek Wolinski

Mottolino Fun Mountain

Den Bikepark am Mottolino Fun Mountain gibt es schon einige Jahre. Dank regelmässiger Trailpflege und neuen Trails ist er aber stets aktuell und gut zum Fahren. Die Trails sind mittels blau, rot und schwarz nach Schwierigkeit kodiert. Im Vergleich zu anderen Parks bewegen sich die meisten Strecken im unteren mittleren Schwierigkeitsgrad. Abgesehen von einigen Sprüngen und den 3 Jumplines ist alles fahrbar für die meisten Fahrer. Der Fokus liegt mehr auf Flow als Hardcore Downhill. Ein Downhillbike ist nicht erforderlich, die meisten Fahrer werden mit einem Endurobike sogar mehr Spass haben. Mehr Informationen findet ihr auch hier.

Drop im Bikepart Mottolino in Livigno (c) Outdoormind
Drop im Bikepart Mottolino in Livigno (c) Outdoormind

Der obere Bereich vom Park besteht aus 2 Lines oberhalb der Waldgrenze. Es gibt allerdings auch noch eine Downhillstrecke die mittlerweile sehr in die Jahre gekommen ist, selten befahren wird und zum grössten Teil nicht unterhalten wird. Davon raten wir eher ab. Die Trails sind angelegt mit Anliegern und Tables. Hier kann man mit Speed und viel Flow drüber jagen.
Im unteren Bereich, unter der Waldgrenze, eröffnet sich eine Trailvielfalt. Es gibt viele kürzere Trails die miteinander verbunden sind. Auch ein Bereich mit North-Shore-Elementen findet sich im Wald.

Patrick von Outdoormind am Wallride im Bikepark Mottolino (c) Bartek Wolinski
Patrick von Outdoormind am Wallride im Bikepark Mottolino (c) Bartek Wolinski

An der Talstation finden sich reichlich Parkplätze, Bikewaschmöglichkeit und ein Shop. Die Bergbahn transportiert pro Ei 2 Biker mit Sportgerät auf Hochkant. So kommt das Bike ohne Beschädigung auf den Berg.

Epische Wälder in Livigno (c) Bartek Wolinski
Epische Wälder in Livigno (c) Bartek Wolinski

Das Berggasthaus ist zu empfehlen, neben einer Vielzahl Gerichte gibt es auch lokale Spezialitäten wie Pizzochere zu zahlbaren Preisen. Ebenfalls wird ein hervorragender Espresso und Cappuccino serviert. Der Aussenbereich mit Liegen auf Kuhfell lädt bei schönem Wetter zur Verschnaufpause ein.

Northshore Elemente im Mottolino Bikepark Livigno
Northshore Elemente im Mottolino Bikepark Livigno
Holzanlieger im Mottolino Bikepark Livigno
Holzanlieger im Mottolino Bikepark Livigno
Flowtrails im Mottolino Bikepark Livigno
Flowtrails im Mottolino Bikepark Livigno
Bikepark Mottolino in Livigno Map
Bikepark Mottolino in Livigno Map

Carosello 3000

Am Carosello 3000 ist das Tempo langsamer. 2 Bergbahnen bringen Wanderer und Biker von Livigno auf den Berg. Die Bergbahnen liegen weit (20min) auseinander. Daher macht es Sinn sich vorab Gedanken über Logistik zu machen. Die eine der beiden Bergbahnen ist relativ neu und transportiert 2 Biker und 2 Bikes. Die zweite Bahn ist noch original 60er Jahre Style, kann maximal einen Biker mit Bike pro Kabine transportieren, wobei das Rad es nicht ganz ins Innere schafft. Etwas gewöhnungsbedürftig ist das schon.

Carosello 3000 und Livigno im Hintergrund (c) Outdoormind
Carosello 3000 und Livigno im Hintergrund (c) Outdoormind

Am Carosello wird aktuell am meisten gemacht. Neben dem recht bekannten Trail ins Federial Tal entstanden 2 neue Flowtrails im Sommer 2015. DIe Trails führen, im Gegensatz zum Federial Trail, Biker über die Vorderseite vom Berg nach Livigno runter. Die Trails lassen sich in jedem Tempo fahren. Man merkt zwar dass die Trails noch sehr neu sind, da die eine oder andere Stelle noch optimiert werden könnte, aber alles in allem ist es sehr beeidruckend was für Trails in kürzester Zeit gebaut wurden. Die Trails sind definitiv Familientauglich und der Speed bestimmt ob man abhebt und wie weit man fliegt, wenn überhaupt.

Flowtrails in Livigno

Seit dem Sommer 2015 stehen Bikern 2 Flow Country Trails am Carosello 3000 zur Verfügung. Coast to Coast, (Länge: 6 km, Höhendifferenz: 469 m, durchschnittlich Neigung: 7,80%) und der Roller Coaster,(Länge: 4 km, Höhendifferenz: 342 m, durchschnittliche Neigung: 9,80%). In Kooperation mit Hans Rey und dem Flow-Country-Experten Diddie Schneider baute Alberto Clement mit der Crew Strecken, die sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene bestens geeignet sind. Neu am Carosello 3000 ist auch die All Mountain Strecke “Hairy Cow”.

Flow Trail in Livigno (c) Outdoormind
Flow Trail in Livigno (c) Outdoormind

Empfohlene Touren

Neben den Bikeparkstrecken am Mottolimo und den angelegten Trails am Carosello 3000 bietet Livigno vielseitige Tourenmöglichkeiten. Ein Blick in die Supertrail-Map gibt Einblicke wo man die schönsten Trails findet. Zu den Klassikern zählt:

Val Federia

Vom Carosello 3000 geht es über den unübersehbaren Singletrail auf die Rückseite runter ins Tal. Der Trail ist schnell und flowig. Die Alpe Federia lädt zum zwischenstop ein.

Val delle Mine / Alpe Mine

Vom Mottolino Bikepark gut über einen flowigen Höhenweg zu erreichen. Val delle Mine Tour ist eine landschaftlich schöne Tour ins Val delle Mine wo am Ende der Strasse die Alpe Mine zur Einkehr einlädt.

Monte delle Rezze

Vom Carosello 3000 geht knapp 300 Höhenmeter über einen schmalen und steinigen Singletrail hinauf zum Monte delle Rezze. Auf 2.858 Meter Höhe angekommen genießt man einen wunderschönen Panoramablick über Livigno. Die Abfahrt ist ein langer Singletrail, mit Kennzeichnung „lila“ und „schwarz“ auf der Singletrail-Map. Eine schöne, anfangs leicht technische Abfahrt bis ins Tal.

Monte delle Rezze (c) Outdoormind
Monte delle Rezze (c) Outdoormind

Val Minor/Val de Fèn/Lago del Monte

Im Sommer 2015 wurde ein neuer, 5,8 km langer Trail eröffnet, der vom Bahnhof Bernina Hospiz zum Forcola-Pass über 180 Höhenmeter führt und in ca 50 Minuten zu bewältigen ist. Von dort aus kommt man einfach nach Livigno. Auch in die entgegengesetzte Richtung, von Livigno zum Berninapass ist der Trail von großer Bedeutung. Bisher war die Strecke nur über einen konditionell anspruchsvolleren Trail, mit drei bis vier Stunden Fahrzeit, möglich. So eröffnet sich ein grösseres, leicht erreichbares Tourengebiet von Livigno aus.

Markenbotschafter vor Ort

Seid Jahren sind Hans Rey und Danny McAskill Botschafter für Livigno und sind immer wieder mal zu Besuch. Outdoormind hatte das Vergnügen die neuen Trails am Carosello mit Hans und Danny zu erkundigen. Natürlich sind Hans und Danny von der Region begeistert, was vom Botschafter sicherlich zu erwarten ist, aber irgendwie scheint doch mehr dahinter zu sein wenn man das breite Grinsen der beiden nach dem Fahren der Trails betrachtet. Im Grunde sind Hans und Danny sehr ähnlich vom Background aber gleichzeitig sehr unterschiedlich. Die Liebe zu den Trails und der Region aber die Gleiche.

Danny McAskill, Outdoormind und Hans Ray (c) Outdoormind
Danny McAskill, Outdoormind und Hans Ray (c) Outdoormind

Was sonst noch geboten wird

Neben dem reichhaltigen Outdoor- und Sportangebot gibt es noch einiges zu beachten. Obwohl immer wieder Diskussionen in Italien ausbrechen ist Livigno bis heute von der Mehrwertsteuer befreit. Das macht Shopping sehr attraktiv. Alkoholische Getränke und Parfüm werde regelmässig gekauft. Ebenso lohn sich das Tanken. Neben dem sind regionale Spezialitäten wie Pizzocheri oder Bresaola sehr zu empfehlen. Auch Sportartikel gibt es in den vielen Sportgeschäften zu kaufen. Die Preise unterscheiden sich nicht sehr Stark von der Preissetzung in Italien oder Deutschland aber ab und zu lässt sich ein Schnäppchen machen. Eine Bikereparatur könnte sich aber lohnen da die Werkstätte der Shops schnell und professionell sind.

Traditionelle Pizzoccheri in Livigno (c) Outdoormind
Traditionelle Pizzoccheri in Livigno (c) Outdoormind

Fazit

Livigno ist eine sehr spannende Region, vor allem wenn man verschiedene Bikedisziplinen (Bikepark, Flowtrail, Tour) in einem Urlaub kombinieren möchte. Familien sind hier z.B. gut aufgehoben. Es ist eine ausgeprägte Tourismusregion die mit Freundlichkeit punktet. Etwas gemütlicher als andere Italienische Skiorte und zugleich etwas günstiger als Schweizer Skiorte. Wer die Anfahrt, die zwar nicht so weit oder lang erscheint, aber Bergstrassen oder einen einspurigen Tunnel beinhaltet was sich auf die Fahrzeit niederschlägt, in Kauf nimmt, kommt in eine unvergessliche Bergregion mit einem breiten Bikeangebot. Die Anfahrt für den Bikepark oder die Flowtrails alleine mag den meisten zu weit sein, aber die Kombination mit sonstige Vorzügen wie Shopping, macht dies zu einer Runden Sache.

Wir können Livigno nur empfehlen und kommen gerne wieder.

Mehr Informationen findet ihr auch unter https://www.livigno.eu und in unserem anderen Artikel zum Thema Biken in Livigno.