Insel Elba Biken gilt noch als echter Geheimtipp. Outdoormind war eine Woche auf der Insel, um sich dort mal umzuschauen und die Gegebenheiten vor Ort zu testen. Wir waren im Juni 2017 auf der Insel. Unser Update gibt es hier. So viel vorweg: Es hat sich einiges getan!!

Elba Biken: Abenteuer beim Biken auf der Insel

Das kreisförmige Licht unserer Stirnlampen flackert über den Boden. Der Kies knirscht unter den Reifen unserer Bikes und eine Schicht aus Staub und Hitze legt sich auf unsere Haut. Es ist 5.30 Uhr als wir in der Dunkelheit unsere Bikes über den Trail auf den Monte Tambone nahe Marina di Campo schieben. Wir wollten unseren zweiten Tag mit einem Sonnenaufgang beginnen, doch nach einer Stunde Aufstieg, schieben sich dicke Wolken vor die aufgehende Sonne. In der morgendlichen Dämmerung ziehen wir unsere Protektoren an und machen uns bereit für die Abfahrt. Der Wind frischt auf und bringt eine salzige Brise vom Meer. Hinter den Wolken schimmert die Sonne pink-orange als wir in den oberen Teil des Trails einbiegen: flowige Passagen mit kleinen Sprüngen sind gut, um zu Beginn ein bisschen Speed aufzunehmen. Anschließend folgt der verblockte, technische Part, der uns direkt bis zum Meer bringt.

Biken auf Elba
Elba Insel (c) Outdoormind

Elba ist der Geheimtipp unter den Mountainbikern

Die Insel Elba liegt im toskanischen Archipel und ist mit 224 km2 die drittgrößte Insel Italiens. Von München aus fährt man über den Brenner und Florenz um die 800 km nach Piombino, von wo aus man in einer einstündigen Fährfahrt Elba erreichen kann. Von Zürich sind es „nur“ knapp 650 km.

Elba Anreise ab Piombino mit der Fähre und unserem VW T6 Bus
Elba Anreise ab Piombino mit der Fähre und unserem VW T6 Bus (c) Outdoormind
Überfahrt mit der Fähre nach Elba
Überfahrt mit der Fähre nach Elba (c) Outdoormind

Elba gilt als Geheimtipp für Mountainbiker und erweist sich als echtes Trailparadies. Jeder kann hier auf seine Kosten kommen, allerdings sollte man auch bereit sein, längere Aufstiege in Kauf zu nehmen: also nichts für reine Downhillbikes. Mit einem Enduro kann man dafür ordentlich Gas geben, denn die Insel strotzt nur so vor geheimen Trails, die durch die toskanische Macchia führen. Von flowig bis technisch und verblockt ist alles dabei und bei so ziemlich jeder Tour findet man einen Weg direkt zum Strand. Die angenehmste Zeit zum Biken ist im Frühjahr und im Herbst, da dann die Temperaturen noch nicht so hoch sind und sich die touristischen Scharen in Grenzen halten. Wir können bestätigen, dass es im Juni wirklich schon sehr heiss werden kann. Aber selbst im Sommer trifft man auf den Trails höchstens ein bis zwei andere Biker. Überlaufen sieht anders aus.

Trails stets mit Blick auf das Meer
Trails stets mit Blick auf das Meer (c) Outdoormind

Auch wenn man hoch hinaus will, bietet Elba genügend Möglichkeiten. Mit 1019m ist der Monte Capanne der höchste Berg der Insel, allerdings ist er schwer mit dem Bike erreichbar. Über eine asphaltierte Straße kommt man aber gut bis zum 630m hohen Monte Perone, der kleine Bruder des Capanne. Von hier kann man über schmale Singletrails durch Maroniwälder und teilweise dicht-überwuchertes Hinterland bis zu dem kleinen Ort San Ilario abfahren.

Monte Perone Uphill
Monte Perone Uphill (c) Outdoormind
Steiler Aufstieg zum Monte Perone auf Elba
Steiler Aufstieg zum Monte Perone auf Elba (c) Outdoormind

Rund um den Monte Perone gibt es eine Vielzahl von Enduro-Trails, die das Biker-Herz höher schlagen lassen und sogar angelegte Bike-Trails mit Anliegern und kleineren Sprüngen. Für eine Tagestour treten wir also ab Marina Di Campo zum Monte Perone hinauf. Der Anstieg ist recht knackig mit einer durchschnittlichen Steigung von 14%. Aber die Anstrengung lohnt sich, denn oben warten 5 Trails, die wir an diesem Tag mit einem „Aufwand“ von „nur“ knapp 1.200hm Uphill erreichen. Trails wie Zucca 1, 2 und 3 sowie der bekannte „Sassi Ritti“ Trail können sich sehen lassen!

Angelegte Trail am Monte Perone Zucca 2
Angelegte Trail am Monte Perone wie der Zucca 2 (c) Outdoormind
Traumtrails mit Sonnenuntergang am Monte Perone
Traumtrails mit Sonnenuntergang am Monte Perone (c) Outdoormind
Trails mit Meerblick auf Elba am Monte Perone
Trails mit Meerblick auf Elba am Monte Perone (c) Outdoormind

Natürlich darf man hier auch ein bisschen Kleingeld auf seiner Tour nie vergessen, da immer ein Weg in ein kleines italienisches Café führt, wo man den besten Cappuccino und dazu selbstgemachte Cantuccini bekommen kann. Hält man sich entlang des Fußballplatzes hat man von San Ilario wieder die Möglichkeit mehrere Trails zu nehmen. Zunächst folgt man einer sandigen Forststraße, von der aus man rechter Hand mehrmals abzweigen kann.
Generell sollte man auf jeden Fall immer ein Longsleeve dabei haben, da die Dornen der Macchia ganz schön tückisch sein können. Das gilt auch für Ersatzschläuche: ein Platten in zwei Tagen ist in der Regel Standard, da selbst die stabilsten Downhillmäntel den toskanischen Dornensträuchern nicht standhalten können.

Der Spiaggia Biodola bietet sich wunderbar zum Baden oder SUP an
Der Spiaggia Biodola bietet sich wunderbar zum Baden oder SUP an (c) Outdoormind

Der Westen von Elba

Im Westen der Insel geht es (noch) wilder zu. Ein Ausflug mit dem Bike dorthin ist ein MUST! Denn die Trails rund um Marciana hauen uns wirklich um! Technisch anspruchsvolle Enduro-Trails in einer atemberaubenden Kulisse erwarten euch hier. Logistisch ist es im Westen etwas schwieriger alleine unterwegs zu sein, daher empfehlen wir euch Elba Freeride oder Michele vom Campingplatz Valle Santa Maria zu kontaktieren. Sie shutteln auch und kennen die Trails wie kein anderer. Auch wir haben uns auf die Empfehlung von Elba Freeride und Michele verlassen und wurden nicht enttäuscht. Wir sind extrem begeistert und positiv überrascht, denn wir hätten nicht gedacht, dass Elba Weltklasse-Enduro-Trails zu bieten hat!

Bikeshuttle mit Michele vom Camping Valle Santa Maria
Bikeshuttle mit Michele vom Camping Valle Santa Maria (c) Outdoormind
Ausfahrt mit der Enduro-Bike Gruppe vom Camping Valle Santa Maria
Ausfahrt mit der Enduro-Bike Gruppe vom Camping Valle Santa Maria (c) Outdoormind

Elba Biken: Unterkunft für Mountainbiker

Klassische Bike-Hotels findet man auf Elba noch nicht, aber die Hotels und Campingplätze haben verstanden, dass Biker eine relevante Zielgruppe ist. Daher wird sich hier auf der Insel sicher noch einiges tun, was den Bike-Tourismus angeht und auch das Angebot.
In Marina di Campo sieht man zahlreiche Biker, sei es Mountainbike oder Rennrad. Sogar auf einigen Campingplätzen wie z.B. der Ville degli Ulivi und dem Campingplatz Valle Santa Maria gibt es eine Radstation zum kostenlosen Aufpumpen der Räder.

Einer der besten Trails auf Elba landet beim Camping Valle Santa Maria
Einer der besten Trails auf Elba landet beim Camping Valle Santa Maria (c) Outdoormind
Zedda 1 MTB Trail auf Elba mit Roxy
Zedda 1 MTB Trail auf Elba mit Roxy (c) Outdoormind

Wir empfehlen euch den Campingplatz Valle Santa Maria in Lacona. Hier findet man Gleichgesinnte und es werden kostenlos (!!!) Biketouren für jedes Level angeboten. Michele bringt euch auch gerne mal mit dem Bike-Shuttle zu den Hot-Spots der Insel, um grössere Strecken mit dem Auto zurückzulegen oder ein bisschen Uphill zu sparen. Das kommt uns natürlich sehr entgegen. :)
Manchmal geht es auch mit dem Boot von A nach B. Hier ist einiges geboten und für jedes Level etwas dabei. Der Campingplatz bietet die ideale Lage inklusive Strandzugang. Übrigens, ein grandioser Trail, namens Zedda 1 lässt sich von hier aus ideal erreichen.

Bikepark Capoliveri

Bike-Shops gibt es in Portoferraio, der Hauptstadt der Insel und der Bikerhaupstadt Capoliveri. Die Insel selbst ist offen gegenüber Mountainbikern und in Capoliveri gibt es einen Bikepark mit fünf ausgewiesenen Touren rund um den Monte Calamita. Dabei sollte man „Bikepark“ nicht wörtlich nehmen, vielmehr handelt es sich hier um ein gut beschildertes Mountainbike Tourennetz. Jede Route ist farblich markiert und mit Holzschildern ausgeschildert. Einen Besuch ist es sicherlich wert, auch rein landschaftlich ist es schon sehr spektakulär. Der Kontrast von Überresten der Minen-Industrie, für die Elba in den früheren Jahren berühmt war, und den Farben der Natur ist sehr imposant. Jedoch heisst es hier wie so häufig auf der Insel: Treten, treten, treten. Und das kann bei 32 Grad direkt der Sonne ausgesetzt dann doch etwas mühsam sein. Aber für einen halben Tag sehenswert.

Capoliveri Bikepark auf Elba mit sandigen Trails
Capoliveri Bikepark auf Elba mit sandigen Trails (c) Outdoormind
Punta Calamita beim Capoliveri Bikepark auf Elba
Punta Calamita beim Capoliveri Bikepark auf Elba (c) Outdoormind
Traumhafte Aussichten auf Elba
Traumhafte Aussichten auf Elba (c) Outdoormind
Calamita Miniere di Capoliveri auf Elba
Calamita Miniere di Capoliveri auf Elba (c) Outdoormind
Punta di Calanova auf Elba
Punta di Calanova auf Elba (c) Outdoormind

Kartenmaterial und Bike-Guides

Bezüglich Trails findet ihr euch am besten mit der Kompasskarte Isola d`Elba WK2468 oder der Supertrail Map Elba (dieses Jahr neue Auflage und hier zu bestellen!) zurecht, da hier Mountainbikewege und Trails eingezeichnet sind. Diese sollten Neulinge auf jeden Fall immer dabei haben, da man sich in der Vielfalt der Trails schnell verfahren kann und man gleich in einer anderen Bucht wieder raus kommt und eventuell einen längeren Rückweg in Kauf nehmen muss. Aber wie gesagt, am besten für die ersten Tage oder den Westen der Insel an Elba Freeride oder Michele vom Campingplatz wenden.

Blick auf Portoferraio Elba
Blick auf Portoferraio Elba (c) Outdoormind
Hafen von Portoferraio auf Elba
Hafen von Portoferraio auf Elba (c) Outdoormind
Typisch italienisch
Typisch italienisch! (c) Outdoormind

Gut zu wissen – Elba Biken

  • Elba ist für Jedermann geeignet, wobei das Downhillbike zuhause bleiben kann und man lieber sein Enduro mitnehmen sollte. Mit einem Federweg ab 150mm hat man auch auf den verblockten Passagen richtig Spaß.
  • Biker sind auf Elba überall willkommen. Allerdings sollte man auch für einen Bikeshop größere Wege in Kauf nehmen wollen, da nicht in jedem Ort einer vorhanden ist.
  • Das Preis-Leistungs-Verhältnis auf Elba ist gut. Trotz des Tourismus ist die Insel nicht überteuert und beispielsweise erhält man einen Campingplatz in der Nachsaison für 26 Euro für zwei Erwachsene plus Zelt und Auto. Ein Plus ist, dass hier die ADAC-Campingcard gilt, wodurch der Zeltplatz nur noch insgesamt 18 Euro kostet.
  • Aufgrund der Vielfalt an Trails, trifft man selten andere Biker. Dies kann im Spätherbst und im Frühjahr natürlich anders aussehen, aber im Mountainbikebereich wird die Insel da auch kaum überlaufen sein, da es sich sehr gut verteilt.
  • Elba können wir als Reiseziel nur empfehlen. Überall kann man etwas Neues entdecken und neues Terrain erkunden. Von fast jeder Tour aus hat man das Meer im Blick und kann sich direkt nach dem Biken darin noch eine Abkühlung gönnen.
Traumhaftes kristallklares Wasser am Spiaggia di Viticcio
Traumhaftes kristallklares Wasser am Spiaggia di Viticcio (c) Outdoormind

Fazit: Die Insel hat uns gezeigt, dass sie für Biker definitiv eine Reise wert ist. Die Trails können locker mit Punta Ala und Co mithalten! Sandiger Untergrund und verblockte Passagen sind tendenzielle eher nichts für Anfänger, dafür aber umso spassiger für gute Biker. Und wenn man mal keine Lust mehr auf sein Bike hat, dann geht man einfach Tauchen, Stand-Up-Paddleboarden oder genießt den Strand, die Sonne und das italienische „dolce far niente“. Für ein paar Tage definitiv ein lohneswerter Trip! Vielleicht in Kombination mit Massa Vecchia und Punta Ala?

Um Unterkunftsmöglichkeiten zu erkunden so wie den besten Preis zu bekommen empfehlen wir unseren Partner Hotels.de

Weitere Informationen zu den Trails und organisierte Bike-Touren:
Elba Freeride
Camping Valle Santa Maria

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Romina Lemmert
Outdoor & Sport: Hier bin ich zuhause. Sei es beim Biken im Sommer oder Freeriden im Winter – Draußen sein in der Natur ist für mich ein Geschenk. Das bedeutet, völlig lebendig zu sein. Bei Outdoormind setzte ich im Speziellen auf frauenspezifische Produkte und berichte über Abenteuer mit Bike & Ski.